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Getöteter Niklas aus Bad Godesberg
Jäger will gewaltbereite Jugendliche früher überwachen

Niklas P. getötet: Trauer in Bad Godesberg in Bonn
Niklas P. getötet: Trauer in Bad Godesberg in Bonn FOTO: dpa, mjh hpl
Düsseldorf/Bonn. Die tödliche Prügelattacke auf den 17-jährigen Niklas hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. Politik und Behörden suchen nach Wegen, wie gewalttätige Jugendliche gestoppt werden können. Nur wie?

Als Konsequenz aus der tödlichen Prügelattacke auf den 17-jährigen Niklas in Bonn müssen nach Worten von Innenminister Ralf Jäger (SPD) besonders gewaltbereite Jugendliche künftig früher identifiziert werden. Die grundlose Gewalttat mache ihn fassungslos, sagte Jäger am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. Die Jugendkriminalität in Nordrhein-Westfalen sei seit 2010 um 20 Prozent zurückgegangen. Aber nur sechs Prozent der jugendlichen Täter seien für 40 Prozent der Straftaten verantwortlich. "Auf die muss man sich konzentrieren." Diese "kleine Gruppe" müsse früh entdeckt werden. Eine stärkere Videoüberwachung, wie von der CDU-Opposition gefordert, helfe da aber nicht.

Der 17-jährige Niklas war in der Nacht zum 7. Mai nach einem Konzertbesuch von einer Gruppe junger Männer im Bonner Stadtteil Bad Godesberg so schwer geschlagen und getreten worden, dass er eine Woche später im Krankenhaus starb. Ein 20-Jähriger sitzt als Hauptverdächtiger in Untersuchungshaft.

Mehr Streifen und mehr Überwachung in Bonn

Der Verdächtige sei bereits vor seiner Verhaftung in zwei Körperverletzungsdelikte in Bonn verwickelt gewesen, bestätigte der Leitende Polizeidirektor Rüdiger Wollgramm. Künftig sollten in Bonn verstärkt Streifen eingesetzt werden, vor allem an Wochenenden und in den Abendstunden, berichtete er. Die Polizei Bonn halte Interventionsteams bereit, um verdächtige Gruppen im Blick zu behalten und deren Treffpunkte zu überwachen. Erwogen würden auch Aufenthaltsverbote.

Außerdem sollen Kontaktbeamte eingesetzt werden, "um näher an das Täterumfeld heranzukommen". Geprüft werde auch die Videobeobachtung. Entscheidend sei, mit allen gesellschaftlichen Gruppen "die Ursachen für dieses bestürzende Beispiel einer hemmungslosen Gewaltbereitschaft zu bekämpfen".

Präventions-Projekte sollen Jugendliche von Gewalt abhalten

Intensivtäter fielen in der Regel schon früh auf, sagte Jäger. Mit Vorbeuge-Projekten sollten gewalttätige Jugendliche vor Straffälligkeit bewahrt werden. Der Tatverdächtige im Fall Niklas war nach Polizeiangaben aber in kein Intensivtäter-Programm eingebunden.
Es habe dafür "keinen Anlass" gegeben.

Zwar sei die Kriminalitätsstatistik auch in Bonn-Bad Godesberg, wo Niklas angegriffen worden war, rückläufig, sagten Wollgramm und Jäger. Wenn aber das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erst einmal berührt sei in einem Stadtteil, "dann kann man mit Statistiken nicht überzeugen", fügte Jäger hinzu.

(lnw)
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