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Eschweiler
Paar soll Selbstjustiz wegen Tochter geübt haben

Eschweiler: Paar soll Selbstjustiz geübt haben
Kerzen stehen am Tatort des Mordes in Eschweiler. Verdächtigt wird ein Ehepaar. FOTO: dpa, rr lof
Eschweiler. Ein Ehepaar, ein möglicher Helfer, ein Hinterhalt: Ein Fall mutmaßlicher Selbstjustiz erschüttert die Stadt Eschweiler im Rheinland. Das Opfer, ein 29 Jahre alter Mann, soll aus Rache erstochen worden sein. Angeblich hat er der zwölfjährigen Tochter des Paares etwas angetan.

Zu was ist ein Mensch fähig, wenn ihn Wut und Rachegefühle packen? Was in der Stadt Eschweiler passiert sein soll, wirft diese Frage auf, auch wenn die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Ein 29 Jahre alter Mann ist tot. Und die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er aus Rache getötet wurde, von einem Ehepaar und einem mutmaßlichen Helfer.

Die Frau und der mutmaßliche Komplize haben nach Angaben des Aachener Staatsanwalts Jost Schützeberg bereits Teilgeständnisse abgelegt. Die Ermittler sind unterdessen noch dabei, die einzelnen Teile der Geschichte zusammenzusetzen. Danach sollen die Eheleute vermutet haben, dass der 29-Jährige ihrer Tochter etwas angetan hat. Konkreter will sich die Behörde dazu nicht äußern. Die Eheleute hätten einst auch eine Anzeige gegen Unbekannt gestellt, allerdings erfolglos.

Danach beginnt ein Plot, wie ihn sich auch Hollywood-Regisseur und Rachefeldzugs-Spezialist Quentin Tarantino ("Kill Bill") ausdenken könnte. Die Mutter der Zwölfjährigen soll über soziale Netzwerke den Kontakt mit dem 29-Jährigen gesucht und amouröse Avancen gemacht haben. Aus einem Treffen wurde der Hinterhalt, so der Verdacht. Mit einem "Totschläger" und einem Messer soll der Mann malträtiert und getötet worden sein. Nun sitzt das Trio in Untersuchungshaft.

Fälle von Selbstjustiz hat es in Deutschland immer wieder gegeben. Im März 1981 erschießt die Gastwirtin Marianne Bachmeier in einem Lübecker Gerichtssaal den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter. 2004 ersticht ein Mann, der bei einer Flugzeugkatastrophe am Bodensee Frau und Kinder verloren hat, einen Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung. Im vergangenen Jahr wird ein 27-Jähriger im badischen Neuenburg am Rhein erstochen. Ein 17-Jähriger gibt als Motiv an, der Mann habe seine Schwester vergewaltigt.

Die Fälle bleiben in Erinnerung, weil sie wohl bei nicht wenigen Menschen die grundlegende Frage nach Recht und Unrecht aufwerfen.
Kurz gesagt: Wie weit kann das Verständnis für die Motive eines Täters gehen? Das wird auch in Eschweiler die Frage sein.

Selbstjustiz sei auch vor Gericht nicht gleich Selbstjustiz, sagt der Strafrechtler und Anwalt Jürgen Möthrath. Er nennt zwei Muster.
Strafmildernd könnte zum Beispiel sein, wenn Menschen zuvor über Jahre hinweg unter einem Peiniger leiden - und ihn dann töten. "Dann reicht manchmal ein Impuls, um das Fass zum Überlaufen zu bringen", sagt Möthrath. Anders liege die Sache bei kaltblütig durchgezogenen Morden.

(dpa)