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Mögliche BVB-Siegesfeier in Dortmund
Polizei nimmt Dachböden für Kamera-Überwachung in Beschlag

Dortmund: Polizei überwacht Borsigplatz vor möglicher DFB-Pokalfeier
Der Borsigplatz in der Dortmunder Nordstadt gesäumt mit BVB-Fans. FOTO: dpa
Exklusiv | Dortmund. Sollte der BVB am 27. Mai den DFB-Pokal gewinnen, steigt in Dortmund eine große Fußballparty. Hunderttausende Fans werden am Borsigplatz erwartet. Für die polizeiliche Überwachung müssen seit Montag die Dachböden von Mehrfamilienhäusern herhalten. Sogar die Schlösser wurden ausgetauscht.  Von Clemens Boisserée

Die Dortmunder Nordstadt genießt keinen guten Ruf, manche sprechen von einer sogenannten "No-go-area". Nächstes Wochenende könnte es hier zum Massenauflauf jubelnder Fußballfans kommen. Borussia Dortmund steht im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt und kann erstmals seit 2012 wieder eine wichtige Trophäe in die selbsternannte Fußballhauptstadt holen. Die Siegesfeier samt Autokorso führt in diesem Fall traditionell durch die Nordstadt, rund um den Borsigplatz, die Geburtsstätte des BVB. Bei der letzten Meisterfeier der Borussia 2012 säumten über 250.000 Menschen den Weg.

Für die Dortmunder Polizei laufen die Vorbereitungen auf eine mögliche Party bereits auf Hochtouren. Vorletzte Woche bekamen Mieter einiger Wohnungen rund um den Borsigplatz ein Anschreiben ihres Vermieters, der Spar- und Bauverein eG. Inhalt: Die Polizei benötigt die Dachböden der Mehrfamilienhäuser, um dort Videokameras aufzubauen. "Um Ausschreitungen am Borsigplatz, der Geburtsstätte des BVB 09, zu vermeiden, hat uns die örtliche Polizei um Mithilfe gebeten", heißt es in einem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt.

Dieses Schreiben ging an einige Anwohner in der Dortmunder Nordstadt. FOTO: RPO

Polizei tauscht Turschlösser aus

Schon seit dem 15. Mai können die Bewohner die Räume nicht mehr nutzen, laut Ankündigung hat die Polizei die Türschlösser ausgetauscht. "Auf den Dachböden der Wohnhäuser werden Überwachungskameras aufgestellt, die das Geschehen rund um den Borsigplatz festhalten sollen", schreiben die Vermieter. Bis zum Montag nach den potenziellen Feierlichkeiten, dem 29. Mai, bleiben die Räume unzugänglich.

Die Dortmunder Polizei bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion die Maßnahme. Diese sei schon zu vergangenen Anlässen angewandt worden. "Die Installation der Kameras dient der Gefahrenabwehr und halten den rechtlichen Rahmen ein", sagt Behördensprecher Kim Ben Freigang. Die Dachgeschosse der Wohnungen seien dafür besonders gut geeignet, könne man von hier doch den gesamten Platz im Auge behalten. Das Polizeigesetz erlaubt den Aufbau von Überwachungskameras für Orte, die bereits in der Vergangenheit Ziel von Straftaten wurden - auch in Mehrfamilienhäusern. Bei den Feierlichkeiten 2012 wurden rund um den Platz Bengalos abgebrannt, 50 Fans wurden ermittelt und vom Verein mit einem Stadionverbot belegt. 

BVB-Fans feiern Finaleinzug am Borsigplatz FOTO: dpa, bt

Kritik von Fans und Datenschützern 

Doch nicht nur mögliche Randale oder Pyrotechnik-Vergehen durch Fans will die Polizei besser kontrollieren. "Spätestens seit dem Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund stehen solche Großveranstaltungen unter besonderer Beobachtung", begründet Freigang die frühzeitige Überwachung. Am 12. April war das BVB-Team vor dem Mannschaftshotel mit drei Bomben attackiert worden, ein Spieler wurde verletzt

Die mobile Überwachung ruft aber auch Kritiker auf den Plan. "Ich sehe die geplanten Maßnahmen mit Sorge, denn ihnen liegt die Grundannahme zugrunde, dass die BVB-Fans, die dort feiern, potenzielle Störer sind", sagt Jakob Scholz aus dem Vorstand der BVB-Fanabteilung, einer Fanvertretung aus über 15.000 Vereinsmitgliedern des Fußball-Bundesligisten. Er wünsche sich seitens der Polizei Transparenz über die geplante Überwachung, "Fans sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden dürfen", sagt Scholz.

Auch Datenschützer reagieren auf Anfrage unserer Redaktion mit Verwunderung. "Es ist schon eine besonders harte und ungewöhnliche Maßnahme", sagt der Ratinger Datenschutzexperte Rolf Poschmann, ergänzt aber: "Rechtlich ist sie voraussichtlich zulässig." Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch Daniel Strunk, Sprecher der Datenschutzbeauftragten in NRW: "Die Polizei muss genau überprüfen, ob die Vorfälle der Vergangenheit ausreichen, um eine solche Maßnahme zu rechtfertigen. Sollten bereits zwei Wochen vor der Veranstaltung personenbezogene Daten erhoben werden, wäre das zumindest fragwürdig", sagt Strunk.

Die Dortmunder Polizei weist solche Kritik zurück. Der Einsatz sei genau geprüft worden - auch mit Hinblick auf die "stengen Datenschutzgesetze in NRW", sagt Freigang. Er stellt klar: "Alle unsere Maßnahmen sorgen für ein Plus an Sicherheit."

Dortmund - die unterschätzte Ruhrpott-Metropole FOTO: dpa, pla
 
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