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Hilfe für Flüchtlinge
Die Willkommenskultur am Rhein

Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen
Willkommenskultur: Diese Menschen helfen Flüchtlingen FOTO: RP
Düsseldorf. Tausende engagieren sich im Land für Flüchtlinge. Es muss nicht viel sein, manchmal genügt auch nur ein Lächeln. Wir stellen Menschen vor, die helfen.

Mandana Kazemi, Dormagen

In ihrem Urlaub hilft die 46-Jährige ehrenamtlich als Betreuerin der zahlreichen Kinder und Jugendlichen in der Notunterkunft, die die Stadt Dormagen am Montag in der Turnhalle der Realschule am Sportpark für 150 Flüchtlinge eingerichtet hat. Die dreifache Mutter, die als Familienberaterin beim Jugendamt arbeitet, ist selbst vor knapp 30 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, wo sie herzlich aufgenommen wurde. "Ich möchte gern etwas zurückgeben, indem ich übersetze, mit Kindern bastle oder male und die ungewisse Wartezeit überbrücke", sagt sie. (cw-)

Holger Bauer, Moers

Neue Nachbarn heißt man willkommen, das hat der 61-Jährige so gelernt. Deshalb begrüßte er auch die 55 Flüchtlinge, die vergangene Woche in eine ehemalige Schule in seiner Nachbarschaft eingezogen sind. "Im Namen aller Nachbarn habe ich Salz und Brot gebracht – eine Tradition, die diese Menschen gut kennen." Die Reaktion war Dank genug: "Einigen standen die Tränen in den Augen, und sie haben das Brot sofort angeschnitten." Er sei froh, dass seine Nachbarschaft so offen und tolerant sei. (jeku)

Julia Weber, Kleve

Dass Menschen miteinander sprechen, um unbegründete Ängste abzubauen – das sieht die 64-Jährige als ihre Aufgabe. Sie besucht Asylbewerber, begleitet sie bei Behördengängen, organisiert Treffen mit Bürgern, Sprachkurse, Koch- und Musikabende. Sie studierte Sprach- und Literaturwissenschaften in Kasachstan, kam 1991 mit ihrer Familie nach Deutschland. "Erst wenn es uns gelingt, dass sich die Menschen füreinander sensibilisieren, haben wir eine Chance auf ein friedliches Zusammenleben." (lukra)

Gabi Peterek, Wegberg

Die Ehrenamtlerin organisiert Familienpatenschaften, Sprachkurse, Babykleidung für den Nachwuchs von Schwangeren und pflegt für den von ihr gegründeten Verein "Asyl in Wegberg" Kontakte zu örtlichen Unternehmern. Die studierte Sozialpädagogin, die von ihrer Tochter Jana-Lena (27) in ihrer Arbeit tatkräftig unterstützt wird, hat eine Vision: "Ich möchte, dass sich engagierte Flüchtlinge, die schon länger in Wegberg leben, um Neuankömmlinge kümmern." (hec)

Marc Janßen, Meerbusch

Viele Flüchtlinge in Deutschland geben fürs Telefonieren eine Menge Geld aus, um Nachrichten aus der Heimat zu bekommen. In Meerbusch gehört das bald der Vergangenheit an. Marc Janßen (38) ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins Freifunk, der sich für den Betrieb eines freien Funknetzes einsetzt. Ein Sportverein sponserte WLAN-Router, Janßen und seine Vereinskollegen installierten die Technik – seither hat das Heim einen Internetzugang. (mrö)

Verena Pütz, Düsseldorf

Alle vier Wochen wird es eng an der Asylzweigstelle in Düsseldorf. "Es ist wie am Flughafen: Die Flüchtlinge müssen durch die Security, und das bedeutet für die Menschen viel Stress", sagt Verena Pütz. Die 32-Jährige sorgt mit ihren Kollegen für Entspannung. Sie geben in einem Bus heiße und kalte Getränke aus, für die Kinder gibt es Saftpäckchen. "Die Resonanz ist sehr positiv." Beim Projekt "Hallo Fahrrad" haben sie und ihre Mitstreiter Flüchtlinge mit Fahrrädern versorgt. (jeku)

Eva Danner, Hünxe

Als Eva Danner sah, in welch primitiven Verhältnissen Flüchtlinge leben, war es für sie klar, hier zu helfen. So rief sie beispielsweise zu Sachspenden auf und verteilte diese anschließend an Hilfsbedürftige. Im Februar nahm sie einen jungen Flüchtling aus Guinea bei sich zu Hause auf. Sie unterstützt Bachir Bah nach besten Kräften und lernt mit ihm, damit er später eine Ausbildung machen kann. Für ihr Engagement bekam die Hünxerin den Solidaritätspreis der "Freddy Fischer Stiftung". (hsd)

