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Schauriges NRW
Der totale Horror

Gruseln in NRW
Gruseln in NRW FOTO: Mission 60 Minutes
Wie gruselig ist NRW? Unser Reporter hat ein Irrenhaus, einen Alptraum und eine Geisterstunde über sich ergehen lassen. Die folgenden Aufzeichnungen wurden später gefunden. Von Sebastian Dalkowski

Neulich erschreckte ich mich zu Tode. Ich lief ich an einem Haus vorbei, als bloß jemand die Rollläden hochzog. Das Haus stand nicht einsam am Waldesrand, sondern mitten in der Stadt. Die Sonne war bereits aufgegangen.

Ich also, gerade ich soll Horrorattraktionen in NRW testen. Drei an der Zahl. Auftrag vom Chef. Kannst du nicht ablehnen. Schon gar nicht mit dem Hinweis: Ich könnte mich wirklich zu Tode erschrecken. Andererseits: Ich fürchte mich ohnehin gerne, schaue Gruselfilme nie ungekürzt, bewerte Folgen der Drei Fragezeichen danach, ob ich es im Anschluss noch wage, ins dunkle Zimmer zu schauen. Es wäre langweilig, sich für Horror zu interessieren, ohne sich vorm Horror zu fürchten.

Dr. Schneider – Geh du zuerst

Die Frau hat uns noch ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben, aber hängengeblieben ist vor allem: "Es wird jemand kommen, aber er fasst euch nicht an und ihr fasst ihn nicht an."

So stehen wir also in einer Art Kinderzimmer mit schummrigem Licht, meine Freundin, ihre Schwester und ich, in einem Hinterhaus im Düsseldorfer Norden. Unsere Mission heißt: In 60 Minuten wieder raus zu sein. Escape Games heißen solche Spiele und dieses heißt außerdem "Dr. Schneider". In einem Videofilm haben wir soeben noch die Patientin des Psychiaters Dr. Schneider gesehen. Dr. Schneider war nicht aufzufinden, so ganz habe ich es nicht verstanden. Nun müssen wir in den nächsten Raum kommen, nur mit der Kraft unseres Verstandes. Denn eine Regel lautet auch: Keine Schlösser knacken. Und eine andere: Keine Schränke verrücken. Nur wenn wir gar nicht mehr weiterwissen, wird uns die Spielleiterin übers Walkie-Talkie einen Tipp zuflüstern. Ich möchte sie schon nach zwei Minuten fragen, ob die Tür bloß klemmt. Kein Schloss, kein Zahlencode. Soll ich die Türe aufbeten? Sie wird uns in den nächsten 60 Minuten sehr oft helfen.

Ich möchte nicht allzu sehr spoilern, aber schon in diesem Raum zeigt sich, dass wir alle nicht die schnellsten im Kopf sind. Wie soll man sich auch konzentrieren bei diesen Geräuschen? Überall Stimmen. Der nächste Raum ist ein Kellerflur, meine Freundin beschließt zu gehen. Der Magen hat ihr schon vorher Probleme gemacht. Übers Funkgerät verkündet sie der Spielleiterin ihren Abschied, aber nicht, ohne hinzuzufügen: "Wegen Magenproblemen."

Die Schwester und ich bekommen nun richtig Spaß. Im Sinne von: richtig Angst. Als ich durch ein Loch in der Wand nach einem Schlüssel suchen muss, greift eine Hand nach mir. Äh, könnten wir bitte doch das Spiel ohne Schauspieler nehmen?

Im dritten Raum ein Spind, eine Badewanne mit Stofffetzen, ein Schreibtisch mit Unterlagen und eine Tür, die uns vom nächsten Raum abhält. Die Tür hat eine Scheibe, dahinter flackert es. Ich traue mich kaum hindurchzusehen. Ich kenne doch diese Horrorfilme. Dies hier ist mein eigener Horrorfilm. Es nützt auch nicht zu wissen, dass mir hier nichts passieren kann. Das ist ja vorm Fernseher auch nicht anders.

Als dann wirklich jemand kommt, jemand, der wirklich nicht sehr freundlich aussieht, möchte ich am liebsten fortrennen. Aber die Frau hat ja versprochen: Er fasst euch nicht an. Aber wenn jemand irre ist, hält er sich daran?

