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Initiative sammelt Daten
Essener Widerstand gegen Fluglärm aus Düsseldorf

Initiative sammelt Daten: Essener Widerstand gegen Fluglärm aus Düsseldorf
Die Mitglieder des Vereins "Bürger gegen Fluglärm e.V.", Michel Firholz (l) und Edmund Monnard messen unter anderem die Lautstärke der vorbeiziehenden Flugzeuge. FOTO: dpa, vh ve
Essen. Essen liegt genau in einer Anflugschneise des Düsseldorfer Flughafens, die Bewohner fühlen sich belästigt vom Lärm. Jetzt plant der Flughafen, in den Spitzenstunden noch mehr Flieger starten und landen zu lassen. Die Initiative "Bürger gegen Fluglärm" wehrt sich.

Edmund Monnard hat in seinem Garten in Essen keine Ruhe. Er könne im Sommer nicht die Sonne genießen und einen gemütlichen Grillabend veranstalten, sagt er. Eins störe nämlich massiv: Die Flugzeuge, die im etwa 15 Kilometer entfernten Düsseldorf starten und landen. Für die Initiative "Bürger gegen Fluglärm" sammelt er gemeinsam mit anderen Betroffenen Daten.

Sie messen unter anderem die Lautstärke der vorbeiziehenden Flugzeuge und registrieren alle Starts und Landungen. Aufgezeichnet werden auch alle verspäteten Flieger und wie viele Maschinen nachts noch unterwegs sind. Und das sind trotz des Nachtflugverbots laut Bürgerinitiative viele. Zu viele, wenn man Monnard und seine Mitstreiter fragt.

Nun hat der Flughafen Düsseldorf eine Kapazitätserweiterung beantragt. Das bedeutet, dass es anstatt der 47 Starts und Landungen pro Stunde 60 geben würde, wie Flughafensprecher Christian Hinkel mitteilt. Das ist ein Flugzeug pro Minute. Die Essener Anwohner wollen sich das nicht gefallen lassen. Sollte der Antrag durchgesetzt werden, wollen sie vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster klagen.

Das ist der Düsseldorfer Flughafen bei Nacht FOTO: Bretz, Andreas

Von einer Ausweitung in der Nacht sei aber nicht die Rede, sagt Hinkel. Es handele sich lediglich um eine Ausweitung zu den Spitzenstunden, die von Tag zu Tag variierten.

Monnard und seine Nachbarn haben trotzdem Sorge. Schon jetzt seien jeden Tag viele Flüge verspätet, so dass zwangsläufig bis in die Nacht hinein geflogen werde. Mit einer Ausweitung würde dieses Problem noch verstärkt, fürchten sie.

"Wir wollen unter anderem mehr Kapazitäten haben, um Verspätungen abzubauen." Das sagt der Flughafen. "Das stimmt nicht", werfen ihm die Gegner vor. Sie meinen, die vorhandenen Kapazitäten würden stets maximal verplant, so dass die Verspätungen "auch kein Wunder" seien. Mehr Flüge bedeuten für die Essener also unter anderem mehr Verspätungen.

Dreamliner landet auf Düsseldorfer Flughafen FOTO: dpa, cas tba

Für den Flughafen bedeuten sie laut Sprecher Hinkel mehr Flexibilität. Die Ausweitung sei "angemessen". Und sie sei eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der "Standort auch in Zukunft attraktiv bleibt". Nordrhein-Westfalen stehe in einem immer größeren Wettbewerb mit anderen Städten und Ländern, dafür sei ein ausgebauter Flughafen unabdingbar, sagt Hinkel.

Er will den Bürgern aber die Sorge nehmen: Die Kapazitätsausweitung solle nur unter Wahrung des Angerlandvergleichs stattfinden, betont er. Das ist eine Regelung, die es bereits seit 50 Jahren mit Nachbargemeinden gibt und den Lärmschutz berücksichtigt. "Das Lärmschutzgesetz besteht, um die Flughäfen zu schützen, nicht die Bevölkerung", kritisiert Michel Firholz von der Bürgerinitiative.

Aus der Anflugschneise wegzuziehen kommt trotz der Lärmbelastung nicht infrage, wie Firholz und Monnard sagen. "Als wir damals eingezogen sind, galten noch andere Regeln." Heute sei ein Umzug für die Rentner mit zu großen Verlusten verbunden. Monnards Sohn wohnt in Düsseldorf. "Dort kriegt er von dem Fluglärm nichts mit."

Ob die Essener in Zukunft mehr vom Fluglärm mitkriegen, muss die Bezirksregierung Düsseldorf entscheiden. Der Antrag des Flughafens war Ende Februar beim Verkehrsministerium eingegangen. Zuerst werde dieser von der Bezirksregierung und anschließend vom Ministerium bearbeitet, sagt ein Sprecher des Ministeriums. Ob er durchgesetzt oder abgelehnt wird, entscheide sich wohl erst 2018.

(lnw)
 
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