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Landessportbund NRW sucht Lösungen
Immer mehr Sporthallen durch Flüchtlinge belegt

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Düsseldorf/Essen. Die Zahl der Sporthallen, die in NRW zu zeitweisen Flüchtlingsunterkünften umgebaut worden sind, hat sich innerhalb eines Monats mehr als verdoppelt. Die Sportbünde in NRW weisen auf die damit verbundenen Beeinträchtigungen des Vereinssport hin. Es werden Lösungen gesucht.

Statt in 150 könnten die Vereine nun in mehr als 400 Hallen keinen Sport mehr treiben, wie eine Auswertung des Landessportbundes NRW (LSB-NRW) bei Verbänden und Vereinen ergab. Landesweit gebe es 7000 Sporthallen. Zwar seien einige Hallen wieder bespielbar, weil die Flüchtlinge ausgezogen seien. Aber: "Die Entwicklung ist spürbar, dass deutlich weniger Hallen frei werden, als gefordert", sagte ein LSB-NRW-Sprecher am Montag.

Die Inanspruchnahme kommunaler Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen führe zunehmend zur Beeinträchtigung des Vereinssports wie auch des Schulsports. Darauf hat der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, Dr. Bernd Jürgen Schneider, am Montag in Düsseldorf hingewiesen: "Vorsichtig gerechnet gehen wir davon aus, dass landesweit bis Jahresende mindestens 400 Turnhallen von den Kommunen als Notunterkunft eingesetzt werden müssen."

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Sportarten wie Handball oder Tischtennis besonders betroffen

Unter Problemen hätten demnach vor allem Sportarten wie Handball oder Tischtennis zu leiden, die zwingend auf Hallen angewiesen sind. Hier meldeten Vereinsvertreter Schwierigkeiten, den Trainings- und Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Aber auch die kommunalen Schulträger müssten zunehmend mit Behelfslösungen arbeiten, welche für die Schüler und Schülerinnen weite Wege mit sich bringen, damit lehrplanmäßig Schulsport stattfinden werden kann.

"Wir danken den Vereinen und dem Landessportbund, die in den vergangenen Monaten viel Verständnis für die Nöte der Kommunen gezeigt und an praktischen Lösungen mitgearbeitet haben", betonte Schneider. Er appellierte an die Verantwortlichen in den Kommunen, die Vertretungen der Sportvereine vor Ort - Stadt- und Kreissportbünde, Stadt- und Gemeindesportverbände - so früh wie möglich zu informieren und in die weitere Planung einzubeziehen. "Die Suche nach Ausweichmöglichkeiten für den Vereinssport sollte als gemeinsame Aufgabe von Kommunen und Sportorganisationen verstanden werden", so Schneider.

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Zugleich dämpfte er Hoffnungen auf eine rasche Besserung der derzeitigen Situation: "Die Alternativen bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen sind in den Kommunen weitgehend ausgeschöpft". Vielerorts fehle es an geeigneten Immobilien mit ausreichend sanitären Einrichtungen. Und der Neubau von Unterkünften sei nicht in wenigen Wochen zu realisieren.

Landessportbund geht in die Offensive

Der LSB-NRW geht deshalb erstmals mit einem größeren Treffen von Sportfunktionären des Ruhrgebiets in die Offensive: Verbandsfunktionäre und Präsident Walter Schneeloch wollen am Montagabend mit Funktionären von städtischen Sportbünden aus Dortmund, Duisburg, Ennepe-Ruhr-Kreis und Gelsenkirchen bei einem Krisengespräch in Essen gemeinsam Lösungen erarbeiten.

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Der Geschäftsführer des Essener Sportbundes, Wolfgang Rohrberg, kritisierte am Montag im WDR, dass mit den Sportlern eine große sehr Gruppe zurückgesetzt werde. Es gebe Vereine, deren Tätigkeit zum Erliegen komme. Dabei sei die Flüchtlingsunterbringung eine Problem für alle gesellschaftlichen Gruppen. Der Sport helfe auch bei ihrer Integration.

An einer Blitzumfrage des Städte- und Gemeindebundes NRW (StGB) unter seinen 359 Mitgliedern hatten sich in der vergangenen Woche nach Angaben des StGB 153 Städte und Gemeinden beteiligt. In 80 von diesen werden eine oder mehrere Turnhallen für die Unterbringung von Menschen genutzt. 63 dieser Kommunen gehen von einer Beeinträchtigung des Schulsports aus.

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