Sultan Dakik, Hamminkeln

Im Jahr 1979 ist er vor der russischen Invasion aus Kabul in seiner Heimat Afghanistan geflohen. Heute hilft der 47-jährige Unternehmer von Hamminkeln aus Flüchtlingen. Diese haben Vertrauen zu Sultan Masood Dakik. Mancher sagt gar, Dakik sei wie ein Papa für ihn. Der Spross der afghanischen Königsfamilie hilft dabei, Papiere zu besorgen, bei der Wohnungssuche. Unter anderem für seinen ehrenamtlichen Einsatz hat der dreifache Vater das Bundesverdienstkreuz bekommen. (grof)

Rosel Schroeder, Ratingen

In der alten Grundschule im Stadtteil Homberg hat sie früher als Lehrerin gearbeitet. Auch heute noch ist die 73-Jährige fast jeden Tag vor Ort. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sind Gespräche – was nicht immer einfach ist: "Manchmal müssen wir uns schon mit Händen und Füßen verständigen, aber mittlerweile können viele so gut Deutsch, dass immer jemand zum Übersetzen da ist." Sie will das Leben in der Fremde zumindest ein bisschen erleichtern – und wenn es manchmal nur mit einem Lächeln ist. (kr)

Nimet Said, Nettetal

Wegen ihrer Sprachkenntnisse ist Nimet Said für die Flüchtlinge eine wichtige Bezugsperson. Mit zwei Jahren kam sie aus Syrien. Arabisch spricht die 50-Jährige fließend, so wie die meisten Flüchtlinge in der Stadt. Said übersetzt, gibt Sprachunterricht, erledigt Amtsgänge und füllt Formulare aus – bis zu fünf Stunden am Tag. Die gelernte Bürokauffrau und fünffache Mutter sucht derzeit nach Arbeit und engagiert sich deswegen mehr und mehr im Ehrenamt. (RP)

Joachim Watzlawik, Krefeld

Sein Talent als Netzwerker setzt der gelernte Heil- und Sozialpädagoge am liebsten ein, um Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Im Krefelder Süden hat er das Café Sarah initiiert. Jeden Mittwoch ist dieses "Willkommenscafé für Flüchtlinge und Asylsuchende" Begegnungsort für Jugendliche und Erwachsene. Zwischen 20 und 22 Uhr sollen sie ein Stück Normalität wiederfinden, Freundschaften knüpfen, Gemeinsamkeiten entdecken, Musik oder Sport machen, spielen, reden. (pd)

Petra Kron, Düsseldorf

Der Verein Kabawil arbeitet seit 2003 mit Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen. Petra Kron und ihre Mitstreiter haben ihre Projekte auf Flüchtlingsunterkünfte ausgedehnt, wo sie Workshops mit Bewohnern machen in Tanz, Theater, Musik und Fotografie. "Es geht dabei immer um Verortung – durch die Bewegung im eigenen Körper wie auch im Raum – und es geht um kommunikative Kunst. Wir wollen gemeinsam mit den geflüchteten Menschen etwas kreieren, sie kreativ weiterbilden und ihnen damit Wertschätzung entgegenbringen", erklärt sie. (dr)

Wolfgang Dohr, Tönisvorst

Mit dem Fernsehprogramm Deutsch lernen – das war die Idee von Wolfgang Dohr. Der Tönisvorster hatte eine Zeit lang in den USA gelebt und die Sprache mit Hilfe der "Sesamstraße" gelernt. Als jetzt immer mehr Flüchtlinge nach Tönisvorst kamen, erinnerte sich der 67-Jährige daran. 47 Tönisvorster boten ausrangierte TV-Geräte an. "Ist das nicht toll, dass so viele den Flüchtlingen einen Fernseher schenken?", fragt er. Anfang Juli organisierte er einen Transporter, schnappte sich zwei junge Asylbewerber und brachte mit ihnen die Geräte zu den Unterkünften. (hbr)

Ernst Rindt, Langenfeld

Der 75-Jährige kutschiert Asylbewerber zur Kleiderkammer in Langenfeld und hilft auch bei der Ausstattung mit Haushaltswaren oder Fahrrädern. "Meine Frau floh einst aus der DDR, meine Mutter war Kriegswitwe. Ich weiß, wie wichtig es ist, Menschen nicht alleine zu lassen." Besonders kümmert sich Rindt um zwei junge Männer aus dem Iran und dem Kongo sowie um eine siebenköpfige Familie aus Afghanistan, die er wieder zusammengeführt hat. Als Ingenieur war Rindt weltweit tätig, er hat gute Fremdsprachenkenntnisse. Und Bürokratie fürchtet er nicht. (mei)

John Hardiman, Leverkusen

Bis vor kurzem hat er vermögende Kunden als Bank-Manager beraten: "Ich habe italienische Maßanzüge getragen und einen Firmenwagen gefahren. Jetzt trage ich Jeans und betreue Flüchtlinge. Und es gibt mir sehr viel", sagt der 60-jährige Vorruheständler. Geboren wurde er in England, lebt aber seit 15 Jahren in Leverkusen. "Ich mache das nicht alleine, wir sind eine Gruppe von elf Leuten. Nur im Team können wir die vielen Aufgaben von A bis Z bewältigen", betont er. So haben sie in Bergisch Neukirchen das "Café international" gegründet – für Flüchtlinge und alle anderen. (gt)

