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Premiere in Wuppertal
Erster muslimischer Friedhof geplant

Premiere in Wuppertal : Erster muslimischer Friedhof geplant
Wenn der muslimische Friedhof fertig wird, liegt er in Nachbarschaft zu den christlichen und jüdischen Friedhöfen. FOTO: dpa, ve
Düsseldorf. In Wuppertal soll es Ende nächsten Jahres einen Friedhof in muslimischer Trägerschaft geben. Dann lägen ein christlicher, ein jüdischer und ein muslimischer Friedhof dicht beisammen. Alle demokratischen Parteien im Rat der Satdt befürworten das Vorhaben. Der Träger will auch mit den Nachbarn sprechen.  

Ein Grundstück von 20.000 Quadratmetern bereitet Muslimen in Wuppertal derzeit Arbeit und Hoffnung zugleich. Bald soll der Eintrag "Muslimische Friedhöfe Wuppertal e. V." im Vereinsregister stehen. Der Friedhof in muslimischer Trägerschaft rückt näher - es wäre der erste in NRW und vermutlich auch bundesweit. Ende 2016, meint Samir Bouaissa, der Sprecher des Interessenverbands Wuppertaler Moscheen, könnten die Arbeiten auf dem zugewachsenen Gelände beginnen. Dann könnten bald auch erste Bestattungen stattfinden.

Die Muslime werden das Grundstück von der evangelischen Kirche kaufen, das ist schon beschlossene Sache. Es geht um ein Areal im Westen der Stadt, das als Friedhofsgelände ausgewiesen ist, aber nicht genutzt wird. Dort gibt es auf dem Gottesacker der evangelischen Kirche verwitterte alte und neue Gräber. Aber der Friedhof ist insgesamt zu groß. Ein Teil ist schon abgegeben an die jüdische Gemeinde von Wuppertal. Direkt daneben soll der Friedhof für Muslime liegen.

Hintergrund: Das kosten verschiedene Bestattungsarten FOTO: Michael Reuter

Ilka Federschmidt, die evangelische Superintendentin in Wuppertal, erzählt von positiven Reaktionen auf das einzigartige Projekt der Friedhöfe für Christen, Juden und Muslime. An einer so existenziellen Frage in die Nähe zu gehen, sei mehr als eine räumliche Nachbarschaft, sagt die Pfarrerin. "Es ist schon eine große Chance, auch ein Zeichen zu setzen, dass die drei Schriftreligionen aufgeschlossen aufeinander zugehen."

Allerheiligen 2015: Orte des Gedenkens in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

In der Industriestadt Wuppertal gibt es etwa 50 konfessionelle und nur einen städtischen Friedhof, dieser hat bereits ein kleines muslimisches Gräberfeld. Viele Muslime wollen bislang aber noch in der alten Heimat bestattet zu werden. Sie schließen dafür extra eine Versicherung ab, erzählt Samir Bouaissa. Der 42 Jahre alte Wuppertaler ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in NRW, er macht bei dem Friedhofsprojekt mit.

Der alte Melaten-Friedhof in Köln FOTO: dpa, lea gab

Inzwischen ist in Nordrhein-Westfalen aber eine muslimische Bestattung einfacher geworden. Der Düsseldorfer Landtag hat 2014 das Bestattungsgesetz geändert und ermöglichte Friedhöfe in muslimischer Trägerschaft. Danach ist beispielsweise eine Beerdigung ohne Sarg möglich.

Alle demokratischen Parteien im Wuppertaler Stadtrat unterstützen das Friedhofsprojekt. Denn die Stadt vergibt das Recht, den Friedhof zu betreiben. Die Vertreter der Konfessionen treffen sich seit über 20 Jahren ohnehin regelmäßig. Dass es jetzt Friedhöfe auf einem Grundstück geben soll, "das ist noch mal eine Krönung dieser Tradition", sagt lächelnd Mustafa Temizer, der Vorsitzende des Friedhofsträgervereins.

Jürgen Lemmer, der Integrationsbeauftragte der Stadt, begleitet das Thema seit sechs Jahren. "Da schneiden wir den letzten Zopf dieser Gastarbeiter-Mentalität ab", sagt er. Man hatte ja vor Jahrzehnten erwartet, dass die Arbeiter aus der Fremde zurückgingen in ihre Heimat. Lemmer versteht, wenn Muslime, etwa jeder elfte Wuppertaler ist einer, ihre Toten am Wohnort betrauern wollen. Andere Städte verfolgen das Projekt aufmerksam.

Nun soll ein Friedhofsplaner das "schöne, lange Handtuch-Grundstück", wie der Integrationsbeauftragte es beschreibt, gestalten. Auch Gutachten über Hygiene, Gewässer und Artenschutz müssen noch erstellt werden. Parallel schreiben die Muslime an einer Friedhofssatzung. Die Gespräche mit den Anwohnern sollen auch weitergehen. Bouaissa versichert: "Die Trauer soll still stattfinden." 

(top/dpa/lnw)
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