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Betrugsmasche in NRW
Falsche Polizisten nehmen Senioren aus

Die Maschen der Trickbetrüger
Die Maschen der Trickbetrüger FOTO: dpa, frg fpt
Düsseldorf. Die Zahl der Fälle, in denen sich Betrüger am Telefon als Polizeibeamte ausgeben, nimmt zu. Sie entlocken ihren Opfern - zumeist Senioren - sensible Daten oder lassen sich Geld von ihnen überweisen. Die Polizei ruft zu Wachsamkeit auf. Von Tim Specks

Das Opfer fühlt sich auf der sicheren Seite. Auf dem Telefondisplay leuchtet die 110, und der Anrufer am anderen Ende behauptet auch tatsächlich, Polizist zu sein. Hat der Angerufene Vertrauen zum vermeintlichen Beamten gefasst, hat dieser nur wenig Mühe, sensible Daten aus seinem Gesprächspartner herauszulocken: Adresse, Kontonummer, Einbruchsschutz - in wenigen Minuten sind die schützenswertesten Angaben preisgegeben. Oft kommt es sogar so weit, dass der angebliche Polizist sein Opfer unter einem Vorwand dazu bringt, ihm Geld zu überweisen. Zurück bleibt am Ende ein häufig unwissentlich Geschädigter, der einem Betrug zum Opfer gefallen ist.

Fälle, in denen sich Betrüger am Telefon als Polizisten ausgeben und so an vertrauliche Daten, Geld oder Wertgegenstände ihrer Opfer gelangen, häufen sich bundesweit. Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt aktuell sogar vor einer "Welle" dieser Betrugs-Anrufe. Die Vorgehensweise der Täter variiert dabei von Tat zu Tat. Mithilfe einer speziellen Software schaffen es die Betrüger, im Display des Opfers echte Telefonnummern der Polizeibehörden anzeigen zu lassen. Im Gespräch mit ihren Opfern geben die Betrüger dann mal vor, bei festgenommenen Einbrechern Hinweise auf die Angerufenen gefunden zu haben, mal bitten sie um Mithilfe bei der Verfolgung eines Straftäters.

Besonders perfide gingen die Täter in Medebach im Hochsauerlandkreis vor: Der angebliche Polizeibeamte unterbrach das Gespräch mit einer Frau immer wieder, um Funkgespräche zu führen, und ließ den Anruf so besonders glaubhaft wirken. Nach einem zweiten Gespräch wurde dann vom Opfer verlangt, über die Telefonate zu schweigen, da es sich um verdeckte Ermittlungen handele. "Ein solch durchdachtes Vorgehen gab es in dieser Form noch nicht - das hat eine neue Qualität", so Bianca Scheer, Sprecherin der Polizei im Hochsauerlandkreis.

Laut BKA gab es sogar schon Fälle, in denen sich die Anrufer als Staatsanwälte ausgaben. Gegenüber den Opfern behaupteten sie dann, diese hätten sich durch die Zahlung an einen Gewinnspielanbieter - der mit dem Betrüger zusammenarbeitet - strafbar gemacht und könnten ein Ermittlungsverfahren nur gegen eine weitere Zahlung schnell und unkompliziert abwenden.

Ziel all dieser Maschen ist immer, die Angerufenen entweder direkt zu Zahlungen zu veranlassen oder die vermeintlichen Beamten in die eigene Wohnung zu lassen. Dort erbeuten die Betrüger dann Bargeld oder Wertgegenstände. Oft, so erklärt ein Sprecher der Kölner Polizei, kommen die Anrufe aus dem Ausland. Häufig komme es vor, dass in einem Stadtgebiet in kurzer Zeit gleich mehrere solcher Anrufe bei verschiedenen Menschen eingehen. So können die Täter, die in die Wohnungen gelangen, gleich an mehreren Stellen zuschlagen.

Opfer der Betrugs-Masche sind meist ältere Menschen. Laut Kriminalstatistik steigt die Zahl der Geschädigten, die 60 Jahre oder älter sind, seit 2009 an. Der Grund dafür, dass vor allem Senioren von vermeintlichen Polizeibeamten betrogen werden, liegt häufig in deren Leichtgläubigkeit. "Es liegt aber auch an der Obrigkeitshörigkeit dieser Generation. Die Opfer sind schlichtweg so erzogen worden, dass sie auf Autoritäten hören", erklärt Barbara Hübner, Sprecherin des Bundeskriminalamts.

Die Verfolgung der Täter gestaltet sich indes schwierig. "Lügen ist erst einmal straffrei", erklärt Polizeisprecherin Bianca Scheer. Erst, wenn tatsächlich sensible Daten oder sogar Geld erhalten wurden, könnten die Täter verfolgt werden. Strafbestand ist in diesem Fall der Betrug, unter Umständen könnte auch wegen Amtsanmaßung gegen die Täter ermittelt werden.

Um sich gegen die Betrugsmasche zu schützen, rät die Polizei zu Wachsamkeit. Ermittler fragen zum Beispiel am Telefon niemals nach Wertgegenständen in der Wohnung, so ein Polizeisprecher. Wer sich unsicher sei, ob er tatsächlich mit der Polizei spricht, solle immer verlangen, den Anrufer zurückrufen zu dürfen, erklärt Bianca Scheer. "Auf keinen Fall sollten Kontodaten oder andere vertrauliche Informationen weitergegeben werden."

Das BKA ruft auch Angehörige möglicher Opfer dazu auf, ihre Verwandten vor möglichen Betrügern zu warnen. Der beste Schutz sei jedoch, sich schon bei einem geringen Verdacht nicht auf ein Gespräch einzulassen - vielen Menschen, vor allem älteren, falle aber gerade das schwer.

Quelle: RP
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