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Verkehrsunfall
Gaffer bedrohen Polizisten in Dortmund

Dortmund. Schaulustige haben bei einem Verkehrsunfall in Dortmund mehrere Polizisten im Einsatz behindert. Einer drohte den Beamten sogar, die deshalb Verstärkung anforderten. Die Polizei in Dortmund beobachtet, dass Fälle wie dieser zunehmen.  Von Franziska Hein

Wieder haben Gaffer die Rettungsarbeiten nach einem Autounfall erschwert. Der Unfall ereigente sich bereits am Freitagabend, teilte ein Sprecher der Polizei Dortmund mit. Aber den Vorfall veröffentlichte die Polizei erst am Montag. 

An einer starkbefahrenen Straßenkreuzung in der Dortmunder Nordstadt, nahe des Hauptbahnhofs, waren zwei Fahrerinnen gegen 19 Uhr mit ihren Autos zusammengestoßen. Der Pegeot einer 45-jährigen Dortmunderin überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Die 20-jährige Fahrerin eines Mazda war laut Zeugenaussagen mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Beide Fahrerinnen verletzten sich nur leicht. "Der Unfall muss aber spektakulär ausgesehen haben", sagte der Sprecher der Polizei unserer Redaktion. Er ereignete sich an der Kreuzung Steinstraße/Leopoldstraße. In der Nähe liegen der Dortmunder Hauptbahnhof, ein großes Kino, die Münsterstraße mit vielen Restaurants und ein Rotlicht-Viertel. 

In der Folge versammlten sich mehrere hundert Schaulustige  in der Nähe der Unfallstelle und versuchten laut Polizei, immer wieder an den Absperrungen vorbei zu kommen, um Fotos und Videos mit ihren Mobiltelefonen zu machen. Hierbei entwickelten sich immer wieder gefährliche Situationen, da einzelne abbiegenden Fahrzeugführer ebenfalls die Rettungsarbeiten "begaffen" wollten und dabei nicht auf den Straßenverkehr achteten. 

Wiederholt ausgesprochene Platzverweise wurden nicht nur ignoriert, sondern einzelne Gaffer versuchten die Beamten mit Drohungen einzuschüchtern. Einer der Gaffer soll laut Polizei gesagt haben: "Ich weiß ja wo du arbeitest. Gleich ohne deine Waffe und deine Kollegen sehen wir uns wieder, dann passiert was." Ein 19-jähriger aus Dortmund konnte als Tatverdächtiger identifiziert werden. Die Beamten nahmen seine Personalien auf. Gegen ihn wurde eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Bedrohung und des Widerstandes erstattet.

Die Polizisten forderten Verstärkung an, weil die Schaulustigen die Aufnahme des Unfalls behinderten. Zum Einsatz kam auch ein Hundeführer. Der Hund, der einen Beißkorb trug, sollte den Beamten helfen, die Schaulustigen abzuhalten, erklärte der Polizeisprecher. Einige wenige Unbelehrbare provozierten weiterhin auch den Diensthund, der Diensthundeführer musste bis zum Abschluss der Rettungs,- und Bergungsmaßnahmen im Einsatz bleiben. 

Warum Schaulustige so aggressiv und übergriffig gegen Polizeibeamte werden, kann sich der Polizeisprecher auch nicht erklären. Die Dortmunder Polizei registriert seit einiger Zeit, dass der Respekt gegenüber den Rettungskräften schwindet. Zunehmend sei das auch bei Verkehrsunfällen in der Innenstadt der Fall und nicht nur auf der Autobahn. "Diese Menschen überlegen sich gar nicht, wie sie es finden würden, wenn sie im eigenen Blut auf der Straße liegen und auf Hilfe warten", sagte der Sprecher. "Wenn man in einer Notsituation ist, Schmerzen hat und jede Sekunde ellenlang erscheint, möchte man nicht, dass Menschen Videos von einem machen anstatt zu helfen." 

Der Dortmunder Fall ist kein Einzelfall. Erst im April sorgte ein Facebook-Posting eines erbosten Polizeikommissars im Netz für Aufsehen, der das Verhalten von Gaffern bei einem Unfall mit einem zehnjährigen Mädchen verurteilte. Das Phänomen nimmt zu, das beobachten Polizei und Rettungskräfte landesweit. Und auch in Dortmund ließ der nächste Fall nicht lange auf sich warten. Nur zwei Stunden nach dem Unfall kam es erneut zu einem Vorfall mit Gaffern. 

(heif)
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