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Fall Höxter
"Eine Szene für das Versklaven von Menschen"

Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt
Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt FOTO: dpa, mku gfh
Höxter/Düsseldorf . Ein Ex-Ehepaar soll in Höxter zwei Frauen misshandelt haben, bis sie starben. Es gibt Hinweise auf weitere Opfer. Eine Psychiaterin rechnet mit zahlreichen Fällen, die nie ans Licht kommen. Sie warnt: Es gibt eine "Szene" für die Versklavung von Menschen. Von Jessica Kuschnik

Zwei Monate lang war eine 41-jährige Frau dem Ex-Ehepaar ausgeliefert, wurde auf dem Hof des Paares gequält und starb schließlich an ihren Verletzungen. Vor ihr soll es ein weiteres Todesopfer und mehrere überlebende Opfer gegeben haben, wie die Polizei am Dienstag berichtete. Doch wer sind die Täter? Hätte man sie früher stoppen können? 

Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater, erklärt, wie die mutmaßlichen Täter ticken.

Kann man sagen, was solche Menschen zu so einer Tat veranlasst?

Christa Roth-Sackenheim Man muss davon ausgehen, dass bei solchen planvollen Versklavungen eine krankhafte Neigung bei den Tätern besteht, anderen Menschen sadistische Erniedrigungen und Verletzungen zuzufügen. Das ist etwas, was sich oft schon in der Kindheit oder Jugend manifestiert, oft beginnt das damit, dass zum Beispiel Tiere gequält werden. Es kommt vor mit dem Ziel der sexuellen Befriedigung, es kann aber auch ohne sexuelle Motive vorkommen.

Und was ist dann das Motiv der Täter?

Roth-Sackenheim Letztendlich geht es um Macht. Das Unterwerfen des Opfers geschieht durch körperliche oder sexuelle Gewalt, aber auch durch psychologisches "Brechen" der Persönlichkeit.

Das Ex-Ehepaar soll mit der Frau auch auf der Straße gesehen worden sein. Ist das ein Zeichen dafür, dass sie erwischt werden wollten, oder eine Machtdemonstration?

Roth-Sackenheim Es ist eine Form der Erniedrigung. Das Opfer steht unter der Annahme, dass es nicht entkommen kann. Dies soll es sozusagen auch nach außen hin akzeptieren.

Wir haben zwei mutmaßliche Täter, den Mann, der bereits wegen Körperverletzung verurteilt wurde, und seine Ex-Frau. Gibt es in solchen Fällen in der Regel einen Anstifter und einen "Mitläufer"?

Roth-Sackenheim Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass es eine "Szene" für das Entführen und Versklaven von Menschen gibt. Fritzl und Natascha Kampusch sind solche Fälle und wohl eher die Spitze eines Eisbergs. Es gibt häufig eine treibende Kraft, der andere wird zum "Helfer". In welchem Ausmaß zwei Täter beteiligt sind, ist nicht bekannt.

Der Mann soll bereits 1995 zusammen mit einer Komplizin seine damalige Ehefrau geprügelt, gequält und mit Säure verätzt haben. Hätte damals bereits absehbar sein können, dass er noch weitergehen könnte?

Roth-Sackenheim Unter Umständen ja, wenn man genau hingeschaut hätte.

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