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Halloween-Nacht
Männergruppen prügeln sich am Essener Hauptbahnhof

Halloween 2017 in Essen: Räumung des Hbf nach Zombie-Walk
Der Essener Hauptbahnhof auf einem Archivbild. FOTO: hefried
Essen. Etwa 2000 Menschen sind am Dienstagabend beim "Zombie-Walk" durch die Essener Innenstadt gelaufen. Am Rande der Veranstaltung kam es zu Auseinandersetzungen. Der Hauptbahnhof musste zweitweise gesperrt werden. 

Die Bundespolizei in Essen musste den Hauptbahnhof zwischen 22 und 23 Uhr sperren, nachdem verschiedene Männergruppen - laut Polizei augenscheinlich mit Migrationshintergrund - untereinander und mit unbeteiligten Reisenden aneinander gerieten.

"Wir waren mit einem Großaufgebot vor Ort, nachdem es schon in den Vorjahren immer wieder zu Problemen gekommen war", sagte Volker Stall, Sprecher der Bundespolizei in NRW. Ab 17 Uhr hätten sich insgesamt rund 200 Personen in Kleingruppen am Bahnhof eingefunden. Im Laufe der Zeit es sei es dann immer wieder zu teils gespielten, teils ernsthaften Provokationen, Streitereien und Auseinandersetzungen gekommen. 

"Zeitweise außer Kontrolle"

Zombie-Walk 2017 in Essen FOTO: ap, mm

"Als gegen 19.30 Uhr der Rückreiseverkehr von der Veranstaltung begann, geriet die Situation zeitweise außer Kontrolle, sodass die Einsatzleitung entschied, die Bahnhofshalle zu räumen", sagte Stall. Es kam zu Schlägereien mit Körperverletzungen und Pyrotechnik wurde in die Menge geworfen. Ein Polizeibeamter erlitt ein Knalltrauma. 

Die Beamten hätten zunächst versucht, die Lage durch Platzverweise zu kontrollieren. Diesen sei aber in vielen Fällen nicht nachgekommen worden. Auch hätten Schaulustige die Einsatzkräfte behindert, immer wieder sei es zu Solidarisierungsaktionen gekommen. Daraufhin wurde die Haupthalle des Bahnhofs geräumt und die Zugänge anschließenden durch Beamte bewacht.

Züge fuhren weiter

"Diese Aktion war mit der Bahn abgesprochen, der Bahnverkehr selbst war nicht beeinträchtigt", sagte Stall. Reisende konnten die Bahngleise über die Nebeneingänge des Bahnhofs weiterhin erreichen. "Wer abreisen wollte, wurde in den Bahnhof gelassen. Wir wollten jedoch vermeiden, dass es erneut zu großen Menschenansammlungen kommt", sagte Stall. Die Sperrung wurde nach einer Stunde, gegen 23 Uhr, wieder aufgehoben. Insgesamt sprach die Bundespolizei bis Mittwochmorgen 6 Uhr 1230 Platzverweise aus - ein Großteil gegen Hauptbahnhof-Besucher, die sich während der Räumung zunächst weigerten, das Gebäude zu verlassen.

Keine Anzeigen wegen sexueller Übergriffe

In den Sozialen Netzwerken kursierten später Gerüchte, nach denen es auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Das konnte die Bundespolizei nicht bestätigen. "Dazu gibt es keinerlei Angaben oder Anzeigen", sagte der Sprecher der Bundespolizei. Auch Taschendiebstähle wurden gemeldet, diese konnten jedoch laut Polizei nicht derselben Gruppe zugeordnet werden und bewegten sich "in der vergangenen Nacht auf einem üblichen Niveau". 

Der Polizeisprecher bestätigte zahlreiche Festnahmen wegen Körperverletzung, Beleidigungen und Verstößen gegen die Sprengstoffverordnung. Eine genaue Zahl konnte Stall zunächst nicht nennen. Auch ob es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Flüchtlinge handelt, konnte die Polizei am Mittwochmorgen nicht sagen.

Friedlicher "Zombie-Walk"

Wie die Polizei später ergänzte, waren die Tatverdächtigen und Provokateure selbst nicht Teilnehmer des "Zombie-Walks". Dieser am Dienstagabend zum elften Mal durch die Stadt, rund 2000 verkleidete Menschen beteiligten sich, es blieb - mit Ausnahme eines Böllerwurfs - friedlich. Auch für das restliche Stadtgebiet bilanzierte die Essener Polizei eine "überwiegend ruhige Nacht". Einzig in einer Essener Großdiskothek gab es einen Vorfall mit Pfefferspray, bei dem 13 Besucher leicht verletzt wurden.

Anders als am Hauptbahnhof. Stalls Bilanz der Halloween-Nacht: "Wir hatten ordentlich zu tun, es gab außergewöhnlich viele Vorfälle. Von einem Vergleich zur Kölner Silvesternacht 2015 kann jedoch nicht die Rede sein."

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(cbo)