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Run auf Hofläden in der Region
"Hühner können nicht so schnell legen, wie Leute Eier kaufen"

Run auf Hofläden in der Region: "Hühner können nicht so schnell legen, wie Leute Eier kaufen"
Familie Trimborn auf ihrem Gut Schiefelbusch in Lohmar. FOTO: Trimborn
Lohmar. Die Verunsicherung der Kunden nach Bekanntwerden des Insektizid-Skandals ist groß. Das spüren vor allem die Höfe in der Region - weil jetzt mehr Leute dort einkaufen. Von Claudia Hauser

Andreas Trimborn kennt die typischen Reaktionsketten schon, wenn es einen neuen Lebensmittelskandal gibt. Er betreibt mit seinem Vater Albert das Bauerngut Schiefelbusch in Lohmar. "Meistens ist es so, dass die Kunden erst panisch werden, dann umdenken und bewusster einkaufen, wenn sie kein Vertrauen mehr in ein bestimmtes Produkt haben – doch das hält nicht lange an", sagt Trimborn. Er weiß: Die Kunden, die jetzt auf seinem Hof einkaufen, weil Eier aus den Niederlanden mit dem Insektizid Fipronil belastet sind, kaufen schon bald ihre Eier wieder im Discounter. "Wünschen würde ich mir, dass die Leute sich nicht nur bei einer Krise umorientieren."

Etwa 6000 Hühner leben auf seinem Hof in Bodenhaltung. Trimborn kauft keine Eier dazu, Läuse und Milben bekämpft er mechanisch und nicht chemisch, wie er sagt. Durch einen Silikatstaub, der auf Stalldecken, Wände und in Fugen gestreut wird, trocknen die Schädlinge aus. Fipronil darf bei Nutztieren ohnehin nicht benutzt werden – ein belgischer Händler steht im Verdacht, es trotzdem einem Desinfektionsmittel beigemischt zu haben, mit dem er offenbar Läuse bekämpfen wollte. Die belasteten Eier aus den Niederlanden tauchen in immer mehr Bundesländern auf. Millionen wurden inzwischen aus dem Handel genommen. Fünf Geflügelzuchtbetriebe in Niedersachsen wurden gesperrt.

Für Betriebe wie das Gut Schiefelbusch führt der Lebensmittelskandal nun also dazu, dass mehr Kunden kommen. "Wir beliefern auch Rewe, die ja sämtliche niederländische Eier aus dem Sortiment genommen haben, aber wir haben natürlich auch nur eine begrenzte Anzahl von Eiern", sagt Trimborn.

Kunden stürmen den Hofladen

Nicole Werner-Hufski vom Hof "Der Kölner Biobauer" in Köln-Vingst hat gleich nach Bekanntwerden des Insektizid-Skandals die "hochgradige Verunsicherung" ihrer Kunden bemerkt. "Sie wollen im Moment alles ganz genau wissen", sagt sie. Die eigenen 200 Hühner des Betriebs legen etwa 180 Eier pro Tag, dazu kauft der Hof Eier aus Ostdeutschland an. Einen Verkaufseinbruch spürt Werner-Hufski nicht, ganz im Gegenteil. "Unsere Hühner können gerade gar nicht so schnell legen, wie die Leute Eier kaufen wollen." Ihre Stammkunden kommen ohnehin, aber auch diejenigen, die sonst woanders kaufen.

Zu Johannes Steffens, Chef des Geflügelhof Steffens in Bergisch Gladbach, kamen in den vergangenen Tagen Leute, die ihm Eier zeigten und wissen wollten, ob sie die noch essen können. "Was soll ich da sagen?", fragt Steffens.

Er führt seinen Hof in vierter Generation. Auch er kennt den Effekt, dass die Kunden seinen Hofladen stürmen, wenn es einen Lebensmittelskandal gibt. Und auch er weiß: "Das hält meistens nur vier Wochen an." 90 Prozent seiner Kunden seien Stammkunden. "Die wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen."   

 
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