| 16.53 Uhr

Post in Mülheimer Facebook-Gruppe
Polizei glaubt nicht an versuchte Kindesentführung

Mülheim. Eine Frau aus Mülheim hat bei Facebook berichtet, Unbekannte hätten versucht, ihren vierjährigen Sohn zu entführen. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Später ruderte die Frau zurück. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es eine Straftat gab. 

"Die Mutter des Vierjährigen hatte am Mittwoch einen Facebookpost veröffentlicht, in dem sie den Usern von einer möglichen versuchten Kindesentführung berichtete und dass sie aufpassen sollten", sagte ein Polizeisprecher unserer Redaktion. Darin habe sie erzählt, dass sie mit ihrem Sohn in Richtung Mellinghofer Straße gelaufen sei. In Höhe einer Kreuzung habe sich von hinten ein grüner Transporter genähert, in dem sich zwei Personen befanden, gab der Sprecher die Aussage der Mutter wieder. Der Transporter habe plötzlich neben dem Jungen angehalten, der ein paar Meter vor der Mutter lief. Die Beifahrerin habe nach dem Jungen gegriffen, um ihn ins Auto zu zerren, schrieb die Frau laut Polizei in ihrem Post. Die 24-Jährige sei zu ihrem Kind gerannt, das daraufhin von der Frau losgelassen wurde. Später kommentierte sie unter ihrem Post, sie habe die Polizei über den Vorfall informiert.

Der Post sorgte für viele Reaktionen in der Mülheimer Facebookgruppe. Mehrere Nutzer riefen bei der Polizei an. Die Beamten nahmen Ermittlungen auf.

Polizei angeblich bereits nach Vorfall informiert

Im Zuge der Ermittlungen stellten die Polizisten jedoch fest, dass es keinen Anruf der Mutter bei der Polizei gegeben hatte, teilte die Polizei mit. Erst als Beamte auf dem Weg zu der 24-Jährigen waren, habe sich die Mutter des Vierjährigen bei der Polizei gemeldet, um von dem Vorfall zu berichten. Im anschließenden Gespräch mit den Beamten habe die junge Frau darauf beharrt, den Vorfall bereits bei der Polizei angezeigt zu haben. 

Die Polizei nahm dennoch eine Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern auf und veröffentlichte eine Personenbeschreibung der Beifahrerin des Wagens, die das Kind der Mutter zufolge angesprochen haben sollte.

Nach einer erneuten Vernehmung teilte die Polizei am Donnerstagvormittag jedoch mit, die Ermittlungen eingestellt zu haben. Den von der Mutter geschilderten Vorfall habe es zwar gegeben, allerdings sei die Frau in Bezug auf ihre ursprünglichen Aussagen teilweise zurück gerudert." Die Beifahrerin hat den Vierjährigen wohl angesprochen", sagte ein Sprecher der Polizei unserer Redaktion. Anders als zunächst von der Mutter berichtet, habe es jedoch kein Reißen oder Zerren nach dem Jungen gegeben. 

Fahndungen zurückgenommen

"Aus unserer Sicht lag deshalb kein strafrechtlich relevantes Verhalten der Beifahrerin vor", sagte der Sprecher. Die Frau habe sich aus Sicht der Polizei nicht strafbar gemacht. "Es könnte auch so gewesen sein, dass das Auto stoppte, weil die Beifahrerin dem Jungen nur sagen wollte, dass er nicht so nah an der Straße oder plötzlich über diese laufen soll", erklärte der Polizeisprecher weiter. Die Fahndungen nach den zunächst gesuchten Personen und dem Transporter seien deshalb zurückgenommen worden.

"Wir möchten ausdrücklich darum bitten, dass sich jeder vollkommen ungeniert an die Polizei wenden soll, sollte das Gefühl aufkommen, dass eine Straftat zugrunde liegt. Nutzen Sie bitte niemals das Internet, um Straftaten publik zu machen", heißt es außerdem in der Mitteilung der Polizei. "Gehen Sie lieber auf Nummer sicher und rufen Sie sofort die Polizei unter der Notrufnummer 110 an. In Notlagen zählt jede Sekunde." 

(ate)