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Sportart aus "Harry Potter"
Bonner Team fährt zur Quidditch-EM

Europameisterschaft: Bonner Quidditsch-Team fährt nach Italien
Auf der Hofgartenwiese trainiert das Bonner Quidditch-Team Rheinos für die Europameisterschaft. FOTO: Uni Bonn/Lannert
Bonn. 14 Zauberschüler auf fliegenden Besen und ein goldener Schnatz: So wird in den "Harry Potter"-Romanen Quidditch gespielt. Seit einem Jahr gibt es die Sportart auch in Bonn - in der Muggel-Version. Nun fährt das örtliche Team zur Quidditch-EM nach Süditalien.  Von Franziska Hein

Dass sie nicht fliegen können, stört die Spieler der Bonner Quidditch-Mannschaft "Rheinos" überhaupt nicht. Auf einem symbolischen Besen sitzen sie trotzdem - der ist meist ein Plastikstab oder ein Rohr. Ansonsten folgt das Spiel weitgehend den Regeln, die den Harry-Potter-Fans aus Büchern und Filmen bekannt sein dürften. 

"Es ist eine Mischung aus Handball, Rugby und Völkerball", sagt Sebastian Elster (27) über die Muggel-Version des Sports, die sich aus dem fiktiven Spiel mit den fliegenden Besen entwickelt hat. Elster ist Mitglied des Bonner Quidditchteams. Im vergangenen  Sommer wurde die die Mannschaft gegründet und als studentische Kulturgruppe beim Asta registriert. Jetzt trainieren die 14 Spieler auf dem Bonner Hofgarten – der Wiese vor dem Hauptgebäude der Universität. 

Spielregeln folgen dem Original von Joanne K. Rowling

Wie in Joanne K. Rowlings Fantasy-Klassiker "Harry Potter" stehen sich auf dem Feld jeweils sieben Spieler gegenüber. Es gibt drei Jäger, die hauptsächlich Tore machen, zwei Treiber, die die gegnerischen Spieler mit Hilfe von Klatschern am Spiel hindern, einen Sucher und einen Hüter, der die Ringe bewacht. Auf den entgegengesetzten Seiten des Spielfelds gibt es jeweils drei Ringe, durch die die Jäger die Bälle werfen.

Die Spieler benutzen fünf Bälle – einen Quaffel, meistens ein nicht ganz aufgepumpter Volleyball, mit ihm werden die Tore geworfen, drei Klatscher, Plastikbälle, mit ihnen werden gegnerische Spieler abgeworfen, und den Schnatz. Der Schnatz ist ein Tennisball, ein Unparteiischer trägt ihn am Rücken, in einer Socke, die mit einem Klettverschluss am Hosenbund befestigt ist. 

Aus Büchern und Filmen wissen Fans: Wer den Schnatz fängt, hat das Spiel gewonnen. "Das Spiel ist schnell, hart und effektiv", sagt Quidditch-Spieler Elster. Mittlerweile hat die International Quidditch Association das neunte Regelwerk herausgegeben, nach dem auch die Europameisterschaft gespielt wird. "Ein Spiel dauert im Schnitt 20 Minuten", sagt der 27-Jährige. "Nach 17 Minuten kommt der Schnatz aufs Feld, eine Minute später die Sucher. Dann dauert es im Schnitt zwei bis fünf Minuten, bis der Schnatz gefangen ist." 

Seit drei Jahren gibt es Quiddich in Deutschland

Ursprünglich durfte sich der Träger des Schnatzes überall frei bewegen. "Das führte dazu, dass der Schnatz irgendwann auf einen Baum kletterte oder mit dem Bus wegfuhr", erzählt  Elster. Mittlerweile wurden die Spiegeln so eingeschränkt, dass das Spiel effektiv bleibt und nicht ewig dauert. 

Über zehn Jahre wird Quidditch schon gespielt, in Deutschland ist der Sport erst vor drei Jahren angekommen. Über 300 Teams gibt es weltweit. Die ersten Teams kamen aus dem angloamerikanischen Raum. In Kanada haben auch die Gründungsmitglieder des Bonner Teams Christian Zimpelmann und Leander Troll das Spiel kennengelernt. Dort verbrachten sie ein Auslandssemester während des Studiums. Zusammen mit zwölf anderen Spielern haben sie im Januar die Deutsche Meisterschaft gewonnen – und damit die Qualifikation für die Europameisterschaft.

In Gallipoli in Süditalien treffen 40 Mannschaften am Wochenende aufeinander. Es sind drei Teams aus Deutschland dabei. Auch wenn die Bonner nicht viel Erfahrung haben, gehen sie mit sportlichem Ehrgeiz an die Sache heran. "Wir wollen mindestens die Vorrunde überstehen", sagt Elster. "Aber beim Quidditch geht auch um Spaß und um die Gemeinschaft. "Schön ist, dass die Quidditch-Community so freundlich ist. Die Leute sind unheimlich nett und offenherzig."

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