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Kriminologe zweifelt an Zahlen
"Die Polizei schönt die Einbruchs-Statistik"

So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern
So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern FOTO: dpa, Robert Schlesinger
Düsseldorf. Ein Kriminalexperte erhebt schwere Vorwürfe gegen die NRW-Polizei. Bei der Einbruchskriminalität würden die Zahlen geschönt, um eine bessere Aufklärungsquote zu bekommen, sagt der Polizeiwissenschaftler und Kriminologe Frank Kawelovski. Von Detlev Hüwel und Christian Schwerdtfeger

Dies sei allerdings keine Besonderheit nur in NRW, sondern "das Spiel ist überall das gleiche", sagte Kawelovski nach einer Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtags. Das bedeute im Umkehrschluss, dass "die Bürger in die Irre geführt" würden.

Laut Kawelovski gibt es bei der Berechnung der Aufklärungsquoten "große Kreativität" in den Polizeibehörden. So würden einem festgenommenen Einbrecher mitunter bis zu 30 weitere Taten aus dem regionalen und zeitlichen Umfeld zugerechnet und mithin auch diese Fälle als "aufgeklärt" deklariert. Diese Einschätzung bestätigte auch ein ranghoher Einbruchs-Ermittler unserer Redaktion. "Es ist so, dass wir einem Täter, den wir erwischt haben, mehrere Fälle zuordnen, obwohl wir nicht genau wissen, ob er sie begangen hat", sagte der Polizist. "Für uns gelten diese Fälle dann als aufgeklärt." Dieses Vorgehen sei nicht gesetzeswidrig, denn von Amts wegen hätten die Polizisten großen Ermessensspielraum.

Hoher Druck auf die Behörden

Als Grund für die "geschönten" Statistiken nannte Kawelovski den Druck, unter den manche Polizeibehörde mit niedrigen Quoten gerate. Auf die Frage, wer in NRW den Druck ausübe, sagte er: "Das kommt aus dem Ministerium."

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) entgegnete, er habe darüber "überhaupt keine Erkenntnisse". Wer immer meine, eine Polizeistatistik sei nicht in Ordnung, solle dies sagen, betonte Jäger. "Wir stehen für Offenheit und Transparenz."

Der NRW-Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus, forderte bundesweit einheitliche Standards für die Anfertigung der Statistiken. "Bislang ist es so, dass zum Beispiel manche Länder die Einbruchsversuche rausnehmen, während andere diese mit einberechnen. Darum sind die Statistiken kaum vergleichbar."

"Frei erfunden"

In seiner Stellungnahme für den Landtag hatte Kawelovski auf eine eigene Untersuchung in den Polizeibezirken Wesel, Mülheim/Ruhr und Oberhausen verwiesen. In einem Fall seien 30 Delikte als aufgeklärt in die Statistik aufgenommen worden, obwohl die Namen von Tatverdächtigen "frei erfunden" worden waren. Dies sei aber der einzige ihm bekannt gewordene Fall einer bewussten Statistikfälschung.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bedauerte die niedrige Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen. "Das liegt an Ermittlungs- und Beweisschwierigkeiten", sagte Volker Huß, GdP-Experte für Einbruchskriminalität. "Die Aufklärungsquote ist wie die Prävention hauptsächlich vom Personaleinsatz abhängig."

Quelle: RP
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