Bei jedem neuen Raum, den wir betreten, habe ich Angst, dass gleich jemand aus der Dunkelheit springt. Die kleine Taschenlampe, die wir aus einer Schublade ziehen, hilft da auch nur bedingt. Als wir schließlich den letzten Schlüssel finden, der uns nach draußen bringt, fange ich an zu rennen, denn ich weiß: Gleich wird jemand hinter mir herlaufen. Das muss am Ende einfach so sein. Mir ist in diesem Moment völlig egal, wie es meiner Begleiterin ergeht. Einfach nur raus.

Info

"Mission 60 Minutes" bietet in Düsseldorf vier Missionen an, die unheimlichste ist "Dr. Schneider". Für Kindergeburtstage ist das Spiel nicht geeignet, Minderjährige ab 16 dürfen nur in Begleitung von Erziehungsberechtigten teilnehmen. Die Kosten richten sich nach der Zahl der teilnehmenden Personen. Zwei Personen zahlen insgesamt 80 Euro, drei Personen 90 Euro usw. Bis zu neun Spieler können an "Dr. Schneider" teilnehmen.

www.mission60minutes.de

Grusellabyrinth NRW – Wer ist eigentlich Peter?

Vielleicht endet es hier auch einfach. Vielleicht ende ich hier einfach. In völliger Dunkelheit, verlorengegangen in einem Labyrinth, nur wenige Meter vom Rest der Gruppe entfernt. Jahre später findet mich die Putzfrau. Wie konnte es bloß so weit kommen?

Das Grusellabyrinth NRW ist stets der erste Suchtreffer, wenn man Grusel oder Horror mit NRW bei Google eingibt. Seit 2015 ist es in einer ehemaligen Waschkaue der Zeche Prosper Haniel II untergebracht, nicht allzuweit vom Bottroper Bahnhof entfernt. Es fällt kein Tageslicht ins Gebäude, die Empfangshalle ist schummrig. Der Kassierer ist aus der Familie der Shreks, ein Kobold, bei dem ich hoffe, dass er nach Feierabend nicht weiter so verhuscht spricht. Auch die Verkäuferin in der Imbissbude ist grün im Gesicht und grinst vermutlich nur so, weil es zu ihrer Rolle gehört.

Dann taucht Igor auf, ein Glöckner von Notre Dame mit zotteligen Haaren. Er läuft ein paar Teenagern hinterher, die einigermaßen ernst kreischend vor ihm wegrennen. Das ist für Igor Aufforderung, sie weiter zu verfolgen. Ich bin froh, dass er mich nicht als Opfer entdeckt, ich weiß nie, wie ich mich da verhalten soll. "Äh, ich bin objektiver Journalist, bitte lassen Sie mich in Ruhe." Erst als ein kleiner Junge im Fußballtrikot anfängt zu weinen, verlässt er seine Rolle. Zusammen mit seiner Mutter erklärt er dem armen Kerl, dass ihm nichts passieren wird.

Denn wir sind hier nicht, um von ein paar Kobolden unterhalten zu werden, sondern um die Gruselshow "Im Bann der Finsternis" zu erleben. 100 Minuten Unterhaltung und drei Labyrinthe wurden angekündigt.

Igor kontrolliert unsere Eintrittskarten und führt uns, eine Gruppe von 14 Besuchern, in ein großes Haus beziehungsweise hinter eine Kulisse. Wir nehmen in einem kleinen Kino Platz, wo Igor einen jungen Mann mit Übergewicht mit "Peter" anspricht. Ein Running Gag, der uns den Rest der Show erhalten bleiben wird. Denn natürlich heißt der Kerl nicht Peter. Doch wenn irgendwas schief läuft, ist Peter es Schuld. Die Strategie ist klar: Humor und Schrecken sollen sich abwechseln.

Ein Film erklärt uns, weshalb wir überhaupt hier sind. Wir sind im Haus einer Familie, zu der auch das Mädchen Marie gehört. Marie ist in ihrem eigenen Alptraum gefangen und wir müssen sie daraus befreien. Igor fragt noch mal Mutter und Fußballtrikotkind, ob sie mitwollen. Nein, besser nicht. Abgang Mutter und Kind und bald auch Abgang Igor.

