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Kriminalität in NRW
Einbrecher kommen gerne freitags

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Die meisten Täter brechen in Wohnungen und Häuser ein, die in ihrer eigenen Stadt liegen. Eine Autobahnanbindung spielt für die Kriminellen für die Flucht keine Rolle. Bevorzugt werden alleinstehende Häuser mit älteren Bewohnern. Von Christian Schwerdtfeger

Einer der ersten Blicke der Ermittler, wenn sie eine Wohnung betreten, in der gerade eingebrochen worden ist, fällt auf die Schubladen. Die Spurensicherer der Polizei können an deren Zustand erkennen, ob es sich bei den Einbrechern um Profis oder Laien gehandelt hat. Stehen alle Laden offen, deutet das auf ein professionelles Vorgehen hin. Steht nur die unterste Lade offen, sind es in der Regel Amateure gewesen, weil das ein deutliches Indiz dafür ist, dass die Täter bei der Durchsuchung mit der obersten Schublade angefangen haben - was ineffizient ist. Denn dann muss jedes einzelne Fach, mit Ausnahme des untersten, wieder geschlossen werden, um das darunterliegende durchsuchen zu können. Und das kostet Zeit.

Risiko in der dunklen Jahreszeit

Das geht aus einem umfassenden Forschungsbericht des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) zum Wohnungseinbruch hervor, der auf rund 100 Seiten einen bislang beispiellosen Einblick in die Ermittlungsarbeit und das Tatverhalten der Einbrecher gibt. Besonders in diesen Tagen, mit Beginn der dunklen Jahreszeit, steigt das Risiko erfahrungsgemäß wieder, Opfer eines Einbruchs zu werden. Dem LKA-Bericht zufolge, dem eine jahrelange Auswertung von Ermittlungsakten zugrunde liegt, wird am häufigsten freitags eingebrochen; sonntags hingegen am wenigsten. Am meisten eingebrochen wird in den Monaten November, Dezember und Januar.

Autobahn spielt eher keine Rolle

Mit einem Mythos räumt die Studie auf: Die Nähe zu einer Autobahn spielt für die Einbrecher bei der Auswahl ihrer Tatobjekte in Großstädten - anders als oft behauptet wird - keine Rolle. Entscheidender sind Anbindungen an stark frequentierte Haupt-, Land- und Kreisstraßen. Wichtig seien für die Einbrecher auch gute Fluchtwege und Sichthindernisse für Außenstehende - hohe Hecken und Mauern vor den Häusern, in denen sie einsteigen.

Dagegen sind Häuser, die in einer kurvigen Straße mit einer Sackgasse liegen, für Einbrecher offenbar nicht sehr attraktiv, weil sie von dort schlechter flüchten können. Haben sie sich einmal für ein Objekt entschieden, lassen sich die Einbrecher in den meisten Fällen auch nicht mehr von Sicherungstechniken abschrecken.

Bei den Tätern - wenn es sich nicht um reisende Banden handelt, die von Stadt zu Stadt ziehen - sind vor allem Häuser und Wohnungen beliebt, die in der Nähe ihres eigenen Wohnumfeldes liegen, weil diese den Einbrechern meistens vertraut seien. Die Tat ließe sich damit schnell und ohne allzu großen Aufwand ausführen, heißt es in dem LKA-Bericht. So entspricht bei 68,5 Prozent der Tatverdächtigen die ausgewählte Tatortgemeinde dem eigenen Wohnort zum Tatzeitpunkt.

Ältere Mitbürger im Visier

Die Kriminellen bevorzugen Einfamilienhäuser älterer Bewohner. Besonders betroffen sind freistehende Objekte - zählt man nur die Einbrüche in Häuser. Dort finden zwei Drittel aller dieser Delikte statt; gefolgt von Reihenhäusern (25 Prozent) und Doppelhaushälften (13,7). In Großstädten wird in Häusern besonders oft eingebrochen, die im sogenannten Speckgürtel beziehungsweise weiter vom Ortskern entfernt liegen. Aber auch Mehrfamilienhäuser - besonders in Großstädten- seien sehr beliebt, weil sie den Vorteil hätten, dass direkt mehrere Wohnungen zur Auswahl stünden. Dabei sind Objekte im Erdgeschoss besonders gefährdet. Diese sind der Studie zufolge mit rund 55 Prozent überproportional häufig das Ziel der Täter.

Tatortaufnahme entscheidend

Um den Tätern auf die Spur zu kommen, ist für die Ermittler neben dem Zustand der Schubladen auch die Art und Weise wichtig, wie die Kriminellen ins Haus gekommen sind. So handelt es sich beim "Aufhebeln" von Türen und Fenstern um die von professionellen Tätern bevorzugte Zugangsart. "Stumpfe Gewalt" wie das Einschlagen von Fenstern hingegen wird tendenziell eher von unprofessionellen Einbrechern genutzt.

Auch die Struktur der Beute spielt eine entscheidende Rolle bei der Fahndung. Die Spuren bezeichnet die Polizei als von den Tätern hinterlassene Handschrift. "Die Tatortaufnahme spielt eine entscheidende Rolle", heißt es in dem Forschungsbericht.

Quelle: RP
 
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