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Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet
Tatverdächtiger sieht sich laut Anwalt "eher als Opfer"

Gruppen-Vergewaltigungen im Ruhrgebiet: Tatverdächtiger sieht sich eher als Opfer
In dieser Wache in Gelsenkirchen stellte sich der junge Mann. FOTO: ANC-NEWS
Essen/Gelsenkirchen. Er soll an mehreren Vergewaltigungen beteiligt gewesen sein - nun muss ein 18-Jähriger vor den Haftrichter. Der mutmaßliche Sexualstraftäter hatte sich am Donnerstagabend der Polizei gestellt. Seinem Anwalt sagte er, "eher Opfer als Täter zu sein". Von Claudia Hauser und Saskia Nothofer

Der 18-Jährige ist den Angaben zufolge dringend verdächtig, mit vier weiteren jungen Männern an mehreren Sexualstraftaten beteiligt gewesen zu sein. Die Gruppe soll in Gelsenkirchen und Essen Sexualstraftaten begangen haben. Die Ermittler gehen von mindestens sechs Fällen in den vergangenen Monaten aus, in denen jugendliche Mädchen Opfer geworden waren.

Nach dem 18-Jährigen war mit einem Foto gefahndet worden. Er sei am Donnerstagabend in einer Polizeiwache erschienen, sagte ein Polizeisprecher. Sein Rechtsanwalt Hans Reinhardt habe den jungen Mann begleitet. "Er hat am Nachmittag Kontakt zu mir aufgenommen und ich habe ihm geraten, sich zu stellen", sagte Reinhardt unserer Redaktion. Zu den Vorwürfen habe sein Mandant sich noch nicht geäußert. "Er sagt, eher Opfer als Täter zu sein." Was genau passiert sei, müsse nun mit aller Sorgfalt geklärt werden. 

Der junge Mann soll am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden. Ein ehemaliger Freund des 18-Jährigen hatte unserer Redaktion am Donnerstag gesagt: "Ich war geschockt, als ich sein Bild in den Medien gesehen habe. Ich kann mir das nicht vorstellen." Drei Verdächtige im Alter von 19 bis 23 Jahren sind bereits in Untersuchungshaft. 

Dimension des Falls wurde erst nach und nach klar

Bei den umfangreichen Ermittlungen wurden unter anderem Handy-Chats ausgewertet. Den Ermittlern sind bislang allerdings erst drei der Opfer namentlich bekannt. Die jeweils 16-jährigen Mädchen hatten selbst Anzeige erstattet. Die Polizei Essen ruft weitere Opfer dringend dazu auf, sich bei den Beamten zu melden. Bislang sind keine weiteren Opfer bekannt geworden.

Pressekonferenz der Ermittler (v.l.): Milva Schonhauer, Kriminaloberkommisarin, Ulrich Schmitz, Kriminalhauptkomissar und Oberstaatsanwältin Anette Milk. FOTO: dpa, cas lof

Als die Polizei am 17. Januar den ersten Verdächtigen festnahm, wurde erst nach und nach klar, welche Dimension der Fall hat. Einen Abend vorher soll der 19-Jährige aus Gelsenkirchen mit seinen Kumpels eine 16-Jährige in Essen vergewaltigt haben, das Mädchen ging am nächsten Morgen zur Polizei. "Der 19-Jährige wurde gleich am nächsten Tag dem Haftrichter vorgeführt, währenddessen haben wir sein Handy ausgewertet und seine Wohnung durchsucht", sagte eine Polizeisprecherin.

Über die Chatprotokolle kamen die Ermittler auf die Spur der weiteren Tatverdächtigen. Diese sollen am Tag der Festnahme ihres Kumpels eine weitere Tat begangen haben – das geht aus weiteren Chats hervor, die später gesichert werden konnten. "Wir wissen noch nicht, ob es diese Tat gegeben hat oder ob sie nur geplant war", sagte eine Polizeisprecherin. Ein Opfer hat sich bisher nicht gemeldet.

Der junge Mann, der sich nun am Donnerstag stellte, soll die Mädchen zunächst angelockt haben. Weitere Männer sollen dazugekommen sein. Nach den bisherigen Ermittlungen fuhren sie mit dem Auto durch die Gegend, nahmen dem Mädchen das Handy ab und zwangen es zum Sex. Dann brachten sie ihr Opfer nach Hause. "Soweit wir wissen, stammen alle Opfer aus dem Bekanntenkreis der Täter", sagte ein Sprecher der Essener Polizei.

Staatsanwaltschaft und Polizei informierten die Öffentlichkeit erst am vergangenen Mittwoch über die mutmaßlichen Gruppenvergewaltigungen. Allerdings wurde auch erst nach einer zweiten Tat für die Ermittler deutlich, dass es einen Zusammenhang zum ersten angezeigten Fall geben könnte, weil sich die Vorgehensweise der Täter ähnelte.

"Es mangelt solchen Tätern an jeglichem Einfühlungsvermögen"

Laut Ursula Enders, Leiterin und Gründerin des Kölner Vereins Zartbitter, der sich um Opfer sexueller Gewalt kümmert, ist die Tat der Männer nicht zu erklären. "Es handelt sich um völlig empathieloses Verhalten, es mangelt solchen Tätern an jeglichem Einfühlungsvermögen", so die Diplompädagogin. Wie bei jedem sexuellen Übergriff gehe es vermutlich auch bei den Taten in Essen und Gelsenkirchen um Machtdelikte. Durch Gruppenvergewaltigungen bestätigten sich jugendliche Täter gegenseitig in dem Gefühl der Überlegenheit. "Das Ganze wird dann als Scherz vor sich selbst und anderen bagatellisiert." Die Beschuldigten sollen ihre Opfer nach den Taten in den Chats verhöhnt haben. 

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Quelle: RP
 
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