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Rückkehr nach Diebstahl
Heilige sollen Altäre wieder schmücken

Die Heimkehr der Heiligen
Die Heimkehr der Heiligen FOTO: Weber
Kempen/Kleve/Rheinberg. Die Hälfte der nach rund 45 Jahren wieder entdeckten Heiligenfiguren stammt aus Kempen. Vor der Rückkehr müssen sie restauriert werden. Von A. Reiners, S. Ruf-Stanley und M. Stöcker

Auch eine Heiligenfigur muss sich nach der Rückkehr in die Heimat erst einmal akklimatisieren – und zwar in einer Klimakammer. "Die Figuren sollen sich dort an die rheinische Luftfeuchtigkeit gewöhnen", erklärte am Donnerstag ein Sprecher des Bistums Münster. Sonst drohe die Farbe abzuplatzen.

Die zehn Figuren, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre aus Kirchen in Kempen, Rheinberg, Kleve, Geilenkirchen-Süggerath, Jülich-Mersch und Linnich gestohlen worden waren, sind in dieser Woche vom Bundeskriminalamt an die Bistümer Aachen und Münster zurückgegeben worden.

Im Februar hatte ein Unbekannter zwei Koffer mit den Figuren über eine Mauer des Klosters Maria Laach in der Eifel geworfen – vielleicht ein reuiger Sünder. Die acht Skulpturen aus dem Bistum Aachen liegen nun gut beschützt im Depot der Domschatzkammer. Die zwei aus dem Bistum Münster sind ebenfalls zu einer Restauratorin gebracht worden.

Nach dem Diebstahl Figuren anhand von Fotos nachgebildet

Aus der Propsteikirche in Kempen wurden Ende der 1960er Jahre allein fünf Figuren des sogenannten Marienretabel gestohlen – darunter eine Beschneidungsszene Christi, zwei Heiligengruppen, die Darstellung des Begräbniszuges Mariens und die sogenannte Heilige Sippe. "Die Figuren wurden bei Kirchenführungen früher aus dem Altar herausgenommen und den Besuchern gezeigt. Das dürfte die Diebe zu ihrer Tat verleitet haben", sagt Heimatforscher Werner Beckers (73), der sich an den Diebstahl vor knapp 50 Jahren erinnert.

Das kunstvolle Schnitzwerk mit Ausmalungen wird auf die Jahre 1510 bis 1520 datiert. Es soll wie die beiden anderen heute noch in der Propsteikirche stehenden Altäre in Antwerpen hergestellt worden sein. Nach dem Diebstahl wurden die teilweise recht kleinen Figuren anhand von Fotos nachgebildet.

Auch die beiden gestohlenen Figuren im Kreuzaltar der Klever Stiftskirche und im Hochaltar der Rheinberger Pfarrkirche St. Peter wurden ersetzt. Dass die Fundstücke überhaupt zugeordnet werden konnten, ist ein großes Verdienst von Reinhard Karrenbrock, dem zuständigen Kunstpfleger des Bistums Münster.

Wann die Figuren zurückkehren, ist noch offen

Bei seinen Recherchen, vom LVR-Amt für Denkmalpflege unterstützt, stellte er schnell fest, dass die wiederaufgetauchten Bildwerke "planmäßig und mit einem ausgeprägten Sinn für Qualität" gestohlen worden waren. In sämtlichen Fällen handele es sich um Figurenreliefs aus nahezu ausschließlich Antwerpener Altarretabeln der Zeit der Spätgotik (frühes 16. Jahrhundert) – nur die um 1435 entstandene Figur aus Rheinberg sei deutlich älter. Die Altaraufbauten wurden aus einer Vielzahl von Figuren und Reliefs zusammengesetzt.

"Sie wurden im späten Mittelalter in hoch spezialisierten Bildhauerwerkstätten angefertigt, die gerade in Antwerpen – und auch in Brüssel – in großer Zahl ansässig waren", betont Karrenbrock. Von dort wurden die damals sehr begehrten und auch sehr kostspieligen Werke über weite Strecken exportiert – sogar bis nach Schweden. Die meisten Zeugnisse dieser Kunst finden sich im Rheinland und in Westfalen.

Nun müssen die Fundstücke behutsam restauriert werden. Wann sie an ihren angestammten Platz zurückkehren, ist noch offen. Das hängt auch davon ab, wie gut sie in Schuss sind. "Augenscheinlich sind sie in einem guten Zustand. Es gibt keine Risse im Holz, die Farbfassungen haben nicht übermäßig gelitten", sagt Michael Scholz, Fachbereichsleiter Kirchbau und Denkmalpflege für das Bistum Aachen.

Zudem müsse der Zustand der Altäre überprüft werden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Heiligen zurückkehren, ist groß. Dazu müssen wir aber genau wissen, wie der exakte Zustand der Figuren und der Altäre ist, aus denen sie stammen", sagt Scholz. Das Bistum Aachen sieht keine Sicherheitsprobleme. "Die Figuren waren früher nicht fest mit den Altären verbunden, nun sind sie es schon", sagte eine Sprecherin.

Quelle: RP
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