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Kind in Hagen angefahren
Polizei stellt Gaffer bei Facebook an den Pranger

Hagen. Mehrere hundert rücksichtslose Gaffer haben in Hagen die Rettung eines kleinen, schwerverletzten Mädchens massiv behindert. Die Polizei Hagen ist fassungslos - und appelliert auf Facebook an die rücksichtslosen Menschen.  Von Tanja Karrasch

Ein kleines Mädchen ist am Mittwoch in der Nähe des Hagener Hauptbahnhofs von einem Auto angefahren worden. Es war bei Rot über die Straße gelaufen und dadurch schwer verletzt worden. So schwer, dass Feuerwehr und Polizei Rettungsarbeiten durchführen mussten, bevor das Mädchen mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden konnte. 

Diese Nachricht dürfte nichts Neues sein für die vielen Menschen, die bei diesem Unfall stehenblieben, guckten, die Smartphones zückten und filmten. "Ihr solltet Euch was schämen, dass mehrere hundert von Euch mit dem Smartphone in der Hand die Rettungsarbeiten massiv behindert haben", wendet sich die Polizei direkt an die Gaffer.

Mehrere Polizeiwagen mussten anrücken

Den neugierigen Passanten lag sogar mehr an gutem Videomaterial als an der Rettung des Unfallopfers. Ob die Beamten mal an die Seite gehen könnten, damit sie besser filmen könnten, hatten einige nach Angaben der Polizei gefragt. 

Mehrere Streifenwagen waren nötig, um die Schaulustigen zurückzudrängen und den Rettungskräften den nötigen Platz für die Rettungsarbeiten zu verschaffen. In dem Post heißt es weiter: "Euch ging es nur darum, das verletzte Kind und die Landung des Hubschraubers zu filmen." 

 

Der Gipfel der Skrupellosigkeit

Das Mädchen wurde deshalb von der Feuerwehr mit weißen Tüchern verdeckt. Die Rettungskräfte hofften, es so ungestört behandeln zu können. Vergeblich: "Selbst das hat Euch icht daran gehindert, mit Euren Smartphones in der Hand angelaufen zu kommen und über die Tücher zu gaffen", schreibt die Polizei und nennt dies den "Gipfel der Skrupellosigkeit". 

Der Post wurde bei Facebook seit Mittwochabend bereits über 14.000 Mal geteilt, über 23.000 Menschen gefällt die direkte Ansage der Polizei. Viele Menschen drücken in den Kommentaren ihre Fassungslosigkeit aus: "Solche Menschen sollten bestraft werden....das Handy sollte beschlagnahmt werden und ne ordentliche Geldstrafe sollte zu leisten sein", schreibt ein Facebook-Nutzer. Ein anderer: "Unmöglich. Stellt Euch vor, ihr liegt da! Oder Eure Kinder. Ihr behindert lebensrettende Maßnahmen."

Zum Schluss appelliert die Polizei an die Neugierigen, in Zukunft das Handy in der Tasche zu lassen und einfach weiterzugehen. Bei der Menschenrettung zähle jede Sekunde, jeder könne der Nächste sein. "Wir haben im Einsatz echt was Besseres zu tun, als uns auch noch um Euch zu kümmern." 

 

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