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Neues Löschzentrum
Facebook verspricht Mitarbeitern in Essen psychologische Hilfe

Facebook-Löschzentrum in Essen: Mitarbeiter bekommen psychologische Unterstützung
Facebooks bestehendes Löschzentrum in Berlin (Archiv). FOTO: dpa, soe cul
Düsseldorf/Essen. In Essen wird Facebooks zweites Löschzentrum in Deutschland aufgebaut. Die Mitarbeiter sollen strafbare Beiträge im Netzwerk finden. Dabei müssen sie auch mit extremen Gewaltdarstellungen rechnen. Der Konzern verspricht ihnen die "nötige Unterstützung". Von Markus Werning

Bewerber würden darauf hingewiesen, dass sie bei der Arbeit auch mit belastenden Inhalten konfrontiert werden könnten, teilte Facebook dazu unserer Redaktion mit. Mitarbeiter bekämen solche Inhalte aber erst zu sehen, "wenn sie sich nach einer längeren Einarbeitungszeit bewusst dafür entscheiden, auch kritische Posts zu bearbeiten". Alle Mitarbeiter in der sogenannten Content Moderation erhielten "die nötige Unterstützung". Die Erfahrungen, die der Konzern in der Vergangenheit gemacht habe, würden in den Aufbau des neuen Teams in Essen einfließen.

Mit dem Aufbau des Teams in Essen hat Facebook den Dienstleister CCC beauftragt. Das Unternehmen sucht auf seiner Website für den neuen Standort einen "Psychologen / psychologischen Berater". Zu seinen Aufgaben soll gehören, dass er die Mitarbeiter betreut und berät – "unter anderem in den Themen Trauma- und Stressbewältigung". Dafür erwartet CCC zum Beispiel ein "erfolgreich abgeschlossenes Studium der Psychologie oder vergleichbare Ausbildung". Zusätzlich sucht das Unternehmen für den neuen Standort in NRW einen Sozialarbeiter, der eng mit Psychologen zusammenarbeiten soll. Er soll "Kenntnisse in Krisen- und Konfliktmanagement" mitbringen, um auch unangenehme Gespräche führen zu können.

"Beim ersten Enthauptungsvieo hab ich erstmal geheult"

Facebook hat bereits ein Löschzentrum in Berlin, das von dem Unternehmen Arvato betrieben wird. Ende 2016 beklagten sich Mitarbeiter in der "Süddeutschen Zeitung" über die psychische Belastung durch die Arbeit, weil sie immer wieder Bilder oder Videos von Gewalt oder Missbrauch sehen würden. Sie fühlten sich damit allein gelassen, weil sie keine professionelle Hilfe erhielten, sagten mehrere Mitarbeiter damals der Zeitung.

Erst im Juli zitierte die Nachrichtenagentur dpa eine Mitarbeiterin mit den Worten: "Ich weiß noch, das erste Enthauptungsvideo – da hab' ich dann ausgemacht, bin raus und hab erstmal ein wenig geheult." In Berlin sollen deshalb an jedem Arbeitsplatz Aufkleber mit Kontaktdaten von Experten für psychologische Betreuung angebracht worden sein. Die Arbeit in einem Facebook-Löschzentrum ist offenbar nichts für sensible Gemüter.

Das Team in Essen soll im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Bis Ende des Jahres würden dafür 500 Leute eingestellt, teilte Facebook weiter mit. Sie würden einen "mehrstufigen Bewerbungsprozess durchlaufen". Jeder neue Mitarbeiter erhalte "ein verpflichtendes dreiwöchiges Initialtraining". Später folgten "zusätzlicher Trainingseinheiten". Nähere Angaben machte Facebook nicht. Welche Qualifikationen Bewerber mitbringen müssen, die strafbare und beleidigende Kommentare finden und löschen sollen, ist ebenfalls unklar. 

Nach Angaben von Facebook prüfen weltweit rund 4500 Menschen, ob Inhalte gegen die Regeln des Netzwerks oder Landesgesetze verstoßen. Der Konzern hat angekündigt, dass er die Zahl um 3000 erhöhen wird, unter anderem durch den Aufbau des Teams in Essen.  

Das vor kurzem im Bundestag angenommene Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Internet-Plattformen, strafbare Postings schneller zu entfernen. Es tritt zum 1. Oktober in Kraft. Anfang 2018 endet eine Übergangsfrist, dann drohen hohe Strafen. 

 
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