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| 10.39 Uhr

Bundesprogramm "KitaPlus"
Flexible Betreuung – 155 Kitas in NRW wollen mitmachen

Zahl der Kinder in Kitas nach Bundesländern
Zahl der Kinder in Kitas nach Bundesländern FOTO: dpa, Caroline Seidel
Düsseldorf. Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Kindertagesstätten – was bisher unvorstellbar schien, wird jetzt vom Bund gefördert. Deutschlandweit wollen 443 Kindertagesstätten an dem neuen Bundesprogramm "KitaPlus" teilnehmen, 155 davon aus Nordrhein-Westfalen. Von Tanja Karrasch

Das Programm, das Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (beide SPD) Anfang des Jahres in Berlin vorgestellt haben, fördert Kindertageseinrichtungen und Kinderpflegepersonen bei der Umsetzung flexibler Betreuungsmöglichkeiten.

Bis 2018 stehen dafür bis zu 100 Millionen Euro zur Verfügung. Mit den Mitteln sollen zusätzliche Personal- und Ausstattungskosten getragen werden. Bisher hat das Bundesfamilienministerium über 100 Bewerbungen positiv bewertet und die Träger aufgefordert, ihre Konzepte einzureichen, davon 30 aus NRW.

24-Stunden-Vorschläge aus Essen und Bochum

Zwei Tagesstätten aus Mönchengladbach gehören dazu, eine aus Krefeld. Sie wollen Betreuung über die Kernzeit von 8 bis 16 Uhr hinaus anbieten. Die Essener Kita St. Engelbert und die Bochumer Kita Liebfrauen wollen sogar 24-Stunden-Kitas werden. Die Übernachtungsmöglichkeiten sollen Eltern in Notsituationen helfen, wenn beispielsweise der Babysitter kurzfristig absagt. Sie sind nicht als Dauerlösung gedacht.

Dafür hofft der Träger der Kitas, der Zweckverband Katholische Tageseinrichtungen für Kinder im Bistum Essen, auf eine Unterstützung von jeweils 600.000 Euro. Es gab schon grünes Licht aus Berlin: "Uns wurde mitgeteilt, dass es sehr gut für uns aussieht. Jetzt warten wir auf die endgültige Entscheidung", sagt eine Sprecherin. Die Vorbereitungen laufen bereits: "Sobald die Zusage kommt, möchten wir die Umstellung kurzfristig umsetzen."

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte sich für die Ausweitung des Betreuungsangebots eingesetzt. Das Bistum nehme "sehr wach die sich ändernden Realitäten in unserer Gesellschaft wahr", so Overbeck. Die Mitarbeiter in den Kitas müssten sich zum Teil auf neue Arbeitszeiten einstellen. Betreuung am Sonntag sei aber nicht geplant.

Ministerium: Betreuungszeiten der Lebenswirklichkeit anpassen

Mithilfe des Bundesprogramms soll es Eltern erleichtert werden, Kinder und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen. "Alleinerziehend zu sein oder in Schicht zu arbeiten darf nicht heißen, dass man die Betreuung der Kinder jeden Tag neu organisieren oder ganz auf eine Berufstätigkeit verzichten muss", so Schwesig. Längere Öffnungszeiten sollen aber nicht bedeuten, dass Kinder länger betreut werden, heißt es aus dem Ministerium. Es gehe darum, Betreuung zu anderen Uhrzeiten anzubieten, die der Lebenswirklichkeit der Familien entsprechen.

Frank Jansen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder, begrüßt das Vorhaben des Ministeriums mit Einschränkungen: "Bleibt nur die Frage, wer das künftig bezahlt, wenn das Bundesprogramm ausläuft. So richtig einzusehen ist es nicht, dass ausschließlich Steuergelder hierfür aufgebracht werden. In den zurückliegenden Jahren haben gerade Vertreter der Wirtschaftsverbände lautstark den Ausbau der Kindertagesbetreuung eingefordert. Höchste Zeit, dass sie hierfür mehr Geld in die Hand nehmen."

Landesjugendamt berät

Das findet auch die Gewerkschaft Verdi: "Wir sehen die Arbeitgeber in der Pflicht, familienfreundlichere Arbeitszeiten zu schaffen", sagt ein Sprecher. Eine gute Alternative wäre laut Verdi, mehr Betriebskindergärten einzuführen. Georg Hohl, Vorsitzender der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, fragt: "Ist es richtig, Betreuungszeiten an Arbeitszeiten anzupassen, oder müssten die politischen Bemühungen nicht in die umgekehrte Richtung gehen?"

Das Landesjugendamt NRW berät derzeit Kitas im Rheinland, die sich für die Förderung beworben haben. Bei der Umsetzung der neuen Betreuungszeiten soll vor allem das Kindeswohl im Vordergrund stehen. Für die Betreuung über Nacht müssten beispielsweise genügend Duschen und Schlafplätze vorhanden sein, sagt Pressereferent Till Döring: "Das sollten dann nicht nur Matratzen in einem Gruppenraum sein."

Quelle: RP
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