| 16.10 Uhr

Sterbenden Mann ignoriert
Polizei hat die Namen der Bankkunden in Essen

Essen: Sterbenden Mann ignoriert - Polizei hat die Namen der Bankkunden
FOTO: Polizei Essen
Essen/Düsseldorf. In Essen starb ein Mann, der in einer Bank zusammengebrochen war – niemand hatte ihm geholfen. Nun hat die Polizei von der Deutschen Bank eine Liste mit den Personendaten derjenigen Bankkunden erhalten, die den am Boden liegenden Mann ignorierten.

Wie die Polizei Essen auf Anfrage bestätigte, habe man nun eine Liste mit den Daten der Personen erhalten, deren Karten am Automaten genutzt wurden, während der sterbende 82-Jährige im Foyer auf dem Boden lag. Mindestens vier Bankkunden reagierten nicht, erst ein ein fünfter wählte den Notruf. Der Mann kam nicht wieder zu Bewusstsein und starb einige Tage später.

Die Ermittler gehen davon aus, dass alle auf dem Video zu sehenden Personen - Männer ebenso wie Frauen - mit ihren eigenen Karten am Geldautomaten waren. Die Kundenliste werde nun mit dem Video abgeglichen und die betroffenen Personen werden schriftlich vorgeladen. Die Polizei ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die vier auf dem Video zu sehenden Menschen. Darunter seien augenscheinlich junge Erwachsene Anfang 30 aber auch ein Kunde, der etwa 60 Jahre alt sei, sagte der Sprecher. Bis Montagmorgen hatte sich nach seinen Angaben noch niemand von sich aus bei der Polizei gemeldet.

Die längere Zeitspanne zwischen dem Vorfall am 3. Oktober und der Freigabe der Kundendaten liegt laut Polizei an rein technischen Gründen und sei nicht problematisch. Die Deutsche Bank sei "sehr kooperativ".

Der Polizeisprecher wollte nicht ausschließen, dass auch noch gegen weitere Menschen ermittelt wird. Nachdem der fünfte Kunde den Rettungsdienst verständigt hatte, hatten sie den Vorraum betreten und sich dem Überwachungsvideo zufolge ebenfalls nicht um den hilflosen Mann gekümmert. Es ist allerdings unklar, ob sie in dem Moment bereits wussten, dass der Rettungsdienst schon verständigt war. Dann sei ihr Handeln straffrei, sagte der Sprecher. Um wieviele Personen es sich handelt, wurde nicht bekannt. Der Rettungsdienst war nach früheren Angaben bereits wenige Minuten nach dem Notruf vor Ort.

Hier beantwortet eine Rechtsanwältin die wichtigsten Fragen zum Thema "unterlassene Hilfeleistung"

(irz/dpa)
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