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Gruppenvergewaltigungen in NRW
"Mein Mandant denkt, im Knast ist es im Moment besser für ihn"

Gruppenvergewaltigungen in NRW: 18-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft
Die Polizeiwache in Gelsenkrichen, in der sich der Gesuchte stellte. FOTO: ANC-NEWS
Düsseldorf/Essen. Er soll mit vier anderen jungen Männern mehrere Mädchen im Ruhrgebiet vergewaltigt haben: Seit Freitag ist der 18-Jährige, nach dem öffentlich mit Foto gefahndet wurde, in Untersuchungshaft.

Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Essen unserer Redaktion. Dem 18-Jährigen wird gemeinschaftliche Vergewaltigung in mehreren Fällen vorgeworfen, wie sein Verteidiger sagt. Zuvor war in einer groß angelegten Fahndung nach dem mutmaßlichen Sexualstraftäter gesucht worden. Am Donnerstagabend hatte er sich schließlich im Beisein seines Anwalts der Polizei gestellt.

Hans Reinhardt ist es, der die Verteidigung des 18-Jährigen übernommen hat. Der Rechtsanwalt sagt: "Er wirkt innerlich sehr aufgewühlt, ist angespannt und fragt sich, was jetzt auf ihn zukommt – aber er ist erleichtert, dass er sich gestellt hat." Mutmaßliche Sexualstraftäter stünden im Gefängnis auf der untersten Stufe, sein Mandant hoffe, erst einmal eine Einzelzelle zu bekommen.

Gibt es noch mehr Opfer?

Der 18-Jährige wurde am Freitag in eine Jugendstrafanstalt gebracht. Am Donnerstagabend hatte Reinhardt gesagt, sein Mandant sehe sich eher als Opfer, nicht als Täter. Weiter ausführen möchte er das nicht: "Er sagte mir, dass er das zur Zeit nicht erklären kann und nicht erklären will."

Man müsse abwarten, was die Ermittlungen ergeben. Noch ist nicht klar, ob es mehr Opfer gibt, gemeldet haben sich bisher drei 16 Jahre alte Mädchen.

Drei Verdächtige im Alter von 19 bis 23 Jahren sind bereits seit Januar in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen ihnen gemeinschaftliche Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vor. Gegen einen 16-Jährigen, dessen Name und Aufenthaltsort der Polizei bekannt sind, werde ebenfalls ermittelt, aus Altersgründen liege aber kein Haftbefehl vor, wie die Ermittler zuvor bereits mitgeteilt hatten. Alle Beschuldigten sollen zur Gruppe der Sinti gehören.

Rechtsanwalt Hans Reinhardt will die Akten nun lesen und "alles sorgfältig prüfen". Zu den Vorwürfen habe der 18-Jährige sich auch ihm gegenüber bislang nur vage geäußert.

Der Anwalt kritisierte die breite Öffentlichkeitsfahndung. "Ich denke, durch eine intensivere Fahndung wäre die Verbreitung des Fotos vermieden worden", sagt er. Er stellte am Freitag einen Antrag, dass der richterliche Beschluss zur Öffentlichkeitsfahndung aufgehoben wird. "Den Behörden ist nun untersagt, dass Foto weiter zu verwenden." Man dürfe nicht vergessen: "Noch gilt die Unschuldsvermutung – sein Gesicht kennt jetzt aber jeder, das ist wie eine lebenslange Tätowierung." An den Stammtischen sei das Urteil deshalb schon gesprochen worden.

Auf der Facebook-Seite des 18-Jährigen war am Donnerstag wild kommentiert worden:  "Stell dich, bevor wir dich vor der Polizei finden!" stand da. Oder: "Warte ab, was die im Knast mit dir machen!"

Reinhardt sagt: "Mein Mandant denkt, dass es im Knast im Moment immer noch besser ist als draußen, wo ihn jetzt jeder kennt."

Da die Ermittler davon ausgehen, dass es noch weitere Opfer geben könnte, werden Zeugen gebeten, sich zu melden. 

(heif/hsr)