David Müller-Rico, Düsseldorf

Aufgewachsen ist er in Düsseldorf-Garath, einem Stadtteil, der vor 52 Jahren auf dem Reißbrett entstand. Vielleicht weil jeder dort anfangs ein Fremder war, sei man dort immer schon tolerant gewesen, sagt David Müller-Rico. Eine Voraussetzung für das, was der 50-jährige Künstler und Musiker heute lebt. Seit drei Monaten gibt er zwei Flüchtlingen kostenlos Musikunterricht. Beide kamen als Minderjährige ohne Familie; der eine aus Syrien, der andere aus Afghanistan. Einmal in der Woche kommen sie zu ihm nach Hause. Doch bevor die Gitarre in die Hand genommen wird, setzen sie sich an einen Tisch und essen gemeinsam. "Ich habe mir extra Kochbücher mit Rezepten aus ihrer Heimat besorgt", sagt David Müller-Rico. (roe)

Tony Trapp, Mönchengladbach

Als der 67-Jährige hörte, dass an seinem ehemaligen Arbeitsplatz in der Begegnungsstätte Römerbrunnen in Mönchengladbach Flüchtlingsfamilien einziehen sollten, fiel seine Entscheidung schnell. "Ich muss helfen, ich werde gebraucht", sagte sich der ehemalige Sozialarbeiter. Er hilft etwa bei Behördengängen und vermittelt Helfer. Und wenn es sein muss, hilft "Tony, Tony", wie er gerufen wird, auch beim Möbeltransport. "Ich wollte nur ein, zwei Stunden täglich helfen. Mitunter sind es aber auch schon mal 13 Stunden pro Tag." (KT)

Cornelia Seng, Wermelskirchen

Die Schulpfarrerin am Gymnasium Wermelskirchen hilft, klärt auf und wirbt um Verständnis. Sie hat im vergangenen Oktober "Willkommen in Wermelskirchen" gegründet, damit Flüchtlinge besser und schneller integriert werden. Auf etwa 170 Ehrenamtliche ist der Kreis mittlerweile angewachsen. "Wir haben die christliche Pflicht, zu helfen", sagt die 60-Jährige. Ängste entstünden oft durch Unkenntnis. "Dagegen hilft nur, sich kennenzulernen, miteinander zu reden und zu leben." (jado)

Werner Kettler, Mettmann

"Anderen zu helfen, ist nicht nur eine Frage des humanitären oder christlichen Vorgehens", sagt Werner Kettler. "Ich will bei der praktischen Integration helfen." Der 78-Jährige sei "kein Sozialromantiker, sondern ein pragmatischer Mensch", der dort vor Ort ist, wo er gebraucht werde – zum Beispiel bei der Vermittlung aus Not- und Sammelunterkünften in eigene Wohnungen. 19 Menschen konnte der studierte Architekt helfen, auch dank alter beruflicher Kontakte und neuer Netzwerke. Geht es um die Einrichtung der Wohnungen, ist er ebenso zur Stelle, erstellt Aufmaße und Skizzen für Möbel, berät beim Kauf von Küchen und Inventar und ist bei Umzügen zur Stelle. (von)

Dagmar Neugebauer, Düsseldorf

Die Düsseldorferin fühlt sich zum Engagement verpflichtet, weil die Flüchtlinge ihrer Meinung nach Opfer einer völlig falschen Politik geworden sind. "Außerdem ist die Flüchtlingshilfe immer noch nicht effektiv genug." Im Mai dieses Jahres hat sie mit anderen Ehrenamtlichen und der Hilfe der Bürgerstiftung Gerricus der Kirchgemeinde St. Margareta angefangen Sachspenden zu sammeln und zu koordinieren. (RP)

Jan van Meegern, Kevelaer

Der 28-Jährige hat mit Flüchtlingen fünf Hochbeete gebaut. Als Grundstück für den Garten bot sich ein brachliegendes Areal in Familienbesitz an. "Wurzelwerk" nennt sich das Projekt. Salat und Bohnen können bereits geerntet werden. Flüchtlinge kommen jeden Tag in den Garten, um zu wässern und die Pflanzen zu pflegen. Auch Bürger aus Kevelaer helfen mit, so ist "Wurzelwerk" auch eine Möglichkeit, Einheimische und Asylbewerber zwanglos zusammenzubringen. (lat)Mandana Kazemi, Dormagen

In ihrem Urlaub hilft die 46-Jährige ehrenamtlich als Betreuerin der zahlreichen Kinder und Jugendlichen in der Notunterkunft, die die Stadt Dormagen am Montag in der Turnhalle der Realschule am Sportpark für 150 Flüchtlinge eingerichtet hat. Die dreifache Mutter, die als Familienberaterin beim Jugendamt arbeitet, ist selbst vor knapp 30 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, wo sie herzlich aufgenommen wurde. "Ich möchte gern etwas zurückgeben, indem ich übersetze, mit Kindern bastle oder male und die ungewisse Wartezeit überbrücke", sagt sie. (cw-)

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