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Höxter-Prozess
"Als er mich in den Hühnerstall sperrte, wurde ich misstrauisch"

Fotos: Mordprozess von Höxter – Ex-Ehepaar vor Gericht
Fotos: Mordprozess von Höxter – Ex-Ehepaar vor Gericht FOTO: dpa, gki sab jai
Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen auf einem Hof in Höxter-Bosseborn haben weitere Frauen ausgesagt, die früher mit dem Angeklagten liiert waren. Sie beschreiben die Mitangeklagte Angelika W. als herrschsüchtig, Wilfried W. habe nicht viel zu melden gehabt. Von Claudia Hauser, Paderborn

Martina H. (Namen geändert) kann sich nach all der Zeit nicht mehr an alle Details erinnern, nach denen sie als Zeugin im Schwurgerichtssaal 205 des Paderborner Landgerichts gefragt wird. Einmal schaut sie zur Anklagebank und fragt Wilfried W.: "Das war doch so? Da warst du dabei, oder?" Sie war ein halbes Jahr mit Wilfried W. zusammen. Aber den letzten Anruf von Angelika W. hat die 51-Jährige nicht vergessen. "Ich wünsche mir ein schönes Leben und dir einen schnellen Tod", soll die Angeklagte gesagt haben. Martina H. sagt: "Das war richtig widerlich."

Im Prozess gegen den 47-jährigen Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. (48), die sich wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen verantworten müssen, wurden am Dienstag weitere Frauen befragt, die mit dem Angeklagten liiert waren. Die beiden Angeklagten sollen mindestens sechs Frauen schwer misshandelt haben, zwei weitere kamen sogar ums Leben. Im Prozess beschuldigen sich die Angeklagten gegenseitig.

Der Fall Höxter – eine Chronologie der Gewalt

Frauen beschreiben Wilfried W. als liebevoll

Je mehr Frauen über ihre Zeit mit dem Angeklagten sprechen, desto klarer wird, wie er es geschafft hat, im Laufe vieler Jahre immer wieder neue Frauen kennenzulernen und sie an sich zu binden. Wilfried W. hat den Frauen schnell das Gefühl gegeben, dass er es sehr ernst meint. Von Heirat war schon nach kurzer Zeit die Rede, die Frauen beschreiben ihn als liebevoll. Martina H. sagt: "Ich hatte immer nur den Eindruck, er kommt von seiner Schwester nicht los, so als könnte er sich gar nicht wehren, der arme Kerl." Wilfried W. hatte seine Ex-Frau Angelika den neuen Frauen immer als seine Schwester vorgestellt.

Martina H. erzählt, dass sie sich "immer in die Haare gekriegt hat" mit Angelika W., die sie ständig angerufen habe. "Es waren Kleinigkeiten. Ich sollte die Betten beziehen, wenn ich bei Wilfried war oder anders kochen, weil er Gicht hat." Angelika habe alles über die Beziehung der beiden gewusst. "Vielleicht hatte er auch nicht den Mut, mich auf die Dinge anzusprechen, die ihn störten, und hat Angelika deshalb vorgeschickt", sagt sie. Trotzdem schaffte es Wilfried W., dass die Frauen sich ihm relativ schnell unterordneten – und ihm Geld gaben. "Ich habe immer gemacht, was er wollte", sagt Martina H. Und wenn er nach Geld fragte, gab sie es ihm. "15.000 oder 16.000 Euro waren es bestimmt", sagt sie. Die Beziehung endete, als sie wegen Multipler Sklerose ins Krankenhaus kam und Wilfried ihr erzählte, er müsse zu einem Onkel nach Bochum ziehen. Das Geld hat sie nicht zurückbekommen.

Von Wilfried W. im Hühnerstall eingesperrt

Auch Anita C. beschreibt den Angeklagten als "sympathisch". Die heute 49-Jährige ist schon am ersten Tag des Kennenlernens mit auf den Hof nach Höxter-Bosseborn gezogen – zu Wilfried und seiner angeblichen Schwester. "Wir hatten vereinbart, dass ich erst einmal eine Woche bleibe", erzählt die Frau, die sehr unsicher wirkt. Am ersten Tag seien beide sehr nett gewesen. "Dann wurde Angelika immer unfreundlicher und beleidigend." Angelika W. habe das Sagen gehabt, "Wilfried hatte nichts zu melden". Sie sei dazu verdonnert worden, mit Wilfried auf einer Couch zu schlafen. "Ich hab mich in dem Haus nicht wohl gefühlt." Einmal habe Wilfried W. sie kurz im Hühnerstall eingesperrt, "da hab ich gemerkt: Hier stimmt etwas nicht." Sie habe Angst bekommen, aber so getan, als sei alles okay. "Ich habe ihnen erzählt, ich müsste noch ein paar Sachen zu Hause erledigen, würde dann aber zurückkommen." Das hätten sie ihr geglaubt. Nach drei Tagen konnte sie den Hof verlassen – und kehrte nicht zurück. Die Anrufe, die sie danach von Angelika und Wilfried W. bekam, habe sie vom Anrufbeantworter gelöscht und die beiden nicht wiedergesehen.

Der Prozess wird am 2. Mai fortgesetzt.

 
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