| 19.29 Uhr

"Maximare" in Hamm
Bad beschäftigt Sicherheitsdienst wegen Flüchtlingen

Hamm: Maximare beschäftigt Sicherheitsdienst wegen Flüchtlingen
Nach Übergriffen hat ein Bad in Hamm einen Sicherheitsdienst engagiert. FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf/Hamm. Ein Hallenbad in Hamm setzt in den Sommerferien zwei Sicherheitsleute ein, um Migranten unter den Badegästen die Verhaltensregeln zu erklären. In Hessen setzt man hingegen auf Flüchtlinge, die als Badelotsen für ihre Landsleute arbeiten.  Von Franziska Hein und Jessica Kuschnik

Sommerzeit ist Badezeit – auch für viele Asylbewerber. Und weil das Wetter in den vergangenen Wochen häufig kein Freibad-Wetter war, bevorzugen viele Badegäste das Hallenbad. Im Hammer "Maximare" kamen in den ersten drei Ferienwochen rund 16 Prozent mehr Besucher als im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr, berichtet der "Westfälische Anzeiger".  Zurückzuführen ist das laut Betreiber nicht nur auf das schlechtere Wetter, sondern auch auf die gestiegene Anzahl von Flüchtlingen unter den Besuchern. 

Im "Maximare" wurden außerdem in diesem Jahr sechs Anzeigen wegen sexueller Belästigung durch Flüchtlinge gestellt. Der letzte Vorfall trug sich zu Beginn der Sommerferien zu. Badleiter Frank Rose hat deshalb einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, der seit der ersten Sommerferienwoche im Einsatz ist. Zunächst habe es nur einen Sicherheitsmitarbeiter gegeben, jetzt seien es zwei. "Wir haben festgestellt, dass einer nicht ausreicht, weil sich ein Mitarbeiter etwa beim Erklären der Baderegeln schon mal 20 bis 30 Minuten mit den Flüchtlingen, die oft kein Deutsch sprechen, beschäftigen muss." Man habe sich bewusst für einen Securitydienst entschieden, genug Rettungsschwimmer gebe es in dem Bad.

Sicherheitsleute achten darauf, dass die Baderegeln eingehalten werden

Bademeister Hassanabadi rettet Flüchtlinge vor dem Ertrinken FOTO: Christoph Reichwein

Die Sicherheitsleute sollen darauf achten, dass die Baderegeln eingehalten werden, sie machen keine Badeaufsicht, teilt Rose auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Es gibt oft Missverständnisse. Das fängt bei der Badebekleidung an – Frauen wollen in Straßenkleidung schwimmen und Männer in Unterhose", sagt Rose. Zudem könnten einige Flüchtlinge nicht schwimmen und unterschätzten die Gefahren. "Sie springen etwa von einer Mauer ins Wellenbad. Die Securitymitarbeiter sollen sie im Vorfeld darüber aufklären, dass das nicht geht und gefährlich ist. Zudem haben einige ein anderes Verständnis von Intimspähre, kneifen unter Wasser etwa Mädchen oder Frauen in den Po."

Viele Bäder arbeiten seit Jahren mit Sicherheitsfirmen zusammen

Der Einsatz von Sicherheitsfirmen in Schwimmbädern ist nicht Neues. "Viele Bäder arbeiten schon seit Jahren mit Sicherheitsdiensten zusammen", sagt Konstanze Ziemke von der Deutschen Gesellschaft für Badewesen in Essen. "Das hat aber nichts mit Flüchtlingen zu tun." Die Essener Bäderbetriebe haben schon seit Jahren einen privaten Sicherheitsdienst, der sich um die Sicherheit außerhalb des Schwimmbeckens kümmert. Diebstähle verhindern, Pöbeleien unter den Badbesuchern schlichten und präsent sein – das Essener Grugabad setzt seit Jahren an gut besuchten Tagen Sicherheitskräfte ein. Zwischenfälle mit Flüchtlingen habe es bislang nicht gegeben. Die Gäste fühlten sich so sicherer, heißt es.

Mit subjektivem Sicherheitsempfinden erklärt auch Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft (BDSW), das Bedürfnis nach mehr Schutz. "Die Gesamtsituation mit Terrorangst, der Flüchtlingssituation und dem gesteigerten subjektiven Sicherheitsbedürfnis führt dazu, dass die Kapazitäten in unserer Branche an ihre Grenzen stoßen. Zum Stichtag 31. Dezember 2015 gab bundesweit es etwa 15 Prozent mehr Beschäftigte in der Branche. Das belegen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die der Branchenverband ausgewertet hat. In NRW stieg die Zahl der Beschäftigten von Sicherheitsdiensten von 42.153 auf 50.937. Sogar ein Zuwachs von mehr als 15 Prozent. 

Die Sicherheitsbranche ächzt unter der gestiegenen Nachfrage

2015 stieg gleichzeitig auch der Umsatz in der Branche um 15 Prozent. "Das ist ein ungesundes Wachstum", sagt Wollmann. 13.000 Stellen sind bundesweit noch offen. Darunter fallen Stellen für Pförtnerdienste, Objektschutz und die Bewachung von Volksfesten. "Derzeit fordern auch Kindergärten, Schulen, und Kirchen immer häufiger Sicherheitskräfte an", sagt Wollmann. "Sogar Friedhöfe und Spielplätze sollen bewacht werden." In Schwimmbädern komme Sicherheitspersonal vor allem zur Vorbeugung zum Einsatz. "Das Personal kann helfen, Streitereien zu entschärfen, wenn beispielsweise unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen." 

In Hanau erklären Flüchtlinge anderen Flüchtlingen die Baderegeln

Damit es keine Missverständnisse darüber gibt, wie man sich im Schwimmbad zu verhalten hat, setzt die hessische Stadt Hanau kein Sicherheitspersonal ein, sondern Bäderlotsen, die selbst Flüchtlinge sind. Seit Juli sind für die Zeit der Sommerferien rund 80 Flüchtlinge in den beiden Freibädern in Hanau im Einsatz, die die Bademeister unterstützen, sagt Daniel Freimuth, einer von drei Flüchtlingskoordinatoren der Stadt Hanau. Die Stelle hat zusammen mit den Bäderbetrieben das Projekt ins Leben gerufen. Zusätzlich helfen auch hier an Tagen mit großem Andrang Securitydienste, weil das eigene Personal das sonst bei bis zu 4000 Badegästen nicht alleine bewältigen könne. Mit Flüchtlingen habe das nichts zu tun.

Die Bäderlotsen helfen ehrenamtlich, übersetzen und zeigen ihren Landsleuten, wo es für sie gefährlich werden kann. "Wir hatten mit 20 bis 30 Flüchtlingen gerechnet, die mitmachen, aber am Ende haben sich 100 auf unseren Aufruf gemeldet", erzählt Freimuth. 

Anfang Mai hätten dann alle 80, die jetzt mitmachen, eine Schulung bekommen. Sie müssen schwimmen können. Im Freibad tragen sie T-Shirts mit einem Aufdruck, welche Sprachen sie sprechen. "Im Kassenbereich setzen wir auch immer jemanden ein." Probleme mit Flüchtlingen habe es vorher nicht gegegeben. Es sei nur vorgekommen, dass Flüchtlinge, die nicht schwimmen können, etwa vom 3-Meter-Turm springen, weil sie die Tiefe des Wassers unterschätzen. "Viele von denen sind vorher noch nie im Schwimmbad gewesen", sagt Freimuth. 

 

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