| 16.38 Uhr

Nach Razzia in Solingen, Hilden und Haan
So arbeitete die brutale Geldtransporter-Bande

Hagen: 16 Überfälle auf Geldtransporter - Polizei nimmt Bande fest
Bei einer Pressekonferenz präsentierte die Polizei diese Fotos von den Tatorten. FOTO: dpa, mg fpt
Hagen. Es geht um 16 Überfälle, bei denen Millionen erbeutet wurden. Die Polizei hat nun Details zur mutmaßlichen Räuberbande bekanntgegeben, die vergangene Woche bei einer Razzia an mehreren Orten in NRW gefasst worden war.

Bei brutalen Raubüberfällen auf Geldtransporter unter anderem im Ruhrgebiet und in Neuss soll eine Bande in den vergangenen 20 Jahren mehrere Millionen Euro erbeutet haben. Fünf mutmaßliche Mitglieder im Alter zwischen 30 und 53 Jahren waren letzte Woche durch Spezialkräfte der Polizei festgenommen worden. Ein Richter erließ Haftbefehle gegen die Deutschen, in zwei Fällen wegen versuchten Mordes.

Experten für Organisierte Kriminalität der Polizei Hagen gehen davon aus, dass die fünf Männer in wechselnder Besetzung für insgesamt 16 Überfälle verantwortlich sind - unter anderem in Hagen (1998), Neuss (2000), Werl (2001 und 2002), Wetter-Volmarstein (2004) und Dortmund (2015). Mutmaßlicher Kopf der Bande sei ein 48-Jähriger. Durch die Festnahmen habe eine weitere für kommenden Winter geplante Tat verhindert werden können, sagte ein Polizeisprecher.

Überfälle liefen nach ähnlichen Mustern ab

Mit gestohlenen Autos zwangen die Täter die Geldtransporter zum Anhalten, wobei sie die Fahrzeuge auch rammten. Mehrmals schossen sie dann mit Schnellfeuerwaffen auf die Transporter. Glassplitter verletzten mehrfach Wachleute. In zwei Fällen wurden die Transporter auch mit Panzerfaust-Attrappen bedroht. In einem dritten Fall ist noch unklar, ob es sich um eine Attrappe handelte. Einmal sollen die Täter auf einen Wachmann geschossen haben, hätten ihn aber verfehlt.

Diese Patronenhülsen stellte die Polizei an den Tatorten sicher. FOTO: dpa, mg fpt

Bei dem letzten Überfall in Dortmund schnitten die Täter mit einem Trennschleifer den Innenraum eines Transporters auf und rissen 300.000 Euro Bargeld an sich. Mehrfach steckten sie Fluchtfahrzeuge in Brand. "Die waren supergut organisiert", sagte der Polizeisprecher. Teilweise seien die Autos schon ein Jahr vor dem Überfall gestohlen worden.

Das machten die Täter mit der Beute

"Die Festgenommenen führten ein unauffälliges Leben", sagte der Sprecher weiter. Sie hätten normale Berufe ausgeübt, etwa als Elektriker, Lastwagenfahrer oder Schlosser. Einer der Männer habe zeitweilig auch in einem Werttransport-Unternehmen gearbeitet. Von dem Geld hätten die mutmaßlichen Täter Grundstücke, hochwertige Motorräder und teure Uhren gekauft. Bei einer Durchsuchung habe ein Geldspürhund außerdem 135.000 Euro Bargeld erschnüffelt.

Diese Gewehre sollen die Täter genutzt haben. FOTO: dpa, mg fpt

Ermittlungen des Kommissariats für Organisierte Kriminalität beim Polizeipräsidium Hagen führten schließlich zu den Festnahmen am Mittwoch vergangener Woche in Wuppertal, Solingen, Haan und Hilden.
Zeitgleich wurden 17 Objekte durchsucht. Etwa 200 Beamte waren im Einsatz, darunter zahlreiche Spezialkräfte. Die Beamten stellten Waffen, Munition und Teile der Beute sicher. Die Ermittler gehen davon aus, dass noch weitere Personen an den Überfällen beteiligt waren. "Es gibt noch DNA-Spuren, zu denen wir noch nicht das Gegenstück haben." Nach ihnen werde weiter gesucht.

(sef/lnw)