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Interaktive Karte für NRW
So viele Flüchtlinge sind in diesem Jahr in Ihre Stadt gekommen

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Von Detlev Hüwel und Kilian Tress

Die Kommunen in NRW haben in diesem Jahr so viele Flüchtlinge aufgenommen wie noch nie. Viele von ihnen sind nach Einschätzung von Bernd Jürgen Schneider (Städte- und Gemeindebund NRW) überfordert: "Bald wird das letzte Bett belegt sein." Insgesamt sind in diesem Jahr mehr als 160.000 Menschen nach NRW gekommen. Nicht alle bleiben hier, sondern werden nach ihrer Registrierung ein paar Tage später auf andere Bundesländer verteilt. Berechnungsgrundlage dafür ist der Königsteiner Schlüssel, der hauptsächlich auf dem Steueraufkommen der Bundesländer und zu einem Drittel auch auf der Bevölkerungszahl beruht. Demnach muss NRW rund 21 Prozent aller nach Deutschland gelangten Flüchtlinge aufnehmen.

Innerhalb von NRW gilt allerdings ein anderer Verteilschlüssel: Zu 90 Prozent ist die Einwohnerzahl einer Kommune maßgebend und zu zehn Prozent deren Fläche. Die landesweite Zuweisung der Flüchtlinge erfolgt durch die dafür zuständige Bezirksregierung Arnsberg. Laut Behördensprecher Christian Chmel-Menges wird bei der Neuzuweisung berücksichtigt, wie viele Flüchtlinge eine Kommune bereits aufgenommen hat und ob sich dort eine Landeseinrichtung befindet.

Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht

Zu den regulären Landesunterkünften gehören die fünf Erstaufnahme-Einrichtungen (EAE) wie etwa in Dortmund und Bielefeld. Hinzu kommen 21 Zentrale Unterbringungseinrichtungen (ZUE), wie sie auch in Duisburg, Neuss und Willich vorhanden sind. Da die Kapazitäten dieser Landeseinrichtungen aber für alle neuankommenden Flüchtlinge als Anlaufstelle nicht ausreichen, muss das Land auf Notunterkünfte in den Kommunen zurückgreifen. Inzwischen gibt es mehr als 200. Dabei handelt es sich oft um Großzelte, Turnhallen oder leerstehende öffentliche Gebäude.

Das Land übernimmt die Kosten für die Versorgung der Menschen in den EAE, ZUE und Notunterkünften. Eine Kommune mit einer Landeseinrichtung bekommt zudem die dort untergebrachten Flüchtlinge angerechnet, wenn ihr die Bezirksregierung Arnsberg weitere Menschen zuweist. Kerken etwa hat noch keine Flüchtlinge zugewiesen bekommen, weil die Stadt mit nur 12.650 Einwohnern Standort einer ZUE mit über 500 Plätzen ist.

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller

Die Zahl der Zuweisungen ist im September sprunghaft gestiegen, wie aus der neuesten Übersicht der Bezirksregierung Arnsberg hervorgeht. Der Stadt Kaarst (Kreis Neuss) sind allein im dritten Quartal (Juli bis September) 187 Flüchtlinge zugewiesen worden. In den beiden ersten Quartalen dieses Jahres waren es lediglich 86 Menschen. Insgesamt weist die Tabelle der Bezirksregierung für Kaarst 273 Zuweisungen in den ersten neun Monaten dieses Jahres aus. Auf der Suche nach Unterkünften hat die Stadtverwaltung soeben eine weitere Turnhalle mit Flüchtlingen belegt.

Aufgrund ihrer Einwohnerzahl haben die großen kreisfreien Städte die höchsten Zuweisungen; zudem sind sie meist Standort einer Landeseinrichtung mit mehreren Hundert Asylbewerbern. Dortmund etwa hat von Arnsberg 2826 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Hinzu kommen 350 Menschen in der Dortmunder EAE. In Duisburg sind es 2097 Flüchtlinge, für die die Stadt aufzukommen hat. Zudem befinden sich in der Duisburger ZUE rund 800 Asylsuchende und mehrere Hundert Menschen in den Notunterkünften des Landes. Für Düsseldorf nennt die Bezirksregierung Arnsberg 2822 "kommunale" Flüchtlinge. Dazu kommen über 2000 Menschen in Notunterkünften - insgesamt sind es 5021 (Köln: 4402). Krefeld bekam in den ersten neun Monaten 1090 Flüchtlinge zugewiesen (insgesamt 1310 Menschen). Mönchengladbach liegt mit 1211 Flüchtlingen knapp darunter. Welche Städte in NRW zurzeit die meisten Flüchtlinge untergebracht haben, sehen Sie hier. 

Rund 130 Flüchtlinge erreichen Düsseldorf mit Zügen FOTO: Kai Jürgens

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge ist eine Momentaufnahme für die ersten drei Quartale dieses Jahres. Wie viele Flüchtlinge sich außerdem vor Ort aufhalten, ist unklar. Wegen der "Altfälle" aus dem vergangenen Jahr könnten es deutlich mehr sein. Die Zahl derer, die ausreisepflichtig sind, aber untergetaucht sind, dürfte nicht unerheblich sein. 

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Quelle: RP
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