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Illegales Autorennen in Hagen
Lebenslanger Führerschein-Entzug für Raser!

Fünf Schwerverletzte bei illegalem Autorennen in Hagen
Fünf Schwerverletzte bei illegalem Autorennen in Hagen FOTO: dpa, kno
Meinung | Düsseldorf. In Hagen sind bei einem illegalen Autorennen fünf Menschen verletzt worden. Nicht der erste Fall dieser Art in NRW. Daher müssen Politiker und Gerichte mit aller Konsequenz gegen das Übel vorgehen.  Von Martin Kessler

Die illegalen Autorennen sind eine moderne Pest. Offenbar steht die PS-Stärke der beteiligten Wagen im umgekehrten Verhältnis zur Intelligenz der Fahrer. Den Opfern nützt das wenig. Sie sind völlig unbeteiligt und haben das Pech, zufällig am falschen Ort unterwegs gewesen zu sein – wie etwa der sechsjährige Junge beim jüngsten Autorennen in Hagen.

Die Interessen der Opfer müssen deshalb Politik und Ordnungskräfte vorrangig im Blick haben, dann kann man die Täter ins Visier nehmen. Leider geschieht oft das Umgekehrte. Polizei und Gerichte beschäftigen sich – mal härter, mal nachsichtiger – vor allem mit den Tätern. Das ist zwar ihre Aufgabe, darf aber nicht den Blick auf die Opfer verstellen. Hier muss sich einiges schnell ändern.

Präsenz der Ordnungskräfte erhöhen

Opferschutz umfasst viele Aspekte. Die Präsenz der Ordnungskräfte auf Strecken, die gern von illegalen Rasern genutzt werden, muss erhöht werden. Das schreckt auch eher schlichtere Gemüter ab, sich dem Kitzel eines illegalen Rennens hinzugeben. Auch Autoverleiher sollten ein Auge darauf richten, welcher Zeitgenosse sich womöglich einen PS-starken Wagen mietet und damit Unheil anrichtet. Ein Personen-Register mit den Verursachern fahrlässig verschuldeter Unfälle könnte da helfen. Eltern haben selbstverständlich einen erweiterten Erziehungsauftrag, wenn sie vom Treiben ihrer erwachsenen Zöglinge Wind bekommen.

Die wichtigste Forderung ist allerdings die schnelle und harte Bestrafung der Übeltäter – selbstverständlich nach rechtsstaatlichen Grundsätzen. Ich finde, dass ein Mann (Frauen sind bei solchen Rennen eher die Ausnahme) seinen Führerschein auf Lebenszeit verwirkt hat, wenn er bei einem illegalen Rennen einen anderen Menschen fahrlässig tötet oder schwer verletzt. Denn die Schäden und der Schmerz der Angehörigen währen auch lebenslänglich. Und den Übeltätern dürfte das Lachen vergehen, wenn die Fahrerlaubnis für alle Zeit – nicht nur für fünf Jahre – entzogen wird. Das dürfte auch die wirkungsvollste Strafe für Raser sein.

Problematischer ist es, die Täter sofort zu langen Haftstrafen zu verurteilen. Hier ist der Einzelfall entscheidend. Eine strengere Bestrafung nur für Raser zu verhängen, widerspricht dem Allgemeinheitsgrundsatz unseres Strafrechts. Menschen, die grobfahrlässig andere womöglich mit Todesfolge schädigen, müssen gleich behandelt werden. Wer meint, mit 100 Stundenkilometern durch eine geschlossene Ortschaft rasen zu müssen und dabei Menschen gefährdet, muss gleich behandelt werden wie Teilnehmer an einem illegalen Autorennen. Außerdem gilt es zu bedenken, dass im Gefängnis bei labilen Charakteren auch eine kriminelle Karriere beginnen kann. Dann wäre keinem geholfen – auch nicht den Opfern.

Auf den Abschreckungscharakter schauen

Gleichwohl sollten die Richter bei Urteilen wieder stärker auf den Sühne- und Abschreckungscharakter von Strafen schauen und nicht nur die Resozialisierung und das soziale Umfeld der Täter berücksichtigen. Das führte im jüngsten Kölner Fall zu Empörung, weil die Täter nicht vorbestraft waren und mit milden Urteilen davonkamen. Hier ist Härte angebracht. Dazu gehören obligatorische Sozialarbeit an allen Wochenenden des Jahres, Warnschuss-Arreste und harte Bewährungsauflagen.

Klar ist, dass Politiker und Gerichte das Übel der Autorennen nicht auf die lange Bank schieben können. Sie müssen mit aller Konsequenz dagegen vorgehen. Sonst geht auch hier das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren.

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