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Großrazzia in NRW gegen Rocker
"Viele haben nicht mal mehr ein Motorrad"

Razzia gegen Rocker in NRW
Razzia gegen Rocker in NRW FOTO: Oliver Wiegand
Düsseldorf. Das Innenministerium hat die Erkrather "Hells Angels MC Concrete" verboten. Es müsste aber noch viel mehr Vereinsverbote geben, sagt Sebastian Fiedler vom Bund deutscher Kriminalbeamter. Er warnt vor zunehmenden Straftaten im Milieu.  Von Tanja Karrasch

Es gab heute eine Großrazzia in 16 nordrhein-westfälischen Städten, in einigen Großstädten, aber vor allem auch in kleineren Städten und Gemeinden. Zum Beispiel in Goch, Wülfrath, Heiligenhaus und Rösrath. Gibt es auf dem Land besonders viele Rocker?

Fiedler Nein, Rocker gibt es überall. Es gibt keine Indizien dafür, dass jemand, der in der Großstadt aufwächst, eher Rocker wird als jemand, der auf dem flachen Land aufwächst oder andersherum. Was wir allerdings nicht nur aus NRW kennen, ist , dass die Vereinsheime hin und wieder auch schon mal weit auf dem Land liegen. Die legen Wert drauf, dass sie sich möglichst gut schützen können, vor Ermittlern und konkurrierenden Gangs. Das geht in ruhigen, abgelegenen Gegenden natürlich ganz gut. 

Wie gefährlich sind die Rocker in NRW? 

Fiedler Es gibt seit vielen Jahren einen Anstieg bei den Straftaten durch Rocker, aber die Gruppen haben insgesamt auch immer mehr Mitglieder. Die Szene hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert, sie ist heterogener geworden. Es sind ethnische Gruppierungen hinzugekommen, viele haben nicht mal mehr ein Motorrad. Und die kriminelle Energie bei den Gruppen untereinander ist hoch: Es gibt eine beunruhigende Anzahl ungeklärter Mordfälle. Wir haben es da mit Gangkriminalität zu tun, also wenn Sie so wollen mit  uniformierter Organisierter Kriminalität, und das bereitet uns große Sorge. Das ist ein dauerhaftes Phänomen, das wir seit vielen Jahren nicht in den Griff kriegen.

Warum nicht?

Fiedler Weil wir nicht genügend Personal haben, um den Rockern Tag und Nacht auf den Füßen zu stehen. Es ist gut, dass Innenminister Reul das Verbot jetzt durchgesetzt hat. Auch sein Vorgänger Ralf Jäger hatte schon den Schwerpunkt Rocker intensiv im Blick. Aber so einem Vereinsverbot wie in Erkrath gehen umfangreiche Ermittlungen voraus, es könnten vermutlich noch viel mehr verboten werden, wenn wir die Ermittlungskapazitäten dafür hätten. Wenn wir uns aber entscheiden müssen, ob wir uns entweder um islamistische Gefährder oder um Rocker kümmern, fällt die Entscheidung richtigerweise natürlich immer auf die Gefährder. 

Haben sich auch die Delikte verändert? 

Fiedler Das würde ich nicht sagen. Da geht es immer noch um Zwangsprostitution, um Waffenhandel, Schutzgelderpressung und Drogenhandel - die "Klassiker" also. 

Mit dem Erkrather "Hells Angels"-Club wurde auch der "Clan 81 Germany" verboten. Was ist das?

Fiedler Das ist ein sogenannter Unterstützer-Club. 81 steht dabei für die Buchstaben H und A, also "Hells Angels". Die verbrüdern sich also mit den Hells Angels, da gibt es ein Loyalitätsbekenntnis. Sie stehen denen bei allen Angelegenheiten zur Seite und dürfen Kutten mit den 81-Symbolen tragen.  

Warum gehören sie dann nicht zu den "richtigen" Hells Angels? 

Fiedler Man wird nicht so einfach "Hells Angel". Das ist ein jahrelanges Prozedere, bis man zum "Member" ernannt wird. In den Clubs gibt es sehr strenge Hierarchien. Vom Präsidenten angefangen, zu einem, der die Waffen verwaltet, einem, der die Fahrten organisiert. Wenn man da rein will, muss man sich hocharbeiten. Die Toiletten putzen, das Vereinsheim sauber halten, für Fahrten nachts um zwei Uhr zur Verfügung stehen, dann geht es stufenweise nach oben. 

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