Fortan begleitet uns ein hochnäsiger Butler, der gleich mal Peter disst. Unser Weg durchs Haus führt uns bald ins erste Labyrinth. Es ist dort nicht nur ein bisschen dunkel, sondern stockdunkel. Ich bin der letzte in der Gruppe und verliere bald den Anschluss. Wie peinlich wäre es bitte, hier jetzt zurückzubleiben? Ich taste mich weiter. Ein Fensterrahmen ohne Fensterscheibe, Ob ich einfach hindurch klettere? Aber das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein. Ich bin selbst ganz verblüfft, als ich ein paar Minuten später wieder Teil der Gruppe bin. So allmählich werden wir warm miteinander, irgendwie ja doch besser, wenn wir alle zusammenhalten. So gehen wir weiter durch dieses interaktive Theaterstück, in dem wir in jedem neuen Raum einem neuen Schauspieler begegnen. Manche davon jagen mir richtig Angst ein. Wenn plötzlich kurz das Licht angeht und ein junges Mädchen einen fies angrinst, lässt das niemanden kalt.

Ein emotional sehr unausgeglichener Horrorclown schickt eine Besucherin und mich ins nächste Labyrinth, wir sollen ein Licht finden. Mutig gehe ich vor oder vielleicht auch nur, weil ich den kürzesten Weg zum Eingang habe. Jetzt bloß nicht blamieren. Mit dem Kopf gegen eine Wand rennen. Oder stolpern. Große Freude, als ich die leuchtende Murmel sehe. Ich bin so stolz, als hätte ich den Nahostkonflikt beendet.

Ob es 100 Minuten sind oder nicht doch ein halber Tag - jedenfalls haben wir irgendwann Marie gerettet, uns ein wenig erschreckt, häufig gelacht, uns ständig verlaufen. Dann stehen wir wieder vor dem Haus der kleinen Marie. Ich bin diesmal nicht in Todesangst hinausgelaufen, sondern fühle mich eher gut unterhalten. Igor erschreckt schon wieder die nächsten Gäste.

Info

Das Grusellabyrinth ist die bekannteste Horrorattraktion in NRW. Die Hauptattraktion "Im Bann der Finsternis" ist ab acht Jahren zugelassen, bis 15 nur in Begleitung von Erwachsenen. Daneben gibt es noch weitere kürzere Shows. Die Preise liegen zwischen 16 und 28 Euro. Am besten im Internet einen Termin buchen.

www.grusellabyrinth.de

Henkersnacht – Kunstnebel des Grauens

Victor wartet schon vorm Haus und Victor sieht nicht so aus, als würde er sich darüber freuen. Die Augen des Butlers funkeln rot, auch das weißgeschminkte Gesicht lässt ihn nicht freundlicher wirken. Okay, okay, ich bin ein paar Minuten zu spät. Ich war hier noch nie, in der Innenstadt von Rees am Rhein. Ich begrüße meine drei Begleiter, eine frühere Schulfreundin, ihren Mann und ihre Schwester, dann wende ich mich dem Butler zu. Er starrt weiter. Und weiter. Als er plötzlich laut zu sprechen beginnt, erschrecke ich mich selbstverständlich. Billiger Trick, bei mir hat es mal wieder funktioniert.

Die Henkersnacht, die ich gebucht habe, ist genaugenommen ein Henkersabend, eine Kurzversion für den Journalisten. Denn eigentlich umfasst die Henkersnacht auch ein Abendessen, eine gruselige Stadtführung und eine Übernachtung mit Frühstück. Doch wir begnügen uns mit der Geisterstunde und der Gruft der Toten. Was auch immer sich dahinter verbirgt.

Victor führt uns in einen Bungalow mit zwei Schlafzimmern, Bad und Küche. Ich mag den Kerl sofort, weil er witzig ist, aber es trotzdem liebt, uns ab und zu einen Schrecken einzujagen. Und wenn er nur plötzlich laut wird. Mit einem leicht osteuropäischen Akzent erzählt er die Geschichte vom Henker, der sich genau hier mit seiner Geliebten traf, bis er sie mit einem anderen Mann erwischte. Danach rollten Köpfe.

Damit lässt er uns für die kommende Stunde, die Geisterstunde, allein. Normalerweise ist die um Mitternacht, aber immerhin dämmert es draußen schon. Es fällt ohnehin kaum Licht herein.

