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Brief an Ministerpräsidentin Kraft
Düsseldorfs Nachbarn formieren sich gegen Flughafen-Ausbau

Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht
Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf/Mülheim. Die Städte rund um Düsseldorf organisieren den Widerstand gegen den geplanten Ausbau des drittgrößten deutschen Flughafens. Noch mehr Fluglärm sei den Bürgern rund um den Flughafen nicht zuzumuten, schrieben die Oberbürgermeister und Bürgermeister von Essen, Kaarst, Krefeld, Meerbusch, Mülheim, Ratingen und Tönisvorst laut einer Mitteilung der Stadt Mülheim in einem gemeinsamen Brief an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

NRW bekommt einen neuen Zankapfel für viele Jahre: Im Spätsommer oder Frühherbst will der Düsseldorfer Flughafen seinen Antrag auf eine deutliche Erweiterung des Flugbetriebs beim NRW-Verkehrsministerium einreichen. Die Gegenfront steht bereits - nicht nur bei Umweltschützern. Auch die betroffenen Kommunen formieren sich zum Widerstand.

Die Oberbürgermeister und Bürgermeister von Essen, Kaarst, Krefeld, Meerbusch, Mülheim, Ratingen und Tönisvorst hätten einen gemeinsamen Protestbrief gegen die Pläne an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) geschickt, teilte die Stadt Mülheim mit. Noch mehr Fluglärm sei den Bürgern rund um den Flughafen nicht zuzumuten, heißt es darin.

Der Airport möchte vor allem in den verkehrsreichen Zeiten am frühen Morgen und späten Abend die Genehmigung für mehr Flüge. Die Zahl der Flugbewegungen solle von derzeit maximal 45 auf 60 pro Stunde erhöht werden, sagte Flughafensprecher Thomas Kötter am Freitag. Die Zahl der Starts und Landungen auf Deutschlands drittgrößtem Flughafen könnte sich damit von 212 000 auf bis zu 252 000 im Jahr erhöhen.

"Damit werden wir noch lange nicht zum Großflughafen wie Frankfurt oder München", sagte er. Derzeit könne Düsseldorf die Nachfrage der Fluggesellschaften aber auch nicht annähernd erfüllen. "Alle Welt weiß: In Düsseldorf gibts keine Slots mehr." Das dürfe sich der größte NRW-Flughafen nicht erlauben, sonst sei er bald abgemeldet.

Ein neues Logo für den Düsseldorfer Flughafen FOTO: dpa, cas fdt

Die Städte haben eine Arbeitsgruppe mit ihren Planungs- und Rechtsexperten gegründet, an der sich auch Duisburg und Neuss beteiligten, hieß es in der Mitteilung. Die seit Jahrzehnten immer stärker belasteten Anwohner müssten vor Lärm geschützt werden. Dazu suchten die Kommunen auch den Schulterschluss mit den Bürgerinitiativen vor Ort.

Bei Informationsveranstaltungen noch vor der offiziellen Einreichung des Ausbauplans gab es bereits heftige Debatten. "Beim ersten Flugzeug steht man senkrecht im Bett. Beim zweiten ballt man die Faust, und beim dritten tritt man in eine Bürgerinitiative ein", kritisierte etwa eine Anwohnerin in Heiligenhaus laut des Nachrichtenportals DerWesten.de. Umweltschützer lehnen nicht nur den Lärm ab, sondern sind auch Sorge wegen Schadstoffemissionen der Flugzeuge. Grundstücke, die vermehrt überflogen werden wie etwa rund um den Baldeneysee im Essener Süden verlieren an Wert.

Der Flughafen will auf die Anwohner zugehen: Seit Jahresbeginn seien die Landegebühren sehr viel stärker als bisher nach der Lautstärke der Triebwerke gestaffelt. Ältere Flugzeuge mit lauten Motoren würden so verdrängt, denn alle Gesellschaften müssten aufs Geld schauen, sagte Kötter. Der Flughafen habe für Schallschutzmaßnahmen in den Anrainerkommunen in den vergangenen Jahren bereits 60 Millionen Euro in die Hand genommen. Wenn der Ausbau komme, stocke man das Schallschutzprogramm um weitere 20 Millionen Euro auf.

Auch Kötter rechnet aber mit einem langwierigen Genehmigungsverfahren. Veranschlagt sind zunächst zwei Jahre für die Begutachtung, Anhörung aller Betroffener und der Öffentlichkeit. Doch nach aller Erfahrung werden solche Verwaltungsentscheidungen beklagt. Auch die Kommunen könnten sich eine Klage gut vorstellen.

Wie langwierig solche Prozesse sein können, lehrt der Blick ins benachbarte Hessen auf den Streit um den Frankfurter Flughafen. Dort dauerte die Debatte um den Ausbau mit einer vierten Bahn 14 Jahre. Und als die Bahn Ende 2011 endlich eingeweiht wurde, gingen die Demonstrationen, Klagen und Proteste wegen des Lärms trotzdem weiter.

(lnw)
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