| 21.07 Uhr

Hitzewelle
Zwei Badetote in NRW

Badeunfall im Leverkusener Silbersee
Badeunfall im Leverkusener Silbersee FOTO: Miserius, Uwe
Düsseldorf. Hohe Waldbrandgefahr, volle Notaufnahmen und zusätzliche Rettungseinsätze – durch die extreme Hitze sind Kliniken, Polizei und Feuerwehr in Alarmbereitschaft. Mit Höchsttemperaturen von bis zu 38 Grad hat der bisher heißeste Tag des Jahres vielerorts für mehrere Unglücke gesorgt.

Ein schwerer Badeunfall hat sich gestern in einem Emmericher Baggersee ereignet. Ein 29-Jähriger war dort am Nachmittag ertrunken. Rettungskräfte suchten stundenlang nach dem Mann. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Bei dem Toten soll es sich um einen Asylsuchenden aus Serbien handeln. In Nettetal kam ein Mann (18) beim Baden in einem Springbecken in einem Schwimmbad ums Leben. Die genauen Todesumstände sind noch nicht bekannt.

Zu einem weiteren Unglück kam es am Silbersee in Leverkusen. Ein 20-Jähriger geriet in Not und wurde nach einer groß angelegten Rettungsaktion in kritischem Zustand geborgen. Mitten auf dem See war er nach Angaben der Feuerwehr plötzlich untergegangen. Nach der Bergung musste der 20-Jährige vor Ort reanimiert und anschließend ins Krankenhaus gebracht werden. Weitere Angaben gab es nicht.
Die Höchsttemperatur verzeichnete eine Messstelle des Deutschen Wetterdienstes in Duisburg mit 38 Grad.

Die hohen Temperaturen machen derzeit vielen Menschen zu schaffen. Seit gestern verzeichnet die Uni-Klinik in Düsseldorf rund zehn Prozent mehr Patienten in der Notaufnahme, der Großteil dehydriert oder mit Kreislaufproblemen. "Das geht in einigen Fällen bis zur Ohnmacht", sagt Ivo Quack, Facharzt für Innere Medizin am Uni-Klinikum. "Wir behandeln derzeit nicht nur körperlich schwächere Senioren, sondern auch Menschen, die draußen beruflich sehr aktiv sind, wie Bauarbeiter oder Gärtner." Die meisten Betroffenen, so Quack, nehmen nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich. "1,5 Liter am Tag sind bei dieser Hitze das Minimum", sagt der Facharzt. "Bei besonders anstrengenden Arbeiten im Freien sogar drei oder vier." Und: Gerade die Mittagshitze sollte jeder in den nächsten Tagen meiden.

Wie wichtig Schatten für Mensch und Material bei starker Sonneneinstrahlung sind, zeigt ein Vorfall in Düsseldorf. Dort ist gestern Mittag in einem Garten die freistehende Gasflasche eines Grills explodiert. Laut Feuerwehr hatte sich das Gas so massiv ausgedehnt, dass es aus der Flasche entwich und sich entzündete. Flammen schossen in die Luft und griffen auf das Wohnhaus sowie das Dach eines Nachbarhauses über. Nach rund 40 Minuten war der Brand gelöscht. Ersten Schätzungen zufolge entstand ein Sachschaden von mehr als 120 000 Euro.

Gestern Nachmittag mussten die Polizeibeamten in Meschede ein dreijähriges Kind aus einem Auto befreien. Die Mutter hatte sich versehentlich aus dem Wagen ausgesperrt. Schon nach kurzer Zeit musste sich das Kind übergeben und verlor das Bewusstsein. Sogar Tieren musste die Feuerwehr gestern zu Hilfe kommen. In Gelsenkirchen haben die Einsatzkräfte 500 Schweine in einem überhitzten Tiertransporter mit Löschwasser abgekühlt. Der Lkw aus den Niederlanden war wegen einer Reifenpanne an der A 2 liegengeblieben.

Auch auf den Verkehr hatte die Hitzewelle bereits erste Auswirkungen. Eine Drehbrücke im Deutzer Hafen versagte gestern aufgrund der hohen Temperaturen den Dienst. Sie musste für Autos komplett gesperrt werden. Auch der Schiffsverkehr stand still. In Düsseldorf hatte sich der Asphalt auf einigen Straßen so sehr aufgeheizt, dass er stellenweise schmolz.

Mit kritischem Blick schauen die Feuerwehren auch auf die Wälder und Felder. Die Waldbrandgefahr sei mit Stufe drei bis vier – also mittlere bis hohe Gefahr – in diesen Tagen besonders ernst zu nehmen. "Auf offenen Feldern herrscht derzeit mit Stufe fünf sogar maximale Brandgefahr", sagt Tremmel.

 
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