Wir verteilen uns auf die beiden Doppelbetten, die wir bis zum Ende der Geisterstunde nicht verlassen dürfen. Erst jetzt komme ich dazu, mir den Raum genauer anzusehen. Er ist vollgestellt mit den schrecklichsten Dingen. Horrorfiguren, Spinnen, Körperteilen. Ich ziehe eine Plastikhand unter der Bettdecke hervor. Das wäre ein schönes Jugendzimmer gewesen.

Die Show beginnt damit, dass aus einem Plastikkopf plötzlich Nebel strömt. Und zwar so lange, bis er das Bett erreicht hat. Aus dem Lautsprecher kommt mal Musik aus einem Horrorfilm, mal hören wir Stimmen. In der nächsten Stunde wird sich ungefähr alles in diesem Raum bewegen und bei manchen haben wir keine Ahnung, warum. Bei einigen Figuren hören wir den Motor laufen, aber warum zum Teufel fällt da plötzlich ein Becher vom Balken?

Es ist nicht so, dass ich 60 Minuten auf dem Bett erstarre. Die Macher haben viel Liebe in die Geisterstunde gesteckt, doch weil vieles an Trash-Horrorfilme aus den 80ern erinnert, bin ich eher begeistert als erschrocken. Einiges aber jagt mir doch einen kurzen Schrecken ein, auch wenn das Kreischen meiner früheren Mitschülerin mich rechtzeitig auf die Spinne hinweist, die sich von der Decke abseilt. Als sie das später noch mal tut, erschrecke ich mich erneut. Am spannendsten ist es, wenn eine Zeitlang nichts passiert. Was kommt nun? Wir starren in die Dunkelheit. Die Rollläden öffnen sich und... das verrate ich besser nicht. Am Ende jedenfalls schreien wir beide doch.

Victor gönnt uns eine kurze Pause und raucht mit uns eine Zigarette auf der Terrasse. Als Tommi Nienhuysen, der er eigentlich ist, und der zusammen mit seinem Neffen zwei Jahre lang an dieser Attraktion gebaut hat. Täglich nach Feierabend. Im März haben sie eröffnet. Schon als Kind hat er Geisterbahnen gebaut, durch die ihn seine Mutter auf dem Bürostuhl schieben musste.

Dann aber verwandelt sich Nienhuysen wieder in Victor und führt uns in die Gruft der Toten. Dieser Keller ist nicht auf alt gemacht, er ist alt. Es riecht wie früher, als man für Oma die Einmachgläser holen musste. Unten wartet bereits Henkersknecht Igor, ein Kerl, der aussieht, als würde ein Mönch eine Maske der Band Slipknot tragen. Eine Viertelstunde lang setzen sie noch einmal alle möglichen Dinge und Puppen in Bewegung. Zum Schluss bewegt sich sogar... ich möchte niemandem den Spaß verderben.

Zusammen kehren wir zurück in den Horrorbungalow. Aus Victor wird wieder Nienhuysen. Bloß Igor bleibt Igor, die Maske nimmt er nicht ab. Bis Victor eine Cola-Flasche aus dem Kühlschrank holt. Jemand hat den Verschluss mit Tesafilm umwickelt, so dass er sich nicht öffnen lässt. Plötzlich fängt Igor an zu lachen und reißt sich die Maske vom Gesicht. Ein junger Mann mit freundlichem Gesicht kommt zum Vorschein. Der Neffe.

Weil ich am späten Abend nicht mehr die weite Strecke nach Hause fahren möchte, fahre ich zu meinen Eltern. Ich schließe die Haustür auf, gehe durch den dunklen Flur, öffne die Tür zum Wohnzimmer, setze mich. Als ich durchs Fenster auf die dunkle Terrasse schaue, sehe ich einen Hinterkopf und zucke zusammen. Die Angst war wieder schneller als der Verstand. Bloß mein Vater.

Info

Die Henkersnacht besteht aus einem 3-Gang-Menü, einer schaurigen Stadtführung, dem Besuch in der Gruft der Toten, der Geisterstunde und einer Übernachtung. Sie beginnt um 19 Uhr und endet am nächsten Tag spätestens gegen Mittag. Buchbar ist sie von mittwochs bis sonntags. Der Preis hängt von der Zahl der Personen ab. Zwei Personen zahlen zusammen 360 Euro, sechs Personen 660. Teilnehmer müssen volljährig sein.

www.henkersnacht.de

 
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