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Forscher erklärt das Phänomen
Warum das Erdbeben in Bergheim so stark zu spüren war

Erdbeben in Bergheim laut Forscher durch Bergbau ausgelöst
Das Erdbeben im Norden Bergheims am Dienstagmorgen ist auf dem Seismogramm der Erdbebenstation Steinbachtalsperre bei Euskirchen deutlich zu sehen. FOTO: Erdbebenstation Bensberg
Bergheim. Ein Erdbeben der Stärke 2,4 hat die Bergheimer am frühen Dienstagmorgen aus dem Schlaf gerüttelt. Die Stadt liegt in einer bekannten Erdbebenregion. Dass die Erschütterungen so deutlich zu spüren waren, ist trotzdem ungewöhnlich, sagt ein Erdbebenforscher. Von Henning Bulka

Um 6 Uhr am Dienstagmorgen bebte die Erde in Bergheim für einige Sekunden. So stark, dass viele Menschen davon wach wurden. Auf Facebook und Twitter berichten einige Nutzer sogar, das Haus habe gewackelt. Warum die Erschütterung so deutlich zu spüren war, erklärt Klaus Hinzen von der Erdbebenstation Bensberg: "Das Erdbeben ereignete sich in weniger als zwei Kilometern Entfernung zur Erdoberfläche." Damit sei es deutlich näher an der Erdoberfläche gewesen als andere, tiefere Beben, deren Epizentren meist eher in zehn Kilometern Tiefe oder noch tieferen Regionen liegen.

Stärkere Erdbeben mit Schäden in NRW

Dass das Beben vom Dienstagmorgen so hoch lag, hat mit dem Bergbau in der Region zu tun, erklärt Hinzen weiter. "Beim Bergbau greift der Mensch in die obere Erdkruste ein", sagt er. So sei es in diesem Fall zu einer Bewegung im Untergrund gekommen. Mit der Stärke 2,4 sei das Beben ähnlich stark gewesen wie andere. Es sei aber eben stärker wahrgenommen worden.

Nutzer dokumentieren #erdbeben auf Twitter

Diesen Eindruck teilen viele Anwohner rund um Bergheim. Unter den Hashtags #erdbeben und #bergheim dokumentierten die Nutzer ihre Erlebnisse.

Von der Bergheimer Feuerwehr sind bislang keinerlei Schäden durch das Erdbeben gemeldet worden. Definitiv haben aber vermutlich viele Bürger etwas davon mitbekommen. Gläser und Geschirr in den Schränken könnten geklirrt haben, sagt Erdbebenforscher Klaus Hinzen.

Infos: Chronologie der Erdbeben in NRW

Bergheim ist prominentes Erdbebengebiet

Grundsätzlich ist die Region rund um Bergheim für Erdbeben prädestiniert. "Bergheim liegt direkt auf dem Erftsprung", erklärt Hinzen. So nennen Geologen die Grenze zwischen zwei Einzelteilen der Niederrheinischen Bucht, der "Kölner Scholle" im Osten und der "Erftscholle" im Westen. Damit befindet sich Bergheim auf einer natürlichen, geologischen Grenze und in einem der prominentesten Erdbebengebiete in der Region.

"Die Niederrheinische Bucht hat sich in den letzten 20 bis 25 Millionen Jahren immer weiter abgesenkt", beschreibt Hinzen die Vorgänge in der Erdkruste. So sei das Gebiet in einzelne, kleinere Teile zerfallen, wie eben die "Kölner Scholle" und die "Erftscholle". Gibt es an der Grenze zwischen zweier solcher Schollen eine Bewegung im Erdreich, wie in diesem Fall wohl durch den Bergbau, kommt es zu einem Erdbeben.

Die wichtigsten Antworten zu Erdbeben in NRW

Mehr zu Erdbeben lesen Sie in unserem Dossier.

Hier finden Sie eine Chronologie der großen Erdbeben in der NRW.

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