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Bahnverkehr in Wuppertal ruht
Hausbesitzer renovieren für die nächsten hundert Jahre

Bahnverkehr in Wuppertal ruht: Hausbesitzer renovieren für die nächsten hundert Jahre
Eigentümerin Ingrid Becker lässt während der Bahnsperrung ihr Haus in Schuss bringen. Während der Bauarbeiten steht ein Gerüst am Gleisbett (im Hintergrund). FOTO: Sebastian Fuhrmann
Wuppertal. In den Sommerferien fährt kein Zug durch Wuppertal. Für einige Hausbesitzer ist das ein Segen. Sie dürfen während der Gleissperrung Arbeiten an ihren Häusern vornehmen, die bei laufendem Bahnbetrieb verboten sind. Von Sebastian Fuhrmann

Zuletzt konnte es sich der Dachdecker sparen, sein Navi einzuschalten, um das Haus von Ingrid Becker in Wuppertal-Barmen zu finden. "Etliche Male war er da", sagt Becker. "Die Dachrinnen und die Fallrohre sind total dicht, aber wir sind da einfach nicht herangekommen, die Dinge mussten dann zum x-ten Mal provisorisch erledigt werden."

Ingrid Becker und ihre Schwester haben vor einigen Jahren einen schmucken Altbau an der Wittensteinstraße von ihren Eltern geerbt. Das Haus ist mehr als hundert Jahre alt, aber noch gut in Schuss. Nur das Dach machte zuletzt Ärger, schon seit Jahren muss es dringend neu gedeckt werden, aber die Handwerker durften erst vor wenigen Tagen zu Dachpappe und Co greifen.

Das Haus der Schwestern ist eines von dutzenden Häusern in Wuppertal, die so nah an der Bahnstrecke stehen, dass Außenarbeiten daran bei laufendem Bahnbetrieb verboten sind. Nun, da durch Wuppertal wegen Arbeiten an einem neuen elektronischen Stellwerk in Vohwinkel mehrere Wochen lang kein Zug fährt, dürfen die Eigentümer endlich lange fällige Arbeiten erledigen. "Dann muss es für die nächsten hundert Jahre halten", sagt Ingrid Becker.

Die Oberleitungen sind während der Arbeiten abgeschaltet. Weil sich darauf Restspannung befindet, hängen an einigen Stellen Erdungskabel. FOTO: Sebastian Fuhrmann

Schmales Zeitfenster für Arbeiten

Hausbesitzer bekamen bis zum 31. März Zeit, die Arbeiten bei der Bahn zu beantragen. Neun Eigentümer hätten das getan, berichtet Kathrin Bigalke, die zuständige Projektingenieurin für das neue Wuppertaler Stellwerk. "Die Eigentümer mussten den Umfang der Arbeiten und einen Zeitplan darlegen." Zwei Anträge seien noch hinzugekommen, die Bahn prüfe nun, ob die Arbeiten bis zum Ablauf der Frist durchführbar sind. Am Ende der Sommerferien sollen über die Gleise wieder Züge rollen. Dann ist das schmale Zeitfenster für Renovierungen wieder vorbei. Die Bahn will das angekündigte Freigabe-Datum unbedingt einhalten.

Dass über seiner Wohnung in den Sommerferien geklopft und gehämmert wird und ständig Arbeiter über die klappernden Gerüste nach oben klettern, stört Meliscan Kosan nicht. Vor etwa einem Monat zog der 22-jährige Student in das Haus von Ingrid Becker. "Wenn ein Zug vorbeifährt, ist das schon nervig", berichtet er. "Wenn das Fenster offen ist und man eine Serie schaut, hört man oft den ganzen Dialog nicht." Das Geklopfe sei das kleinere Übel. Das große Übel mit der Bahnstrecke neben dem Wohnzimmer müsse er als Student in Kauf nehmen.

"Den Krach hört man irgendwann nicht mehr", sagt sein Nachbar Markus Sudbrock, der schon einige Jahre im gleichen Haus wohnt. "Die Zeit der Sperrung ist nicht anders als sonst. "Ich kann nicht mal mehr sagen, wie viele Züge hier pro Stunde durchfahren, vielleicht sind es zwei", sagt er. Tatsächlich ist die Strecke durch Wuppertal die wichtigste Zugverbindung von Köln ins östliche Ruhrgebiet, stündlich rattern dutzende Züge über die Schienen.

 
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