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Fäkalien-Schmierereien und Selbstverletzungen
Probleme mit aggressiven Häftlingen in der JVA Bielefeld

Bielefeld. Verhaltensauffällige Häftlinge stellen die Jugendvollzugsanstalt Bielefeld vor Probleme. In einem Interview berichtet der Anstaltsleiter, dass Insassen mit Selbstmord drohen, sich selbst verletzen und Blut und Fäkalien an die Wände schmieren. Offenbar in der Hoffnung, aus der Haft entlassen zu werden.

"Wir haben besonders mit dem arabisch sprechenden Teil unserer Gefangenen große Probleme. Und damit sind nicht nur Kommunikationsprobleme gemeint. Viele dieser Insassen verhalten sich sehr auffällig und akzeptieren keinerlei Regeln." In einem Interview mit der "Neuen Westfälischen" hat Uwe Nelle-Cornelsen, Leiter der Jugendvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede, offen über die Schwierigkeiten mit einem Teil der Häftlinge, der überwiegend aus Nordafrika kommt, gesprochen. Ruhestörungen, Randale, Auflehnung gegen die Justizbeamten und Einschüchterungen seien an der Tagesordnung.

Einige Häftlinge würden sich außerdem massiv selbst verletzen, schildert Nelle-Cornelsen. Manche hätten sich selbst den Bauch oder die Kehle aufgeschnitten. Ein anderer Insasse habe seine Zelle rund um die Tür eingekotet. "Damit will er die Angestellten ärgern, das passiert nicht im Wahn", sagt Nelle-Cornelsen.

Bezüglich der Gründe für das Verhalten der Männer hat die JVA zwei Vermutungen: Zum einen hätten einige Männer Entzugserscheinungen, weil sie süchtig nach einem Antiepileptikum seien, das sie in der Haft nicht bekommen. Zum anderen werde "erzählt, dass man in anderen Ländern mit so einem Verhalten aus der Haft kommen konnte", sagt Nelle-Cornelsen. "Wir wissen nicht, ob die Geschichte mit den Entlassungen stimmt" fügt er hinzu.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, hat die JVA Bielefeld jetzt die erste Integrationsbeauftragte im NRW-Justizvollzug eingestellt. Die 31-jährige Ikram Chemlal ist ausgebildete Erzieherin und verfügt über Arabisch-Kenntnisse. Auf die Frage, wieso man sich trotz bekannter Schwierigkeiten, die viele der Männer aus Nordafrika mit weiblichen Autoritäten hätten, für eine Frau entschieden habe, sagte Nelle-Cornelsen der "Neuen Westfälischen": "In Bielefeld ist das Problem nicht so groß. Allerdings setzen wir unsere Frauen nicht oder nicht alleine im besonders betroffenen U-Haft-Bereich ein". Durch die arabischen Sprachkenntnisse Chemlals erhoffe man sich einen besseren Zugang zu den Häftlingen.

(lsa)
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