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Germanwings-Unglück
Haltern trauert in Gottesdienst um Absturz-Opfer

Haltern am See: Gedenkgottesdienst für Absturz-Opfer
Haltern am See: Gedenkgottesdienst für Absturz-Opfer FOTO: dpa, mb cul
Haltern am See. Zu einem öffentlichen Gedenkgottesdienst für die Opfer der Flugzeug-Katastrophe sind am Mittwoch zahlreiche Trauernde in Haltern zusammengekommen. Unter den Opfern waren 16 Schüler und zwei Lehrerinnen. Das Ermittlerteam der Soko "Alpen" aus Düsseldorf traf derweil in Frankreich ein.  Von D. Richters, W. Kannegießer und C. Schwerdtfeger

Hunderte Menschen kamen in der westfälischen Stadt Haltern am See zu einem öffentlichen Gottesdienst zusammen, um den Tod von 16 Schülern und zwei Lehrerinnen des örtlichen Gymnasiums zu betrauern. Bürgermeister Bodo Klimpel sowie die Pfarrer der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden hatten zu dem ökumenischen Gottesdienst in der St.-Sixtus-Kirche eingeladen. Draußen vor der Kirche zündeten Trauernde Kerzen an, legten Blumen nieder und fielen sich in die Arme.

Bereits am vergangenen Freitag waren Bundespräsident Joachim Gauck und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu einem nicht öffentlichen Gedenkgottesdienst nach Haltern am See gekommen.

Bilder: Haltern trauert um 16 Schüler FOTO: afp, bb

Den ermittelnden Behörden liegt offenbar kein Video vor, das die letzten Sekunden vor dem Absturz von Flug 4U 9525 zeigt. Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin erklärte, dass ein solcher Film bislang nicht Gegenstand der Untersuchungen sei. Für den Fall, dass jemand über ein solches Video verfüge, solle dies unverzüglich an die Ermittler übergeben werden, forderte Robin. Der Staatsanwalt bestätigte nur, dass eine Reihe von Handys gefunden worden seien, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand.

Die "Bild" und das französische Magazin "Paris Match" hatten zuvor berichtet, dass sie ein während des Absturzes gedrehtes Handyvideo gesehen hätten, und erklärt, dass die Echtheit des Videos unzweifelhaft sei. Ein Ermittler hätte ihnen den Einblick gewährt.

Sylvia Löhrmann: NRW-Schulministerin besucht Haltern am See FOTO: dpa, ve fux

Eine Woche nach dem Flugzeugabsturz in den französischen Alpen mit 150 Todesopfern dauern die Ermittlungen zur Unglücksursache weiter an. Das Auswärtige Amt korrigierte die Zahl der deutschen Todesopfer von 75 auf 72 herunter. Der Grund für die späte Berichtigung sei, dass es ursprünglich Unklarheiten bei den Passagieren mit doppelter Staatsangehörigkeit gegeben habe.

Die Maschine war auf dem Weg nach Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft geht bisher davon aus, dass der Copilot, Andreas L., das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht hat. Es wird vermutet, dass er psychische Probleme gehabt haben könnte. Aus dem familiären Umfeld von Andreas L. gibt es nach bisherigen Zeugenaussagen keine Hinweise, dass der Copilot sich mit dem Gedanken trug, seinem Leben ein Ende zu setzen. Das sagte der ermittelnde Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa. Bestätigt haben die Ermittler jedoch, dass L. vor mehreren Jahren – noch bevor er den Pilotenschein erhielt – über einen längeren Zeitraum "mit vermerkter Suizidalität in psychotherapeutischer Behandlung" gewesen sei.

NRW trauert -Schweigeminute um 10.53 Uhr FOTO: dpa, mb htf

Der damalige Flugschüler hatte auch seine Ausbilder über eine "abgeklungene, schwere depressive Episode" informiert, wie die Lufthansa bestätigte. Gerichtsgutachter der Psychiatrie und Psychologie, die in Düsseldorfer Prozessen täglich die Beweggründe von Angeklagten in Strafverfahren untersuchen und bewerten, halten nach bisherigen Erkenntnissen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung des Copiloten für eine plausible Hypothese. Allen Experten ist bewusst, dass für eine profunde Bewertung der Abläufe und der medizinischen Vorgeschichte des Copiloten viel zu wenig über ärztliche Diagnosen bei dem 27-Jährigen und Medikamente bekannt ist. In Düsseldorfer Expertenkreisen kursiert allerdings der Begriff vom bewusst inszenierten Sensations-Selbstmord. Dass in den Wohnungen des Copiloten in Montabaur und Düsseldorf bisher kein Abschiedsbrief gefunden wurde, also eine womöglich demonstrativ herbeigeführte Flugzeug-Katastrophe ohne schriftliches Bekenntnis geblieben wäre, ist in den Augen der Gerichtsgutachter kein Widerspruch: "Für solche Menschen ist die Tat ja das Großartige, das man hinterlässt", so eine Psychologin.

Die Lufthansa will den Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes solange helfen, wie es nötig ist. Das kündigte Unternehmenschef Carsten Spohr bei einem erneuten Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann an der Unglücksstelle in den französischen Alpen an. Zu den neuen Details über die Erkrankung des Copiloten äußerte sich Spohr nicht. Auch Mitglieder der Sonderkommission "Alpen" der Düsseldorfer Polizei sind zur Absturzstelle in die französischen Alpen gereist, um sich mit den Kollegen vor Ort auszutauschen.

Quelle: RP
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