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Wohnungsmangel in der Landeshauptstadt
Düsseldorfer sollen in Wuppertal wohnen

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Düsseldorf. Während Düsseldorf Einwohner gewinnt, schrumpfen Städte wie Wuppertal. Das stellt die Kommunen vor Probleme. Von Jessica Kuschnik

Wer in NRW arbeitet und lebt, ist es gewohnt zu pendeln. Das Land bietet dazu ideale Bedingungen, denn viele Städte liegen nicht weit auseinander. Wer kann, leistet sich trotzdem eine Wohnung nahe dem Arbeitsplatz. "Grund dafür sind etwa die gestiegenen Mobilitätskosten", sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Das hat Konsequenzen: In Städten wie Düsseldorf herrscht Wohnungsmangel bei gleichzeitig steigenden Mieten, in Wuppertal steigt der Leerstand - eines von vielen Problemen schrumpfender Städte, wie eine neue Bertelsmann-Studie zeigt. Voigtländer und Guido Spars von der Bergischen Universität Wuppertal haben nach Lösungsansätzen gesucht.

Die Pendler-Ströme in der Region nach Städten FOTO: dpa, Stephan Jansen

Es wäre so leicht: Düsseldorf und Wuppertal liegen nur etwa 35 Kilometer voneinander entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man je nach Standort 20 Minuten. So wie viele Berufstätige in Düsseldorf arbeiten und im "Speckgürtel" wohnen (Städte rundherum wie Meerbusch und Neuss), so könnte auch eine Synergie zwischen der Landeshauptstadt und Wuppertal entstehen. "Schaut man auf die Bevölkerungswanderungen, so lässt sich feststellen, dass Wuppertal sowohl an Köln als auch an Düsseldorf Einwohner verliert", sagt Voigtländer. "Das Problem ist, dass jede Kommune ihren Wohnungsbedarf für sich selbst plant und keine Einwohner an Städte mit Leerstand abgeben möchte." Denn die Einwohner spülen durch Grund- und Gewerbesteuer Geld in die Kassen.

Doch Düsseldorf kommt mit dem Wohnungsbau nicht hinterher, so der Wissenschaftler. Laut einer Studie der Uni Wuppertal müssten in Düsseldorf rund 2500 Wohnungen pro Jahr gebaut werden, um den Anstieg der Wohnungsnachfrage zu kompensieren. "Tatsächlich wurden in Düsseldorf 2013 aber nur knapp 1400 Wohnungen gebaut." Gleichzeitig wird Wuppertal in den nächsten Jahren 13 000 Wohnungen vom Markt nehmen müssen. "Mit dem Rückbau würde Kapital im Wert von 500 bis 650 Millionen Euro vernichtet", so Voigtländer.

Trotzdem seien schrumpfende Städte nicht chancenlos im Kampf um Einwohner. Sie könnten mit Lebensqualität, niedrigen Mieten, dem Traum vom Eigenheim und größerem Raumangebot punkten. Bislang haben schrumpfende Städte versucht, durch Gewerbe und Wohnbau zu wachsen - ohne Erfolg, so Voigtländer. Die neue Strategie sei es, Städte wie Wuppertal als Wohn- und Freizeitstädte zu etablieren und durch ein neues Image eine Sogwirkung zu erzeugen. So können Menschen in der Stadt mit der besseren Arbeitsplatzauswahl arbeiten und in der Stadt mit den niedrigsten Wohnkosten wohnen.

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Dazu müssen aber einige Voraussetzungen geschaffen werden. Die Mobilitätskosten dürfen die Einsparungen durch niedrigere Wohnkosten nicht auffressen. Denn wer bei der Miete spart, will das Geld nicht in teuren Sprit oder Bahntickets investieren. Doch anscheinend seien die Mobilitätskosten noch zu hoch, damit der Umzug nach Wuppertal lohnend ist, so Voigländer. Naheliegend sei es, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern durch schnellere und zusätzliche Bahnverbindungen.

Da sieht auch Rüdiger Bleck von der Wuppertaler Stadtentwicklung großen Handlungsbedarf: "Die Rhein-Ruhr-Schiene ist sehr dezentral. Man ist darauf angewiesen, in den Stadtkern zu fahren. Das entspricht nicht den Bedürfnissen der Pendler." Doch ohne den Zugverkehr ist das Modell Pendeln nicht attraktiv. "Im Auto oder im Bus stünde man zwischen Düsseldorf und Wuppertal ständig im Stau", so Bleck. Dabei seien auch die Zeitkosten zu berücksichtigen.

Schon heute versucht Wuppertal durch kreative Wohnräume und als fahrradfreundliche Stadt zu punkten, sagt Bleck. Jedoch müsse man die Außenwahrnehmung noch verstärken. "Es gibt Angebote, die man hier nicht vermutet, etwa Wohnen in alten Industriegebäuden, die heute Lofts sind. Daher investieren wir vermehrt in das Marketing für den Standort." Um die Attraktivität zu steigern, schlägt Voigtländer eine Umzugsprämie vor. "Durch die hohen Kosten, die aus den Wanderungen in die beliebten Großstädte resultieren, ergibt sich ein Potenzial für die Zahlung von entsprechenden Prämien.

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Diese könnten von der Stadt Wuppertal oder vom Land NRW gezahlt werden." Wichtig sei, dass nur solche Zuwanderer eine Prämie erhalten, die eine Immobilie im Bestand mieten oder erwerben. Doch davon hält Bleck wenig. "Ich bezweifle, dass das hilft. Niemand zieht wegen einer einmaligen Prämie um - und wie hoch sollte diese sein?" Bleck glaubt, dass viele Paare ihren Wohnort auch danach wählten, dass er auf halbem Weg zu zwei Arbeitsplätzen in unterschiedlichen Städten liegt. Denn oft seien beide Parteien berufstätig. "Dann sind Entfernung und Qualität wichtiger als eine Prämie."

Und was hält Düsseldorf von dem Plan, Einwohner zu verlieren, um keine neuen Wohnungen bauen zu müssen? Nichts, sagt Thomas Nowatius, Leiter des Amtes für Wohnungswesen. "Wir verstehen uns auch als Anbieter von Wohnraum und versuchen daher, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen." Das Konzept Trennung in Wohn- und Arbeitsstädte von Voigtländer stehe für ihn "entgegen den Wünschen einer Stadt wie Düsseldorf".

Eine städteübergreifende Planung in Bezug auf Wohnraum und Verkehrskonzepte wird es daher wohl erst einmal nicht geben. "Nicht zuletzt muss es aber auch darum gehen, in den jeweiligen Städten und mit den betroffenen Bundesländern eine offene Diskussion über die verschiedenen Wege und Instrumente zu führen, um eine entsprechend wirksame Politik daraus zu entwickeln", sagt Voigtländer mit Blick auf die bestehenden Wohnraumprobleme.

Quelle: RP
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