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Nicholas Smith im Interview
"Ich habe Donald Trump gewählt"

"Ich habe Donald Trump gewählt"
Nicholas Smith führt im Essener Szenestadtteil Rüttenscheid das Restaurant "Gringos". FOTO: imago
Berlin. Nicholas Smith spricht offen über seine Wahlentscheidung für Trump. Er sagt: Man muss den Mann ernst nehmen. Aber nicht wörtlich bei jedem Detail. Von Reinhard Kowalewsky

Herr Smith, als bekennender Fan von Donald Trump führen Sie im Essener Szenestadtteil Rüttenscheid das Restaurant "Gringos". Haben Sie Ärger mit Gästen, nachdem Sie beispielsweise in der Talkshow "Maybrit Illner" Ihre Meinung sagten?

Smith Nein, einige Kunden sind zwar genervt von meiner Position, aber die meisten diskutieren gerne. Und als wir am Dienstagabend zur Wahlparty einluden, war es rappelvoll. Die Stimmung war super. Wir verkauften so viele Hamburger, dass wir am Mittwoch mangels Vorrat an frischen Brötchen geschlossen bleiben mussten.

Hierzulande ist Trump allerdings sehr unbeliebt.

Smith Er hat im Wahlkampf sicher viele Fehler gemacht, aber die Medien in den USA und in Deutschland zeichnen ein zu negatives Bild von ihm. Ich habe Trump gewählt, weil er die Wirtschaft durch niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und Investitionen in die Infrastruktur ankurbeln will. Hillary Clinton lehne ich dagegen ab. Sie steht den Konzernen nahe und sammelt bei ihnen Spenden ein, tut aber so, als ob sie für die kleinen Leute da ist. Tatsächlich ist sie Teil der politischen Klasse, die uns nur Pech brachte.

Spielt die E-Mail-Affäre von Clinton eine Rolle?

Smith Sie bestätigte, dass sie häufig nicht die Wahrheit sagt.

Sind Sie treuer Republikaner?

Smith Nein, ich bin völlig offen. 2012 und 2008 habe ich Barack Obama zum Präsidenten gewählt. Und der ist ja bekanntlich Demokrat.

Donald Trump hat im Wahlkampf viele extreme Positionen vertreten.

Smith Man sollte ihn ernst nehmen, aber nicht wörtlich bei jedem Detail.

Was heißt das?

Smith Um sich bei den Vorwahlen der republikanischen Partei gegen zwölf Gegner durchzusetzen, musste Trump erst einmal die sehr konservative Basis ansprechen. Im Wahlkampf gegen Hillary Clinton war er dann schon zurückhaltender. Und nun als Präsident geht er sicher noch mehr in die politische Mitte: Das zeigte schon seine Rede zur gewonnenen Wahl, in der er zur Versöhnung aufrief und Frau Clinton dankte.

Trump hat Stimmung gegen Einwanderer aus Mexiko gemacht. Das stört Sie nicht?

Smith Donald Trump hat die hohe illegale Einwanderung in die USA kritisiert, das ist etwas anderes als gegen alle Mexikaner Stimmung zu machen. Dabei muss man sehen, dass die USA faktisch eine extrem liberale Einwanderungspolitik haben: Bei uns leben einige Millionen Menschen, die zwar keine Aufenthaltsgenehmigung haben, aber deren Kinder zur Schule gehen, die teilweise Sozialhilfe erhalten, die bei Krankheiten im Hospital behandelt werden, und die auch Wohnungen mieten können. In Deutschland wäre das alles so nicht denkbar. Ich muss beispielsweise meine Aufenthaltserlaubnis alle zwei Jahre verlängern.

Gebt Trump eine Chance?

smith Aus meinem Heimatstaat Kalifornien kam Ronald Reagan, Präsident der USA von 1981 bis 1989 und früher Schauspieler. Der galt in Europa zum Amtsantritt wie Trump als rechter Hardliner und war dann ein sehr pragmatischer Mann. So hoffe ich, dass sich Trump als früherer Geschäftsmann auch entwickelt.

Warum leben Sie mit nun 29 Jahren in NRW statt im sonnigen Kalifornien?

Smith Ich interessiere mich für die Welt. Darum lernte ich Deutsch an der Highschool, studierte internationale Beziehungen an der University of California und kam 2011 als Deutsch-Lehrer nach Essen. Nun habe ich viele Freunde gefunden, öffnete 2015 das Gringos, und bin glücklich. Ich mag Deutschland.

Quelle: RP
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