| 16.22 Uhr

Frau in Höxter eingesperrt und misshandelt
In der Anzeige stand: "Frau für eine feste Beziehung gesucht"

Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt
Paar hält Frau in Höxter gefangen - zu Tode misshandelt FOTO: dpa, mku gfh
Höxter. Ein Paar hat eine Frau über mehrere Wochen auf einem Bauernhof in Höxter im Kreis Detmold gefangen gehalten. Nach wiederholten Misshandlungen stirbt sie an ihren Verletzungen. Das Opfer hatte sich offenbar auf eine Zeitungsannonce gemeldet.

Ein blaues Polizeisiegel ist der einzige Hinweis auf das wochenlange Martyrium, das eine Frau wohl in dem unscheinbaren Haus in Ostwestfalen erlitten hat. Gegen ihren Willen sei sie in dem zu Höxter eingemeindeten Bauerndorf festgehalten worden, berichtet die Staatsanwaltschaft. Ihre Peiniger sollen sie körperlich misshandelt haben, bis die 41-Jährige nach knapp zwei Monaten an den Verletzungen starb. Womöglich kam das alles nur durch eine Autopanne ans Licht. Das geschiedene Ehepaar, das in dem Haus lebt, ist dringend tatverdächtig und sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft.

"Frau für eine feste Beziehung"

Anfang März war das Opfer - eine 41-Jährige aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim - nach Höxter gekommen. Durch eine Bekanntschaftsanzeige in einem Anzeigenblatt kam der Kontakt zustande. Aufgegeben hatte sie der 46-jährige Mann, der mit seiner Ex-Frau in dem grauen Haus lebt. "Eine Frau für eine feste Beziehung" habe er gesucht, berichtet die Polizei. Doch statt des erhofften Liebesglücks erwarteten die Frau Wochen voller Qualen.

Wie genau die Frau festgehalten wurde, ist unklar. Immer wieder sei die 41-Jährige mit ihren Peinigern auch draußen auf der Straße gesehen worden, teilen die Ermittler mit. Auch zum Einkaufen seien sie gemeinsam gefahren. Weshalb das Opfer nicht flüchtete, ist eine der vielen offenen Fragen.

Am 21. April ging es der Frau dann wegen der Schläge wohl so schlecht, dass das Paar sie zurück in ihre Wohnung nach Bad Gandersheim bringen wollte, sagt der Paderborner Oberstaatsanwalt Ralf Meyer.

Die Hilfe der Ärzte kam zu spät

Doch der Wagen des Paares blieb unterwegs mit einem Motorschaden liegen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur riefen die beiden zunächst ein Taxi. Während die drei noch warteten, verschlechterte sich der Zustand der 41-Jährigen immer weiter. Schließlich hätten sich die beiden Beschuldigten gezwungen gesehen, einen Rettungswagen zu rufen, teilen die Ermittler mit. Ein Notarzt brachte die Frau ins Krankenhaus nach Northeim.

Doch die Hilfe der Ärzte kam zu spät. Wenige Stunden später starb die Frau. Auf dem Totenschein vermerkte ein Arzt "ungeklärte Todesursache" - und damit begann der Fall. Denn eine Obduktion ergab, dass die 41-Jährige durch Schläge auf den Kopf starb. Die Staatsanwaltschaft in Göttingen informierte die Partnerbehörde in Paderborn, in deren Bereich die beiden Tatverdächtigen wohnen. Ihr Haus wurde am Mittwoch durchsucht, das Paar festgenommen. Der Vorwurf lautet Totschlag.

Paar wohnte dort seit fünf Jahren

In dem ländlichen Ortsteil von Höxter dicht an der Grenze zu Niedersachsen wird am Freitag das zweistöckige Haus mit Garage und Scheune von Kamerateams belagert. Nach Informationen des "Westfalen-Blatts" wohnte das Paar dort seit etwa fünf Jahren. Die Gardinen sind zugezogen, das Anwesen macht einen vernachlässigten Eindruck. Nachbarn sind nicht zu sehen. Die Polizei fährt Kontrolle durch die leeren Straßen.

Welche Motive die Tatverdächtigen hatten und ob sie sich schon zu den Vorwürfen geäußert haben, dazu sagt die Staatsanwaltschaft nichts.
"Bis jetzt gibt es keine Hinweise für ein Sexualdelikt", erklären die Ermittler lediglich. Vieles liegt noch im Dunkeln. Oberstaatsanwalt Meyer bittet ein ums andere Mal um Geduld. "Wir wollen die Ermittlungen in Ruhe fortführen."

(dpa)
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