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Illegales Autorennen in Hagen
Zwei Kinder schwer verletzt - Sechsjähriger in Lebensgefahr

Fünf Schwerverletzte bei illegalem Autorennen in Hagen
Fünf Schwerverletzte bei illegalem Autorennen in Hagen FOTO: dpa, kno
Hagen. Bei einem illegalen Autorennen in Hagen sind fünf Menschen schwer verletzt worden, darunter zwei Kinder. Ein sechsjähriger Junge schwebt am Freitagabend noch in Lebensgefahr. Einer der Verursacher war zunächst geflüchtet. 

Das Kind sei nach dem Frontalzusammenstoß am Donnerstagabend mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht worden, teilte die Polizei mit. Zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer hätten sich am Donnerstagabend in der Nähe der Fernuni Hagen in NRW ein Rennen geliefert. Als eine 76 Jahre alten Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr.

Er kollidierte frontal mit dem Wagen einer 37 Jahre alten Mutter, die mit ihrer elfjährigen Tochter und ihrem sechsjährigen Sohn unterwegs war. Alle erlitten schwere Verletzungen. Das Auto der Frau wurde durch die Wucht des Aufpralls gegen einen neben ihr fahrenden Wagen eines 30-Jährigen geschoben. Dieser rammte daraufhin eine Verkehrsinsel, stürzte mit seinem Wagen um und wurde ebenfalls schwer verletzt.

Der zweite am Autorennen beteiligte Fahrer (33) flüchtete unverletzt von der Unfallstelle, stellte sich aber Stunden später im Beisein eines Anwalts der Polizei. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass sich die beiden Fahrer zufällig an einer Ampel begegneten und sich dann spontan ein Rennen lieferten.

Im Prozess um den Tod einer 19-jährigen Radfahrerin waren in Köln Mitte April zwei junge Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nach Auffassung des Landgerichts hatten die Angeklagten sich spontan über eine Strecke von mehreren Kilometern ein Kräftemessen geliefert. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, die beiden Autos seien mit hohem Tempo und quietschenden Reifen unterwegs gewesen. In Berlin kam im Februar ein unbeteiligter 69-Jähriger bei einem illegalen Autorennen ums Leben.

Hunderte Anzeigen wegen illegaler Autorennen

Autofahrer liefern sich in NRW immer wieder illegale und gefährliche Rennen auf der Straße. Wie viele es gibt, ist für die Behörden schwer zu beziffern. Nach Angaben des Landesamts für Polizeiliche Dienste wurden 2015 aber rund 230 Anzeigen wegen illegaler Autorennen bearbeitet.

Die Rennen beschränken sich der Behörde zufolge nicht auf Großstädte, sondern finden auch in ländlichen Kreisen statt. Neben der hohen Geschwindigkeit sei auch die fehlende Fahrerfahrung der häufig jungen Teilnehmer eine Ursache für schwere Unfälle.

Für Aufsehen gesorgt hatten im vergangenen Jahr mehrere tödliche Unfälle in Köln. Im April waren zwei junge Männer durch die Stadt gerast, als einer von ihnen die Kontrolle über sein Auto verlor. Der Wagen rammte eine Radfahrerin - die 19-Jährige starb. Das Kölner Landgericht verurteilte die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer im vergangenen Monat zu Bewährungsstrafen. Im Fall des 23-Jährigen, dessen Auto gegen die Radfahrerin geschleudert war, hat die Staatsanwaltschaft Revision beantragt.

Kurz vor diesem tödlichen Unfall war der Fahrgast eines Taxis in Köln ums Leben gekommen. Das Taxi war mit einem Auto zusammengestoßen, das an einem Rennen beteiligt war. Die beiden Raser wurden zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt.

Zurzeit steht in Köln erneut ein junger Raser vor Gericht, der bei einem Unfall einen Radfahrer erfasst und getötet haben soll. Die Polizei war zunächst auch hier von einem Rennen ausgegangen, das Verfahren gegen einen mutmaßlichen zweiten Beteiligten war jedoch eingestellt worden.

Solche Rennen zu verhindern, ist für die Polizei nicht leicht. Als Gegenmaßnahmen wurden in einigen Städten aber Blitzer an typischen Rennstrecken aufgestellt.

 

 

(felt/lnw)