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Hohe Kosten für Entsorgung
Grill-Sünder verursachen Millionenschäden durch Müll

Düsseldorf und Köln: Grill-Sünder verursachen Millionenschäden durch Müll
Ein Mülleimer im Düsseldorfer Hofgarten. Viele finden: Diese Eimer sind zu klein und es gibt zu wenig davon. FOTO: Uwe-Jens Ruhnau
Köln/Düsseldorf. Am ersten warmen Wochenende des Jahres haben viele Griller wieder ihren Müll auf den Wiesen liegengelassen. Die Entsorgung kostet die Städte viel Geld. In Leverkusen ist deshalb das Grillen in öffentlichen Anlagen verboten. Von Christian Schwerdtfeger

Wenn Justus auf Streife ist, trägt er ein orangefarbenes T-Shirt und einen Strohhut in derselben Farbe. Sein Einsatzabschnitt sind meistens die Poller Wiesen am Kölner Rheinufer, wo bei gutem Wetter wie am Wochenende viel gegrillt wird. "Ich passe auf, dass die Leute ihren Müll nicht liegen lassen", sagt er.

Justus ist ein sogenannter Grillscout in Köln. Seine Aufgabe und die seiner Kollegen ist es, dafür zu sorgen, dass die Grünanlagen in der Stadt sauber gehalten werden. Er erklärt erwachsenen Menschen, dass Grillabfälle wie Einweggeschirr und Essensreste in die vorhandenen Müllbehälter gehören. Und dass man Grillkohle und Asche nicht einfach liegen lässt. "Eigentlich sollte man meinen, dass das jeder wüsste. Aber das ist leider nicht so", sagt er. Bußgelder dürfen die Grillscouts aber nicht verhängen. "Im Ernstfall rufen wir Ordnungsamt oder Polizei zur Hilfe", sagt Jonas.

Seit Jahren schon versucht die Stadt Köln, mit einer Reihe von Aufklärungskampagnen an die Vernunft der Menschen zu appellieren, die in den öffentlichen Grünanlagen grillen. "Es sähe alles viel schöner aus, und unsere Arbeit wäre wesentlich einfacher zu erledigen, wenn alle etwas mehr mitmachen würden", betont Wilfried Berf von den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben.

Auch die Natur leidet

Die Entsorgung des liegengebliebenen Grillmülls kostet die Stadt Köln jährlich bis zu eine halbe Million Euro. Und auch die Natur leidet. Einweggrills, die viele trotz Verbots immer noch benutzen, hinterlassen Brandflecken auf den Wiesen. Nicht nur in Köln, sondern landesweit klagen viele Städte über vermüllte Parks in den Sommermonaten und die damit verbundenen Entsorgungskosten. Zusammengerechnet entsteht den NRW-Kommunen dadurch jedes Jahr ein Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Die Kommunen können selbst entscheiden, welche Maßnahmen und Strafen sie gegen die Müllsünder ergreifen. Eine einheitliche Landesrichtlinie gibt es nicht. Im NRW-Emissionsschutzgesetz ist lediglich die Geruchsbelästigung geregelt, die durchs Grillen entstehen kann.

Leverkusen zog die Reißleine

In Leverkusen hat man vor acht Jahren die Reißleine gezogen. Weil sämtliche Appelle nichts gebracht haben, ist Grillen dort seit 2008 nur noch auf Privatgrundstücken erlaubt. Ein privater Sicherheitsdienst passt auf, dass das Verbot auch eingehalten wird. In Moers hat man hingegen kein Problem mit Grilldreck in den Grünanlagen.

Besonders in den Großstädten, wo viele Bewohner keinen eigenen Garten besitzen, hat das Grillen in öffentlichen Anlagen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nach Angaben der Ordnungsämter seien es keinesfalls nur Jugendliche, die ihren Müll anschließend liegen lassen würden. Dieses Verhalten beobachte man mittlerweile in fast allen Altersgruppen und Gesellschaftschichten - vom Sozialhilfeempfänger bis zum Banker.

Neben den Grillscouts geht in Köln das Ordnungsamt in den Frühlings- und Sommermonaten verstärkt Streife in den Parks und den Rheinwiesen. "Es gibt auch vorher terminlich festgelegte Schwerpunktaktionen", sagt Stadtsprecher Jürgen Müllenberg. "Wenn Verbotenes entdeckt wird, gehen die Kollegen auf die Griller zu, sprechen sie an und bitten sie, Ihr Verhalten anzupassen", erklärt er.

Verwarngelder betragen bis zu 55 Euro

Nicht überall darf in Köln gegrillt werden. Im Botanischen Garten, im Rheinpark und im Abstand von bis zu 100 Metern zum Waldrand und zu Wohngrundstücken ist Grillen verboten. "Wer sich nicht an die Regeln hält, muss bei entsprechenden Kontrollen mit einer Verwarnung in Höhe von 35 bis 55 Euro rechnen", sagt Ordnungsamtschef Engelbert Rummel. In Düsseldorf, wo am Wochenende wieder viel Müll zurückgelassen wurde, erwägt man, Elektrogrills in den Parks und am Rhein aufzustellen, die per Münzeinwurf (50 Cent bis zwei Euro) bedient werden können. Städte wie Hamburg und Zürich haben bereits gute Erfahrungen mit den Grills gemacht. Ob und wann sie auch in der Landeshauptstadt aufgebaut werden, steht aber noch nicht fest. Die Verwaltung prüfe derzeit, ob das sinnvoll sei, sagt ein Stadtsprecher. Im Juni diskutiert der Ausschuss darüber.

Nicht immer macht Justus die Arbeit als Grillscout Spaß. Besonders in den Abendstunden sei es nicht immer angenehm, die Leute auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. "Wenn es dunkel wird und viele schon alkoholisiert sind, wird man auch beschimpft", sagt er. Häufig werde er gefragt, ob er nichts Besseres zu tun hätte, als grillende Menschen zu kontrollieren.

Quelle: RP
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