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Einbrüche in NRW
Kripo-Beamte fühlen sich von Innenminister im Stich gelassen

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Die Kriminalbeamten haben die Sicherheitspolitik der nordrhein-westfälischen Landesregierung scharf kritisiert. Sie werfen Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor, dass er bei steigenden Einbruchszahlen nicht für genug Personal sorgt.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr um 18,1 Prozent auf 62.262 Fälle gestiegen, das geht aus der Mittwoch veröffentlichten Kriminalstatistik hervor. Damit wurde so häufig eingebrochen wie noch nie zuvor in NRW. 

Kriminalbeamte teilen Kurs des Landes

Den Bürgern angesichts der "dramatischen Kriminalitätsentwicklung" zu vermitteln, sie sollten auf sich selbst aufpassen, sei eine Zumutung, erklärte der Landesverband des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) am Donnerstag. Innenminister Ralf Jäger hatte den Bürgern im Zusammenhang mit der Vorstellung der Kriminalstatistik geraten, ihre Wohnungen besser zu schützen. Laut Statistik ist im vergangenen Jahr nur etwa jeder siebte Wohnungseinbruch oder versuchte Einbruch in Nordrhein-Westfalen aufgeklärt worden. 

Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen rund 1,51 Millionen Straftaten registriert, das entspricht einem Anstieg um etwa ein Prozent. Aufgeklärt wurde wie im Jahr zuvor fast jeder zweite Fall. "Die Kripo in NRW ist nicht mehr einverstanden mit dem Kurs des Innenministers und fühlt sich nachhaltig im Stich gelassen", kritisierte der BDK.

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Ressourcen der Polizei würden nicht ausreichen

Der negative Trend werde sich fortsetzen. Denn sie selbst könnten nicht mehr leisten als jetzt, teilten die Kriminalbeamten mit: "Die Ressourcen reichen hinten und vorne nicht mehr, und das ist der wahre Grund dafür, warum wir mit der Kriminalitätsentwicklung nicht mehr Schritt halten können", erklärte der BDK. "Die Politik lässt die Bevölkerung, die für ihre Sicherheit viele Steuern zahlt, im Stich." In NRW fehlten tausende Kriminalbeamte", kritisierte Sebastian Fiedler, BDK-Landesvorsitzender.

Einbrecherbanden reisen über Nachbarländer ein und aus

Jäger hatte betont, dass es bei den Einbrechern - nicht nur in Deutschland - einen neuen Tätertyp gebe:  "Das sind Profis: straff organisiert und bestens vernetzt. Nicht selten handelt es sich bei den Tätern um bestehende Familienbanden." Einbrecher, die heute in Köln auf Beute-Tour seien, seien morgen schon in Amsterdam.

Die länderübergreifende Kriminalität sei "die Kehrseite einer durchaus erfolgreichen Medaille, nämlich die Europäische Union mit offenen Grenzen", sagte Jäger.

Um die "mobilen Täter", die aus Nachbarländern oder Südosteuropa einreisen, schneller und häufiger zu fassen, arbeitet die Polizei seit einiger Zeit mit dem städteübergreifenden Konzept "Motiv - mobile Täter im Visier".

Der Minister betonte aber gleichzeitig, dass Mord und Totschlag, andere Gewalttaten, Sexualdelikte und die Jugendkriminalität zurückgegangen seien: "Insgesamt leben wir in einem sehr, sehr sicheren Land", sagte der NRW-Innenminister.

 

 

(rent/lnw)
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