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Frauen misshandelt und getötet
Mordanklage gegen Ehepaar aus Höxter

Frauen misshandelt und getötet: Mordanklage gegen Ehepaar aus Höxter
In diesem Haus in Höxter in Ostwestfalen soll das Ehepaar seine Taten begangen haben. FOTO: dpa, frg
Paderborn/Höxter. Wer spielte im Horror-Haus von Höxter welche Rolle? Die Mord-Anklage ist nun erhoben, Ende Oktober könnte der Prozess beginnen. Das Gericht muss vor allem klären, wer der Haupttäter war.

Kaum ein Kriminalfall der vergangenen Jahre hat so viel Entsetzen ausgelöst: Im Horror-Haus von Höxter-Bosseborn sollen zwei Menschen über einen langen Zeitraum Frauen gequält und zwei von ihnen getötet haben. Die Frauen wurden angekettet, vergiftet, mit gefährlichen Werkzeugen gequält und stundenlang der Kälte ausgesetzt.

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. müssen sich voraussichtlich ab Ende Oktober vor dem Landgericht Paderborn wegen Mordes durch Unterlassen verantworten. Der "Spiegel" hatte schon vorher über die geplante Mordanklage berichtet.

Nicht nur für die Nachbarn in Höxter taten sich Abgründe auf bei der Vorstellung, was in dem Haus in Höxter passiert ist. Eine Leiche soll nach Angaben der Angeklagten Angelika W. eingefroren und später zersägt worden sein. Um den Krach zu vertuschen, ließen sie dabei laut Musik laufen. Die Leichenteile verbrannten sie in einem Ofen, die Asche landete am Straßenrand.

Die Ermittler gehen nun nicht mehr - wie beim Haftbefehl - von Totschlag aus. Denn sie sehen gleich drei Mordmerkmale erfüllt: Die Angeklagten seien aus niedrigen Beweggründen, grausam und um andere Straftaten zu verdecken vorgegangen.

Anklage auch wegen versuchtem Mord und Körperverletzung in mehreren Fällen

Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft der Angeklagten Angelika W. versuchten Mord und Körperverletzung in fünf Fällen vor. Wilfried W. muss sich außerdem wegen Körperverletzung in 30 Fällen verantworten. Wie viele Frauen laut Anklage Opfer der Misshandlungen wurden, sagte der Gerichtssprecher am Mittwoch nicht. Nach früheren Angaben der Ermittlungsbehörden kam es bei mindestens acht Frauen zu Treffen auf dem Gehöft in Ostwestfalen. Dabei bauten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. im ersten Schritt zu ihren Opfern ein Vertrauensverhältnis auf. Erst bei weiteren Treffen kam es dann zu den Misshandlungen. Einigen Frauen gelang die Flucht. Eine Frau aus dem Großraum Berlin meldete sich, nachdem das Paar aus Höxter aufgeflogen war. Jahrelang hatte sie aus Angst vor angedrohter Gewalt geschwiegen.

Die 51-Jährige war nach eigenen Aussagen rund drei Monate - von Ende 2011 bis März 2012 - in dem früheren Bauernhaus festgehalten und körperlich misshandelt worden. Sie habe, so ihre Aussage, keine Möglichkeit zur Flucht gehabt. Nach einer "erheblichen körperlichen Auseinandersetzung" war die Frau den Ermittlungen zufolge von den beiden Beschuldigten in einen Zug nach Hause gesetzt worden.

Knapp ein halbes Jahr, nachdem das Paar Ende April 2016 aufflog, übernimmt jetzt das Landgericht Paderborn. Voraussichtlich Ende Oktober will Bernd Emminghaus als Vorsitzender Richter den Prozess eröffnen. Den Angeklagten droht mit der Mordanklage eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Bernd Emminghaus am Richtertisch gilt dabei als ruhiger und besonnener Jurist. Wilfried W. wird von dem Bielefelder Anwalt Detlev Binder vertreten. Dessen Taktik war von Anfang an: Abwarten. Während Angelika W. bereits kurz nach der Festnahme umfassend aussagte und dies als Befreiung nach einem jahrelangen Martyrium beschrieb, hat sich ihr Ex-Mann bislang gegenüber den Ermittlern nicht geäußert.

Im Prozess soll sich das ändern. Wenn das Gericht die Anklage annimmt, wird voraussichtlich am 26. Oktober zum ersten Mal verhandelt. Gegenüber mehreren Medien hatte Binder im vergangenen halben Jahr mehrmals geäußert, dass sein Mandant nicht der Haupttäter sei. Ganz im Gegenteil, Wilfried W. sei Zeuge gewesen, habe nicht selbst misshandelt. Hauptaufgabe des Gerichts wird es sein, zu klären, wer welche Rolle bei dem Duo gespielt hat.

(lai/dpa)
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