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Vivian Hagedorn
Brandopfer verzeiht Täter

Günther Jauch Jahresrückblick: Brandopfer verzeiht Täter
Vivian Hagedorn schaut trotz ihres schweren schicksals nicht verbittert zurück. FOTO: David Young
Düsseldorf/Bottrop. Ein Mitschüler hat Vivian Hagedorn bei einer Feier in Brand gesteckt. Schwer verletzt überlebte die 17-jährige Bottroperin den Vorfall. Nun kämpft sie sich zurück in ein normales Leben. Sie studiert in Düsseldorf. Von Jan Wiefels

Vivian Hagedorn hätte allen Grund, verbittert zu sein. Ein Mitschüler der 17-Jährigen hatte im März ein Feuerzeug an ein Kostüm aus Zuckerwatte gehalten, das sie während einer Vor-Abi-Feier trug. Die Verkleidung ging sofort in Flammen auf. Vivian erlitt starke Verbrennungen, auch im Gesicht, fast hätte sie nicht überlebt. Mehr als drei Wochen lag sie auf der Intensivstation, insgesamt war sie neun Wochen in der Klinik. Die Narben, die sie davongetragen hat, werden sie ihr Leben lang an diesen Tag erinnern.

Vivian blickt nach vorne

Doch statt mit der Vergangenheit zu hadern, freut sich Vivian auf das, was kommt. Die 17-Jährige holte ihr Abitur nach, schloss mit der Note 1,8 ab und studiert mittlerweile an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität Sozialwissenschaften. Wenn sie volljährig ist, möchte sie von Bottrop in die NRW-Landeshauptstadt ziehen. "Der Vorfall hat mich stärker gemacht. Ich habe gemerkt, was wichtig ist und wer die richtigen Freunde sind", sagt sie. Ihre Geschichte, mit der sie schon beim RTL-Jahresrückblick zu Gast war, erregt bundesweit große Anteilnahme.

Im RTL-Jahresrückblick "Menschen, Bilder, Emotionen" sprach Vivian Hagedorn über ihre Leidenszeit und ihr Verhältnis zum Täter. FOTO: RP

Einer der Menschen, auf den sie zählen kann, ist ihre Freundin Jana. Nach dem Unglück schrieb sie Vivians Lieblingsverein an, die Düsseldorfer EG, und schilderte die tragische Geschichte ihrer Freundin. Der Eishockey-Klub reagierte und initiierte einen Besuch von Stürmer Alexander Preibisch im Krankenhaus. "Ich war damals so überrascht, dass ich kein Wort herausgebracht habe", erzählt Vivian. Ihr habe imponiert, dass der DEG-Spieler sich anderthalb Stunden Zeit für sie genommen hat. Das Gespräch mit ihrem Lieblingsspieler hat sie später bei der Saisoneröffnung der DEG nachholen können. In dieser Woche kam es erneut zu einem Treffen. Bei einer Autogrammstunde des Vereins auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt trafen sich Vivian und der Eishockeyprofi wieder.

"Es macht keinen Sinn, sauer zu sein"

Ihr habe es damals gutgetan, dass Alexander Preibisch ihr Mut zugesprochen hat, erzählt sie. Auch ihre anfängliche Wut auf den Täter habe er geteilt. Doch die Verärgerung habe sie mittlerweile abgelegt. Sie spüre keinen Groll mehr auf ihren ehemaligen Mitschüler. "Es macht einfach keinen Sinn, sauer zu sein", sagt sie. Viel lieber erinnere sie sich an die breite Anteilnahme, die sie nach dem Zwischenfall erfahren hat und immer noch erfährt. Ihre Freunde und ihre Familie hätten ihr unglaublich geholfen. Um sie zu unterstützen, hatten sich beispielsweise ihre Mitschüler in Herzform aufgestellt und ihr ein Poster davon geschenkt.

Ihren ehemaligen Mitschüler traf Vivian erst vor Gericht wieder. Im November wurde der 18-Jährige für sein fatales Zündeln zu zwei Wochen Dauerarrest, 100 Sozialstunden und 500 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Er hatte sich bei seinem Opfer entschuldigt. Es sei nie seine Absicht gewesen, Vivian zu verletzen, sagte er, es tue ihm unendlich leid. Jetzt geht es darum, bei der Haftpflichtversicherung des 18-Jährigen Schmerzensgeldansprüche geltend machen.

Zwei Jahre lang mit Kompressionsmaske 

Denn die Folgen des Unglücks spürt Vivian an jedem einzelnen Tag. Die 17-Jährige muss wohl zwei Jahre lang eine Kompressionsmaske tragen. Zudem macht sie Krankengymnastik, hinzu kommen noch immer Klinik-Besuche. Mit ihrem Schicksal geht sie offensiv um. Den Auftritt beim RTL-Jahresrückblick mit Günther Jauch vor einem Millionen-Publikum wollte sie sich nicht entgehen lassen. "Das war spannend, es hat richtig Spaß gemacht", sagt sie.

Im neuen Jahr will Vivian das ganz normale Leben einer Studentin führen. In der Stadt, in die sie oft von Bottrop aus zum Einkaufen gefahren ist, aus der ihre Lieblingsband die Toten Hosen stammt und in der ihr Verein spielt. Wo sie wohnen wird, steht auch schon fest. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jana zieht Vivian in eine WG.

Quelle: RP
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