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Feuer in Bochumer Uniklinik
Bergmannsheil übte mehrfach das Szenario Großbrand

Feuer in Universitätsklinik Bergmannsheil: Klinik übte Szenario Großbrand
2014 übte das Krankenhaus für den Ernstfall. Mehr als 130 Rettungskräfte waren an dem Szenario beteiligt. FOTO: Screenshot: Youtube (Karsten John)
Bochum. Ein Großbrand in einem Krankenhaus gehört für alle Mitarbeiter zu den schlimmsten Szenarien. Hunderte Patienten, teils schwerkrank, müssen binnen Minuten in Sicherheit gebracht werden. Damit dann nicht Chaos entsteht, üben die Kliniken den Ernstfall. Auch das Bergmannsheil war vorbereitet. Von Marcel Romahn und Thomas Reisener

128 Menschen warteten auf Rettung. Pfleger schleppten bettlägerige Patienten durch die Korridore und sechs Stockwerke hinab durch die Treppenhäuser. Das Szenario eines Großbrandes, es wurde am Freitagmorgen für die Universitätsklinik Bergmannsheil zur Realität. Unvorbereitet war das Krankenhaus jedoch nicht.

Die Evakuierung wurde in Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei bereits mehrfach geprobt. "Die letzte Übung fand hier vor etwa eineinhalb Jahren mit mehr als 130 Einsatzkräften statt", sagt Robin Jopp, Sprecher des Universitätsklinikums. Dabei wurde ein Großbrand simuliert, der auf einer der Stationen ausbricht.

30 schwerverletzte Patienten mussten in dem Szenario evakuiert, abtransportiert und an anderer Stelle weiter behandelt werden. Die Übung wurde in einem Video dokumentiert.

"Diese Trockenübungen wurden mit zufriedenstellendem Ergebnis abgeschlossen und waren sehr hilfreich, um für Ernstfälle wie diese gewappnet zu sein", sagt Jopp. "Wir mussten heute ein tragisches Ereignis mit furchtbarem Ausgang für zwei unserer Patienten erleben." Trotzdem müsse man angesichts der Tatsache, dass bei solch einem Großbrand 126 von 128 Menschen gerettet werden konnten, von einer erfolgreichen Evakuierung sprechen. "Es grenzt an ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagt Jopp.

Gerüchte über Sicherheitsmängel, etwa fehlende Feuermelder, kann der Klinik-Sprecher nicht bestätigen: "Darüber ist mir nichts bekannt. Alles Weitere müssen die Ermittlungen der Polizei nun ergeben."

Test unter realen Bedingungen unmöglich

Wie wichtig regelmäßige Übungen für den Notfall sind, weiß auch Hans-Peter Jochum, Geschäftsführer des Bochumer Knappschaftskrankenhauses. "Das ist der absolute Stresstest für das Haus", sagt er. "Die Kommunikation der Mitarbeiter mit den Rettungsdiensten, das Zeitmanagement und die Logistik stehen dann detailliert auf dem Prüfstand."

Großbrand in Bochumer Uniklinik FOTO: ANC-NEWS

Eine Möglichkeit, den Ernstfall zu hundert Prozent nachzustellen, gebe es laut Jochum im Krankenhaus jedoch nicht: "In einem Kaufhaus oder im Büro kann man einen Alarm simulieren und die Mitarbeiter auffordern, das Gebäude zu verlassen. In einer Klink kann man jedoch nicht einfach alte und kranke Patienten, die teilweise nicht einmal aus dem Bett steigen können, für eine Übung mobilisieren." Darüber hinaus müsse auch der laufende Betrieb aufrechterhalten werden. "Operationen und Untersuchungen können ebenfalls nicht für einen Test unterbrochen werden."

Trotzdem, sagt der Krankenhaus-Geschäftsführer, sei die Evakuierung von Bergmannsheil vorbildlich abgelaufen. "In dieser unkontrollierbaren Lage wurde sehr schnell reagiert, sagt Jochum. "Da haben alle Beteiligten einen guten Job gemacht".

Zahl der Krankenhaus-Brände rückläufig

Krankenhausbrände kommen häufiger vor als man vermuten könnte  - und haben oft fatale Folgen: Der Bundesverband technischer Brandschutz dokumentiert allein für die Jahre 2013 und 2014 insgesamt 45 Brände in deutschen Krankenhäusern. Dabei starben sechs Menschen. Jüngere Daten sind dem Verband nicht bekannt.

Jörg Reintsema, Professor für Technische Gebäudeausrüstung an der FH Köln, erklärt: "Große, wirklich verheerende Brände wie jetzt der in Bochum treten aber nur alle zehn Jahre auf." In Erinnerung ist noch ein Brand im St. Antonius-Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Wissen im August 2014, bei dem ein Patient ums Leben kam. Als Verursacherin wird eine Patientin vermutet, die im Bett geraucht haben soll. Als im Dezember 2013 ein Toter bei einem Brand in der Saale-Kinik in Sachsen-Anhalt zu beklagen war, soll ein Brand in der Trafostation des Klinikums die Ursache gewesen sein.

Historisch gesehen ist die Zahl der Brände in Krankenhäusern aber rückläufig. Weil mit dem absoluten Rauchverbot in Krankenhäusern und dem flächendeckenden Einbau von Rauchmeldern "wirksame Gegenmaßnahmen verpflichtend eingeführt wurden", erklärt Reintsema. Dass auch die Zahl der Verletzten und Toten bei Krankenhausbränden zurückgeht, hängt mit zwei anderen Maßnahmen zusammen: Erstens wurden alle Krankenhäuser verpflichtet, so genannte Brandabschnitte nachzurüsten: Technische Vorrichtungen wie Brandschutztüren, die sicherstellen, dass bestimmte Gebäudeteile selbst bei einem Großbrand 90 Minuten lang sicher sind.

Zweitens werden in den Krankenhäusern inzwischen regelmäßig Evakuierungsübungen vorgenommen. Was in Bochum offenbar geholfen hat, wie auch Andreas Weber, leitender Oberarzt der Bochumer Neurologie, berichtet: "Die Evakuierung des Krankenhauses hat gut geklappt."

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