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Angriff auf Polizisten
Minister Jäger sieht bei Tätern in Düren Tötungsabsicht

Düren: Angriff auf Polizisten - Minister spricht von Tötungsabsicht
Die Polizei führt einen Mann nach dem Angriff in Düren ab. FOTO: AZ/AN
Düsseldorf. Es begann mit einem Streit um ein Knöllchen – dann ist die Lage in Düren eskaliert: Eine Gruppe Männer griff Polizisten an, zehn Beamte wurden verletzt. Innenminister Jäger will, dass die Täter die ganze Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen.

Aus Ärger über ein Knöllchen fürs Falschparken hat sich eine Gruppe Männer am Samstag in Düren eine brutale Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Zehn Beamte wurden nach Angaben der Polizei so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Angreifer hätten immer mehr Verstärkung bekommen und schließlich auch massives Werkzeug als Waffe eingesetzt. Drei der Angreifer wurden vorübergehend festgenommen, sie sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) sprach in der WDR-Sendung "Aktuelle Stunde" von einem "widerlichen Gewaltexzess" und kündigte an, man werde die Täter die ganze Härte des Rechtsstaats spüren lassen.

"Was mit Respektlosigkeit gegenüber Mitarbeitern des Ordnungsdienstes anfing, endete in einem brutalen Angriff auf die zu Hilfe gerufenen Polizisten", sagte Jäger. Das sei absolut inakzeptabel. Seine Gedanken seien vor allem bei dem schwer verletzten Beamten.

 Viele Täter 1,90 Meter groß und über 100 Kilo schwer 

Denn der Vorgang war ungewöhnlich brutal: Als ein Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamtes ein Knöllchen verteilt hatte, bedrohte ihn der 46-jährige Fahrzeughalter so sehr, dass der die Polizei zuhilfe rief. Als die Einsatzkräfte anrückten, seien der 46-Jährige und mehrere Unterstützer "mit roher Gewalt und Aggression" auf die Beamten losgegangen, berichtete die Polizei. Auf zehn Polizisten wurde so sehr eingeprügelt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Ein schwer verletzter Beamter blieb stationär im Krankenhaus.

"Ein Polizist wurde in den Schwitzkasten genommen. Ihm wurde mit einem Radmutternschlüssel gezielt ins Gesicht geschlagen", berichtete der Aachener Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel. Viele Täter seien 1,90 Meter groß und über 100 Kilo schwer gewesen, sagte Innenminister Jäger. "Wer mit einem Radmutterschlüssel auf einen Kopf einschlägt, da unterstelle ich sogar Tötungsabsicht", sagte er.

Erst als die Beamten weitere Verstärkung erhielten, konnten sie den 46-Jährigen und seinen 27 Jahre alten Sohn festnehmen. Ein Spezialeinsatzkommando fasste am späten Abend in einer Wohnung in Düren einen weiteren Tatverdächtigen. Weitere Fahndungsmaßnahmen liefen. Die Polizei teilte nicht mit, wie viele Männer insgesamt über die Polizisten hergefallen waren. 

Kraft will Gewalt-Opfern finanziell helfen

Immer wieder wurden Polizisten in NRW zuletzt selbst zur Zielscheibe. Am Gelsenkirchener Hauptbahnhof wurden zwei Polizisten angegriffen, als sie eine Auseinandersetzung zwischen zwei Jugendgruppen schlichten wollten. Ein 15-Jähriger sei mit einem verbotenen Messer auf die Beamten zugestürmt. Die Polizisten zogen ihre Dienstwaffen und drohten, zu schießen. Daraufhin ließ der Junge das Messer fallen und flüchtete. In Dortmund hat ein Mann mehrere Autoreifen zerstochen. Als ein Polizist ihn bemerkte, richtete er eine Schusswaffe auf den Beamten.

"Wer im Einsatz für unser Gemeinwesen, also im Einsatz für uns alle, zu Schaden kommt, verdient unseren ganz besonderen Schutz", betonte auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Die Landesregierung will sich deshalb finanziell stärker um Polizisten und andere Behördenmitarbeiter kümmern, die im Dienst Opfer von Gewalt werden. Bislang müssten Beschäftigte des Landes Schmerzensgeldansprüche direkt gegen den Angreifer durchsetzen. Könne der nicht zahlen, gingen die Opfer leer aus, sagte Kraft.

"In solchen Fällen wird das Land künftig einspringen und in Vorleistung gehen, indem es die berechtigten Schmerzensgeldansprüche übernimmt." Das Innenministerium habe eine entsprechende Änderung des Landesbeamtengesetzes erarbeitet, von der auch die Tarifbeschäftigten des Landes profitierten. Es ist ein Zeichen im Rahmen der landesweiten "Woche des Respekts", die an diesem Montag beginnt.

Mit Blick auf die "Woche des Respekts" forderte Kraft aber auch die Bürger auf, selbst "Zeichen für mehr gegenseitige Achtung und mehr Wertschätzung zu setzen".

(top/lnw)
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