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Flughafen-Forum Düsseldorf
Zahl der Abschiebungen hat sich 2015 verdoppelt

Flughafen Düsseldorf: Zahl der Abschiebungen verdoppelte sich 2015
FOTO: dpa
Düsseldorf. Die Zahl der Abschiebungen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. In Düsseldorf haben sich die Rückführungen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Von Franziska Hein

Insgesamt wurden landesweit 4395 Menschen im Jahr 2015 abgeschoben. Das gab ein Vertreter des Landesinnenministeriums am Montag anlässlich einer Pressekonferenz in Düsseldorf bekannt. 2014 waren es noch 2929 Fälle gewesen. Nach Zahlen der Bundespolizei sind allein in den ersten drei Monaten 2016 schon 1324 Menschen in ihre Heimatländer beziehungsweise in andere EU-Staaten zurückgeführt worden. 

Von allen Flughäfen in Nordrhein-Westfalen finden Abschiebungen am häufigsten am Flughafen Düsseldorf statt. Hier hat sich die Zahl der Fälle gegenüber 2014 verdoppelt. Waren es 2014 noch 1844 Personen, die die Bundespolizei von Düsseldorf aus zurückführte, sind es 2015 bereits 3656 Personen gewesen. Die Zahlen werden gemäß der landesweiten Entwicklung 2016 weiter steigen, sagte der Leiter der Bundespolizeidirektion Udo Peltzer während der Pressekonferenz zum Jahresbericht des Flughafen-Forums Düsseldorf im Evangelischen Landeskirchenamt. Das gehe mit einem erhöhten Personalaufwand einher. Rund 1200 Beamte seien im vergangenen Jahr im Einsatz gewesen. Derzeit arbeite man noch mehr Bundespolizisten ein. 

Rund 50.000 Euro kostet ein Charterflug bei Sammelabschiebungen

Die meisten Betroffen werden vom Flughafen Düsseldorf auf den Westbalkan zurückgeschickt. Den größten Anteil haben Abschiebungen in den Kosovo (1342) und nach Serbien (610). Das sind zusammen mehr als die Hälfte der Fälle. 

Das "Forum Flughäfen in Nordrhein-Westfalen" gibt es seit dem Jahr 2000 auf Initiative der Evangelischen Kirche im Rheinland. Es gilt als Vorzeigemodell, was das Monitoring von Abschiebungen betriff. Beteiligt sind neben den Behörden wie Polizei und Ministerium auch Nicht-Regierungsorganisationen und die Evangelische Kirche im Rheinland. 

Erst am vergangenen Dienstag hatte Nordrhein-Westfalen 102 Menschen von Düsseldorf nach Albanien und in den Kosovo abgeschoben, weil ihr Antrag auf Asyl keinen Erfolg hatte. Vom Flughafen Düsseldorf startete eine Chartermaschine mit den Zielen Tirana und Pristina. An Bord waren 61 abgelehnte Asylbewerber aus Albanien und 41 Menschen aus dem Kosovo. 

50.000 Euro koste es, wenn das Land NRW einen Charterflug bestelle. Die Abschiebung am vergangenen Dienstag habe im Schnitt 500 Euro pro Person gekostet, berichtete Burkhard Schnieder vom Landesinnenministerium. 

Dalia Höhne arbeitet als Abschiebebeobachterin für die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Sie beobachtet seit 2012 stichprobenartig Rückführungen am Düsseldorfer Flughafen und am Flughafen Köln/Bonn. Bei 224 Maßnahmen waren sie dabei, darunter 185 Einzelabschiebungen und 39 Sammelabschiebungen wie die vergangene Woche in Düsseldorf. Sie habe in keinem der Fälle eine unverhältnismäßig grobe Behandlung festgestellt, sagte die 34-Jährige während der Vorstellung des Jahresberichts.

Streit um Handgeld erschwert Abschiebungen

Probleme gebe es immer wieder, wenn Reisedokumente fehlen oder Menschen mit gesundheitlichen Problemen abgeschoben werden. "Nach wie vor werden kranke, vor allem psychisch erkrankte und auch suizidgefährdete Personen abgeschoben", heißt es im Jahresbericht. Meistens hätten diese Menschen ihre Medikamente dabei, es habe auch Fälle gegeben, in denen dies nicht der Fall gewesen sei. Familientrennungen und die bundesweit ungleichen Regelungen, was das Handgeld angeht, sorgten ebenfalls regelmäßig für Unruhe.

Die Abschiebebeobachtung sei ein sehr wichtiges Instrument, sagte Polizeidirektor Udo Peltzer. "Weil wir Transparenz herstellen können durch eine neutrale Stelle." 

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