| 18.48 Uhr

Helau in Düsseldorf, Alaaf in Köln
Zehntausende Narren feiern Altweiber mit viel Polizei

Fotos: Das sind die kreativen Kostüme in Düsseldorf
Fotos: Das sind die kreativen Kostüme in Düsseldorf FOTO: Ines Räpple
Düsseldorf. Der Wahnsinn namens Straßenkarneval ist im Rheinland ausgebrochen. Ob Altweiber oder Weiberfastnacht, zehntausende Närrinnen und Narren hatten mächtig Spaß und ließen sich den auch vom etwas suboptimalen Wetter nicht nehmen. Helau und Alaaf!

Planmäßiger Karnevalsauftakt trotz Terror-Gefahr und Silvester-Gewalt: Unter massiv verstärkten Sicherheitsvorkehrungen sind am Donnerstag zehntausende Narren in den rheinischen Karnevalshochburgen in den Straßenkarneval gestartet. Die Polizei meldet sowohl in Köln als auch in Düsseldorf bis 14 Uhr keine besonderen Vorkommnisse. Allerdings seien deutlich weniger Menschen auf den Straßen unterwegs, um zu Feiern. 

Um 11.11 Uhr stürmten die Möhnen in Düsseldorf das Rathaus. Die Stadt ist jetzt wieder fest in der Hand der Wiever. In der Altstadt geht der Straßenkarneval in die heiße Phase. Mehr über das jecke Geschehen in der Landeshauptstadt gibt es hier.

Altweiber 2016 in Düsseldorf - Möhnen stürmen Rathaus FOTO: Bretz, Andreas

Am Abend zog die Polizei in Düsseldorf eine erste Bilanz vom Altweibertreiben. Arbeit machte den Polizisten und Rettungsdiensten vor allem der übermäßiger Alkoholkonsum einiger Jungendlicher. Ein 15-Jähriger war schon am Morgen sturzbetrunken.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) eröffnete in diesem Jahr vor tausenden kostümierten Narren zum ersten Mal als Stadtoberhaupt den Straßenkarneval in der Domstadt. "Es war wunderbar", sagte die gebürtige Kölnerin. Sie freue sich, dass alle unbefangen feierten. "Aus unserer Sicht ist alles sehr friedlich verlaufen", zog der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen am Nachmittag eine vorläufige Bilanz. 

Auch in Neuss nahmen die Möhnen das Rathaus friedlich ein und legten Bürgermeister Breuer nur symbolisch in Ketten.

"Rote Funken" schützen Kölner Dom vor Wildpinklern 

Rathaussturm in Düsseldorf

Zum Schutz vor Wildpinklern haben Mitglieder der Karnevalsgesellschaft "Rote Funken" an Weiberfastnacht einen Ring um den Kölner Dom gebildet. An der vorübergehenden Aktion - die vor allem symbolisch gemeint war - beteiligten sich auch Dompropst Gerd Bachner und Oberbürgermeisterin Reker.

Die Außenfassade der Kathedrale wird an Karneval immer wieder von angetrunkenen Männern angepinkelt. Bachner sagte, der ätzende Urin schade der Bausubstanz sehr. "Aber es ist nicht nur eine Verunreinigung der mittelalterlichen Portale, es bekundet auch eine ungeheure Respektlosigkeit gegenüber dem Hohen Dom."

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies kündigte im ZDF-"Morgenmagazin" an, seine Behörde werde alles für einen reibungslosen Ablauf tun. Aber "natürlich" sei nicht auszuschließen, "dass es zu Ausschreitungen kommt". "Gerade Weiberfastnacht ist bekannt, dass auch hier in Köln viele Menschen sehr viel Alkohol trinken und es dadurch auch dann zu Aggressionen kommt und so weiter."

"Aber wir werden sehr schnell dann auch eingreifen", sagte Mathies. "Wir werden alles daran setzen, dass sich nicht nur die Frauen an Weiberfastnacht, sondern alle, die hier feiern, friedlich feiern wollen, sehr sicher fühlen können."

Alaaf - so feiert Köln Weiberfastnacht 2016 FOTO: dpa, mjh fpt

Als Anlaufstellen für mögliche Opfer sexueller Belästigungen richteten die Städte Köln und Düsseldorf in diesem Jahr erstmals im Karneval sogenannte "Security Points" für Frauen ein. Dort sollten erfahrene Beraterinnen Opfern von Belästigungen und Übergriffen Hilfe und Information anbieten. Im Kölner Karneval wurden nach Angaben von Polizeipräsident Mathies in den vergangenen Jahren durchschnittlich rund 50 Sexualstraftaten angezeigt - von der sexuellen Belästigung bis zur Vergewaltigung.

3200 Polizisten Weiberfastnacht in Köln

Allein in Köln waren am Rande des närrischen Treibens rund 3200 Landes- und Bundespolizisten sowie Ordnungskräfte der Stadt im Einsatz. Laut Polizeipräsident Jürgen Mathies gab es bis zum Nachmittag sieben vorläufige Festnahmen und Gewahrsamnahmen, unter anderem wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und eines Raubdeliktes. Wegen des regenerischen Wetters am Donnerstag in Köln seien weniger Menschen auf den Straßen als sonst an Weiberfastnacht, sagte Mathies. Insgesamt feierten die Jecken friedlich.

Mit der drastisch verstärkten Polizeipräsenz sowie mehr Videoüberwachung zogen die Behörden die Konsequenz aus den massenhaften Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht und der Sorge vor Terroranschlägen.

Zur traditionellen Eröffnung des Straßenkarnevals in Kölns Altstadt waren mehr als 2000 Landespolizisten und 350 Auszubildende der Polizei im Einsatz. Hinzu kamen bis zu 410 Bundespolizisten und fast 400 städtische Ordnungskräfte.

Ein solches Aufgebot an Sicherheitskräften hatte es im Kölner Karneval noch nie gegeben. Laut Kölner Polizei gab es bis zum Mittag keine außergewöhnlichen Einsätze, auch die Bundespolizei berichtete von "normalem Anreiseverkehr" zu den Weiberfastnachtsveranstaltungen. Auch in den Karnevalshochburgen Düsseldorf und Mainz galten strenge Sicherheitsmaßnahmen.

Keine erhöhte Terrorgefahr im Karneval

Das Bundeskriminalamt (BKA) rechnet derweil für die Karnevalszeit nicht mit einer erhöhten Gefahr von Anschlägen. Es lägen derzeit "keine Erkenntnisse über ein direkt bevorstehendes Ereignis" vor, hieß es bei der Wiesbadener Bundesbehörde.

Als Entwarnung wollte das BKA diesen Umstand aber nicht verstanden wissen: Die Gefährdungslage in Deutschland sei unabhängig vom Karnevalsgeschehen "unverändert hoch", was die Gefahr von Anschlägen angehe.

Die NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne) hatte vor Beginn des Straßenkarnevals Betroffene aufgefordert, Grenzüberschreitungen konsequent anzuzeigen. "Jede Form von Sexismus und sexualisierter Gewalt muss sichtbar gemacht werden, auch an den tollen Tagen", erklärte Steffens.

(AFP)
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