Nager verbreiten sich rege

Hilfskonzept für Problem-Biber

Besonders in der Eifel, am nördlichen Niederrhein und in der Lippe-Region rund um Soest sind Biber wieder aktiv. Tierschützer freuen sich, doch die Nager verursachen auch Probleme. FOTO: Leopold Kanzler

Soest. Rund 35 Jahre, nachdem die Tiere in NRW wieder angesiedelt wurden, wachsen die Populationen rasant. Die Kontakte mit dem Menschen werden häufiger, aber auch die Probleme. 2018 soll daher ein Management-Plan her.

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Fast 140 Jahre war er in Nordrhein-Westfalen nicht mehr beheimatet, nun erobert er sich seinen Lebensraum langsam, aber sicher wieder zurück. Nachdem zwischen 1981 und 1990 die ersten Tiere in der Eifel und ab 2002 bei Wesel wieder angesiedelt wurden, schätzt das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv) die derzeitige NRW-Population auf 650 bis 700 Tiere.

So nagt sich der Biber derzeit besonders in der Eifel, am nördlichen Niederrhein und in der Lippe-Region rund um Soest durch Baumstämme und baut seine Burgen. Doch was aus Sicht vieler Natur- und Tierschützer wichtig ist, gibt vielen Menschen auch Anlass zur Sorge. Denn vielerorts gerieten Mensch und Tier zuletzt immer häufiger aneinander - inklusive der Probleme, die der Biber verursachen kann.

"Ängste der Betroffenen ernst nehmen"

Manch Politiker spricht bereits davon, dass man den Wolf getrost vergessen sollte, denn schließlich sei der Biber wieder da. Doch diese Befürchtung relativiert Matthias Kaiser, Leiter des Lanuv-Fachbereichs Artenschutz: "In Einzelfällen ja, aber landesweit stellt der Biber kein Problem dar. Dennoch sollte man die Sorgen und Ängste der Betroffenen ernst nehmen."

Tierische Rückkehrer in NRW FOTO: Uli Stadler nabu

Um quasi zwischen Betroffenen und den Tieren zu vermitteln, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) inzwischen die Funktion des Biberberaters geschaffen. Eine davon ist die 47-jährige Birgit Langner aus Soest. Die zweifache Mutter engagiert sich seit 2010 in der dortigen Bund-Kreisgruppe und tritt inzwischen für die Interessen des Bibers ein. "Der Biber ist ein Öko-Experte, er ist keine Gefahr", sagt Langner. Daher sei es wichtig, die Tiere willkommen zu heißen. Ihre wichtigste Aufgabe sieht sie darin, diejenigen, die persönliche Probleme durch das Wirken der Biber befürchten, zu sensibilisieren. "Die Tiere sind für den Umweltschutz ungeheuer wichtig. Durch ihre Bauten verbessern sie die Gewässerqualität, leisten einen Beitrag zur Artenvielfalt und helfen dabei, brachliegende Flächen zu renaturieren."

"Ängste sind unbegründet"

Allerdings verstehe sie auch die Sorgen derjenigen, die bereits unangenehme Erfahrungen mit den Tieren gemacht haben - etwa durch gefällte Obstbäume, untergrabene Wirtschaftswege oder verstopfte Abwasserkanäle. "Viele Menschen haben Angst davor, dass die Tiere sich noch weiter ausbreiten und noch mehr Probleme verursachen. Diese Ängste sind meiner Meinung nach aber unbegründet."

Beim Lanuv sieht man die Sache etwas weniger emotional. So weiß auch Matthias Kaiser, dass es vielerorts zu größeren Problemen kommen könnte, wenn man nicht eine gewisse Balance zwischen dem Tierschutz und den Anliegen der Menschen schaffe. "Im Kreis Düren hat der Wasserverband derzeit stellenweise enorm viel Arbeit. Gerade dort leben viele Tiere, die ihre Burgen an Abflüssen errichten und sie dadurch verstopfen. Dort sind teilweise bereits Keller vollgelaufen."

Akzeptanzsteigernde Maßnahmen

Dementsprechend werden im kommenden Jahr die Beratungen und Abstimmungen für einen Biber-Managementplan beginnen, um möglichen schwerwiegenderen Folgen vorzubeugen. "Es geht darum, akzeptanzsteigernde Maßnahmen für die Biber umzusetzen, denn der Natur- und Tierschutz bleibt weiterhin wichtig. Letztlich müssen die Anliegen der verschiedenen Beteiligten aber ausgewogen gewichtet werden", sagt Matthias Kaiser.

Birgit Langner wirbt derweil auf ihre Art für mehr Akzeptanz für die Biber. Sie ist mit ihrer selbstgestalteten "Biber-Kiste" regelmäßig an Schulen zu Gast, um bereits den Kleinsten die Vorteile einer gesunden Population der Nager nahezubringen. Denn ihrer Meinung nach gibt es deutlich größere Probleme als den Biber.

Quelle: RP

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