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Pilotprojekt in der Eifel
So kam Gey zu seinem Dorfauto

Eifel: So kam Gey zu seinem Dorfauto
Das Projekt Dorfauto startet am 13. Januar 2015 im Eifelort Gey bei Hürtgenwald. FOTO: dpa, obe lre
Hürtgenwald . Nach Dorfläden kommt in Nordrhein-Westfalen jetzt das Dorfauto. Im Eifelort Gey im Kreis Düren startet eines der wenigen Dorfautos in Deutschland, das von allen Dorfbewohnern mit Führerschein genutzt werden kann.

Das ehrenamtlich getragene Carsharing-Projekt ist aus einem europäischen Förderprogramm für ländliche Regionen entstanden. Das Elektroauto wurde komplett über Werbung finanziert. Mit der Nutzungsgebühr soll der Unterhalt finanziert werden. Die Organisation des Betriebs haben zwei Bewohner ehrenamtlich übernommen.

Da die Menschen auf dem Land für ihre Besorgungen fast immer ein Auto brauchen und die Busverbindungen oft schlecht sind, soll das Dorfauto bei Engpässen helfen, teilte das Programmbüro für die Eifel in Nettersheim (Kreis Euskirchen) mit. Das Dorfauto fordere aber ein hohes Engagement der Dorfgemeinschaft, sagte Regionalmanager Alexander Sobotta. Ein Patentrezept für interessierte Dörfer gebe es nicht.

Es ist nicht so, dass in dem Eifeldorf Gey niemand ein Auto hätte. Und einen Bus gibt es auch - noch. Aber auf dem Land geht ja kaum was ohne Auto, ob Einkauf, Arztbesuch, Schule, Arbeit. Der Bus ist vielen zu zeitraubend, zu umständlich: erst rein in die nächste Stadt, umsteigen, dann wieder raus. Gey hat jetzt ein Dorfauto. Das startet offiziell an diesem Dienstag (13. Januar). Jeder, der einen Führerschein hat, darf damit fahren.

Das Auto ist ein echter Hingucker: Quietschgrünes Design und jede Menge Werbung drauf. Sogar auf den Radkappen, die beim Fahren schön in der Waagerechten bleiben, damit man auch ja alles erkennt. Der absolute Clou: Es ist ein Elektroauto. "Da haben die Leute im Ort viel Wert drauf gelegt", sagte der Ortsvorsteher von Gey, Helmut Rößeler (CDU). Er ist neben der 44-jährigen Sylvia Fahle die treibende Kraft bei dem Projekt.

Fahrzeug-Sharing in Düsseldorf FOTO: BMW

Sponsoren tragen die Kosten

Rund 16.000 Euro hat der Vorführwagen gekostet, aber die 1900 Dorfbewohner haben keinen Cent dafür hingelegt. Sponsoren - vor allem Unternehmer - aus der Gegend haben das Auto durch ihre Werbung finanziert. Jetzt Tagen kann das ehrenamtlich getragene Carsharing starten. Ein Blick ins Internet auf eine Plattform, ob das Auto frei ist, oder ein Anruf bei Sylvia Fahle und dann läuft das, sagen sie.

Da gibt es einen Künstler im Ort, der das Auto an zwei festen Tagen in der Woche für die Fahrt zu seinen Töpferkursen blocken wollte. "Am besten auf Jahre. Das geht natürlich nicht", sagt Rößeler. Der Betrieb müsse sich jetzt einspielen. Wenig-Fahrer zahlen einen monatlichen Basis-Preis von fünf Euro, 20 Cent pro Kilometer und zwei Euro pro Stunde, Vielfahrer eine höhere Pauschale, aber weniger pro Kilometer und Stunde. Mit den Einnahmen sollen die laufenden Kosten für den grünen Flitzer finanziert werden.

Das Dorf hat in einer halbjährige Testphase das Carsharing unter ehrenamtlichen Bedingungen erprobt. Das Dorfauto war ein sogenanntes Leader-Projekt der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raums. Alle Gruppen haben das Auto genutzt: Rentner, Hausfrauen, junge Leute. Das schweißt das Dorf zusammen, meint Fahle.

"Für kommerzielle Carsharing-Anbieter ist die Nutzungsdichte auf dem Land nicht hoch genug", sagt der Projekt-Leiter für das Leader-Programm in der Eifel, Alexander Sobotta. Bundesweit gebe es schon Dorfautos. Aber nur wenige könnten vom ganzen Dorf genutzt werden.

In der Eifel haben noch andere Dörfer das Dorfauto erprobt. Die Dörfergemeinschaft An Thürme (Bad Münstereifel/Kreis Euskirchen) sucht jetzt ebenfalls Sponsoren, allerdings für einen Diesel. In den "Bergen" verbraucht das Elektroauto zu viel Strom. Das Dorf Blankenheim-Freilingen sucht noch seinen Weg. Wer in der Versuchsphase fahren wollte, musste sich in Freilingen im Gegenzug ehrenamtlich engagieren: Bänke streichen, Beete hacken, Kuchen Backen oder so was.

Aber daran liege es nicht, dass das Dorf noch überlegt, wie es weitermacht. "Dorfautos fordern ein hohes Engagement von der Dorfgemeinschaft", bilanziert Sobotta. Und ein einheitliches Patentrezept gebe es eh nicht.

(lnw)
 
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